Milliarden-Ersparnis Google-Boss ist "sehr stolz" auf Steuertricks

Mit komplizierten Manövern spart Google Milliarden an Steuern. Peinlich ist das dem Verwaltungsratschef des Suchmaschinenkonzerns überhaupt nicht. "Das nennt man Kapitalismus", sagt Eric Schmidt.
Google-Manager Eric Schmidt: Der Suchmaschinenkonzern ist sich keiner Schuld bewusst

Google-Manager Eric Schmidt: Der Suchmaschinenkonzern ist sich keiner Schuld bewusst

Foto: Wally Santana/ AP

Hamburg/New York - In den USA fallen Bekenntnisse zur Marktwirtschaft seit jeher vehementer aus als in Europa. Doch die jüngsten Äußerungen von Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt dürften auf beiden Seiten des Atlantik für Verstimmung sorgen. "Ich bin sehr stolz auf die Struktur, die wir geschaffen haben", sagte Schmidt laut der britischen Zeitung "The Independent" über das umstrittene Steuersparmodell des Suchmaschinenkonzerns. "Das nennt man Kapitalismus."

Google   steht mit US-Unternehmen wie Starbucks  , Apple  , Facebook   oder Intel   sowohl in den USA als auch in Europa in der Kritik, weil es über komplizierte Manöver seine Steuerlast minimiert. Bei Modellen wie "Double Irish" oder "Dutch Sandwich" werden Gewinne so verschoben, bis die Firmen nur noch einen Bruchteil der ursprünglich fälligen Steuern zahlen müssen.

Im vergangenen Jahr soll Google so rund zwei Milliarden Dollar eingespart haben, laut der Nachrichtenagentur Bloomberg liegt die Summe fast doppelt so hoch wie noch drei Jahre zuvor. Auf den Bermudas hat Google nach SPIEGEL-Informationen  mittlerweile knapp 25 Milliarden Dollar an weitgehend steuerfreien Gewinnen gehortet.

Schmidt hat mit den Praktiken laut eigenem Bekunden keinerlei Problem. Das Steuersparmodell sei legal und folge "Anreizen, die Regierungen uns angeboten haben", sagte er laut "Independent". Er schloss aus, dass sich Google ähnlich wie Starbucks freiwillig bereit erklärt, in Großbritannien mehr Steuern zu zahlen. Das Land biete zwar viele Vorteile, doch er könne seinen Anteilseignern nicht erklären, dass ihm "die Briten leid tun" und er deswegen mehr zahlen wolle. Möglicherweise gebe es sogar "irgendein Gesetz dagegen, das zu tun".

Die Labour-Abgeordnete Margaret Hodge, Vorsitzende des Haushaltsausschusses im britischen Unterhaus, kritisierte Schmidts Aussagen scharf. "Dass Eric Schmidt sagt, er sei stolz auf die Steuerstrategie seiner Firma, ist arrogant, abgehoben und eine Beleidigung seiner Kunden in Großbritannien." Gewöhnliche Steuerzahler seien es "leid, hochprofitablen globalen Unternehmen wie Google dabei zuzusehen, wie sie mit allen Tricks versuchen, ihren gerechten Beitrag zu vermeiden".

dab