Vor Weltklimakonferenz Greenpeace wirft TotalEnergies falsche Angaben zum CO₂-Ausstoß vor

Der Energiekonzern TotalEnergies soll 2019 deutlich mehr Treibhausgas produziert haben als angegeben. Das Unternehmen will nun rechtliche Schritte gegen seine Kritiker von Greenpeace einleiten.
TotalEnergies-Anlage in Frankreich: Milliardengewinne im dritten Quartal

TotalEnergies-Anlage in Frankreich: Milliardengewinne im dritten Quartal

Foto: Pascal Rossignol / REUTERS

Die Umweltorganisation Greenpeace wirft dem französischen Mineralölkonzern TotalEnergies vor, im Jahr 2019 deutlich mehr Treibhausgase ausgestoßen zu haben als das Unternehmen angegeben hat.

TotalEnergies habe erklärt, 2019 etwa 455 Millionen Tonnen CO₂ ausgestoßen zu haben. Der französische Ableger von Greenpeace will einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht  zufolge aber herausgefunden haben, dass die Emissionen in Wahrheit bei 1,6 Milliarden Tonnen CO₂ lagen, also drei- bis viermal höher als angegeben.

Greenpeace hat nach eigenen Angaben die Wertschöpfungskette von TotalEnergies von der Energieförderung bis zum Verkauf anhand von öffentlich zugänglichen Daten nachverfolgt und auf dieser Grundlage eine eigene Schätzung berechnet. Diese Schätzung sei aber unvollständig, da einige Sektoren von TotalEnergies womöglich unterbewertet seien.

»Die Ergebnisse sind schockierend«, sagte François Chartier von Greenpeace Frankreich . TotalEnergies habe seine Emissionen demnach dramatisch untertrieben und seine Rolle in der Klimakrise anscheinend heruntergespielt. Der Bericht stelle die Klimastrategie von TotalEnergies infrage, bis 2050 CO2-neutral zu werden. »In Anbetracht dieser neuen Schätzung der Emissionen von Total erscheinen diese Ziele geradezu unrealistisch«, so Chartier. Greenpeace teilt mit, die Organisation habe ihre Erkenntnisse an die französische Finanzmarktaufsicht weitergeleitet.

TotalEnergies will rechtliche Schritte einleiten

TotalEnergies wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe und will auch rechtlich gegen Greenpeace vorgehen. »Der Greenpeace-Bericht folgt einer Methodik, die gelinde gesagt zweifelhaft ist«, schrieb TotalEnergies in einer Erklärung . Die Schätzungen seien teils »phantasievoll und falsch«. Greenpeace veröffentliche irreführende Informationen. TotalEnergies teilt mit, das Unternehmen wolle rechtliche Schritte einleiten, um »den Schaden wiedergutzumachen«.

Greenpeace teilte der Nachrichtenagentur Reuters  zufolge mit, man sei »voll und ganz bereit«, sich an einer gerichtlichen Auseinandersetzung zu beteiligen. TotalEnergies reagiere nicht auf das Problem, sondern reagiere mit Einschüchterungen.

Greenpeace hat seinen Bericht kurz vor Beginn der Weltklimakonferenz COP 27 veröffentlicht, die am Sonntag im ägyptischen Scharm el Scheich beginnt.

TotalEnergies ist eines der größten Industrieunternehmen der Welt. Ende Oktober hatte der Mineralölkonzern einen Gewinn von 6,6 Milliarden Dollar im dritten Quartal dieses Jahres verzeichnet. Ihre milliardenschweren Gewinne führen aber auch zu Kritik: Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sagte dem Sender BFM Business, der hohe Gewinn erlaube es, den Autofahrern in Frankreich einen Rabatt zu zahlen und die Löhne der Beschäftigten anzuheben. In Frankreich wird auch wie in vielen anderen Staaten über eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne diskutiert.

ptz
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