Nach Übernahme durch Chinesen Autozulieferer Grammer verliert den gesamten Vorstand

Beim Autozulieferer Grammer zieht sich der komplette Vorstand nach der Übernahme durch den chinesischen Partner Ningbo Jifeng zurück. Dabei hatte der Vorstandschef den Investor selbst ins Unternehmen geholt.
Grammer-Werksgelände nahe Amberg

Grammer-Werksgelände nahe Amberg

Foto: Armin Weigel/ dpa

Der Autozulieferer Grammer verliert nach der Übernahme durch seinen chinesischen Partner den kompletten Vorstand. Der seit acht Jahren amtierende Vorstandschef Hartmut Müller, Finanzvorstand Gerard Cordonnier und Technik-Vorstand Manfred Pretscher reichten in der Nacht zum Dienstag ihre Kündigungen ein. Das teilte das Unternehmen mit .

Müller, Cordonnier und Pretscher nutzen dabei eine Vertragsklausel, die ihnen bei einem Verkauf der Mehrheit des Unternehmens eine Abfindung in Höhe von drei Jahresgehältern zusichert. Müller kam 2017 auf eine Gesamtvergütung von knapp 1,4 Millionen Euro.

Er hatte die chinesische Firma selbst als "weißen Ritter" in das Unternehmen geholt, um den ungeliebten Großaktionär Hastor loszuwerden. Allerdings war er anschließend davon überrascht worden, dass dieser ein Übernahmeangebot vorlegte.

"Eigentumsverhältnisse deutlicher verschoben"

Ningbo Jifeng hält inzwischen gut 84 Prozent der Anteile an Grammer. Müller, dessen Vertrag noch bis Januar 2022 lief, begründete seinen vorzeitigen Abschied damit, dass sich "die künftigen Eigentumsverhältnisse deutlicher verschoben" hätten als gedacht. Der neue Großaktionär habe nun "die Möglichkeit, grundsätzliche Entscheidungen über die künftige Ausrichtung des Unternehmens unabhängig von meiner Person zu diskutieren", sagte er.

Ningbo Jifeng hatte mitgeteilt, die Grammer-Führungsriege halten zu wollen.

Ende August - nach Abschluss der Übernahme - hatte Müller noch von einer positiven Situation gesprochen: Grammer habe einen stabilen Investor gewonnen, der beim Ausbau des Geschäfts in China helfe. Müller hatte zudem gesagt, dass er einen guten Draht zum neuen Eigentümer habe.

Grammer-Aufsichtsratschef Klaus Probst kündigte an, "zügig" Nachfolger für die Manager zu suchen.

Jifeng-Großaktionär Jimin Wang bekräftigte die Zusagen aus dem Übernahmevertrag: Das Unternehmen solle an der Börse bleiben, weder Stellenstreichungen noch Werksschließungen seien geplant.

cop/Reuters/dpa-AFX
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