Fahrradkuriere Lieferdienst Gorillas kündigt streikenden Fahrern

Seit Monaten legen Kuriere des Express-Lieferdiensts Gorillas ihre Arbeit nieder, um bessere Arbeitsbedingungen zu erstreiten. Nun hat das Unternehmen einer Reihe von Mitarbeitern fristlos gekündigt.
Gorillas-Streik in Berlin: Fristlos gekündigt

Gorillas-Streik in Berlin: Fristlos gekündigt

Foto: Maja Hitij / Getty Images

Seit Monaten liegt der Zehn-Minuten-Lieferdienst Gorillas im Konflikt mit einem Teil seiner Berliner Fahrradkuriere. Neben wilden Streiks und Protesten hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter anderem mit Blockaden vor Lagerhäusern für bessere Arbeitsbedingungen und Gehälter demonstriert. Das Unternehmen reagiert nun offenbar mit Entlassungen auf den andauernden Arbeitskampf. Mehr als ein Dutzend Fahrerinnen und Fahrer des Start-ups erhielt nach SPIEGEL-Informationen vor Kurzem eine fristlose Kündigung.

Das Gorillas Worker’s Collective, eine Gruppe von Mitarbeitenden, die sich zuletzt als Sprachrohr der Fahrradkuriere verstanden hatte, schreibt auf Twitter von drei Lagerhäusern in Kreuzberg, Mitte und Tempelhof, wo praktisch die gesamte Belegschaft gefeuert worden sei.

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Kündigungsgrund »illegale Streiks«?

Zweiseitige Kündigungsschreiben, die dem SPIEGEL vorliegen, zeigen, wie eilig es der Lieferdienst mit seinen mittlerweile ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat. »Hiermit kündigen wir das mit Ihnen bestehende Arbeitsverhältnis außerordentlich aus wichtigem Grund fristlos«, heißt es darin. Worin der wichtige Grund besteht, erklärt das Unternehmen nicht. In einzelnen Fällen wurden sogar Namen von Mitarbeitern falsch geschrieben.

Wer mit Berliner Fahrern und Fahrerinnen spricht, erfährt von Gesprächen, die die knappen Schreiben erklären. Mehreren Personen sei am Telefon erklärt worden, dass die »illegalen Streiks« Grund für die Kündigung seien. Das Unternehmen selbst bestätigt diese Darstellung: Unangekündigte und nicht gewerkschaftlich getragene Streiks seien »rechtlich unzulässig«, sagt ein Sprecher. Nach intensiver Abwägung sehe man sich deshalb gezwungen, den rechtlichen Rahmen durchzusetzen. »Das bedeutet, dass wir das Arbeitsverhältnis mit denjenigen MitarbeiterInnen beenden, die sich aktiv an den nicht genehmigten Streiks und Blockaden beteiligt, den Betrieb durch ihr Verhalten behindert und ihre KollegInnen damit gefährdet haben.«

Für Mittwoch ist eine weitere Demonstration in der Hauptstadt geplant, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wollen »mit Pfannen, Trillerpfeifen und Trommeln« vor der Gorillas-Zentrale gegen die Entlassungen protestieren.

Eskalation im Arbeitskampf

Für das Liefer-Start-up stellt die Kündigungswelle eine Eskalation dar. Im Interview mit der »FAZ« hatte sich Gorillas-Chef Kağan Sümer erst kürzlich als bodenständiger Unternehmer präsentiert. Seine Angestellten seien zum größten Teil zufrieden, sagte Sümer, und würden besser behandelt als bei der Konkurrenz. »Wir beuten niemanden aus.«

Noch im Juli hatte der Gorillas-Gründer gegenüber streikenden Mitarbeitern ein Versprechen abgegeben: »Ich würde niemals jemanden feuern, weil er streikt«, sagte Sümer. »Ich mag, dass ihr für eure Rechte kämpft.« Intern schlug der Chef andere Töne an. In einer geleakten Slack-Nachricht, die in den vergangenen Tagen in sozialen Medien die Runde machte, schreibt Sümer: »Wir mussten einem unserer Fahrer kündigen... Anscheinend war er dabei, sich gewerkschaftlich zu organisieren.«

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