Finanzskandal Britische Greensill Capital ist insolvent

Die Londoner Gesellschaft hat Insolvenz angemeldet. Schon zuvor wurde die Bremer Banktochter des Konzerns geschlossen. Deutschen Kommunen drohen empfindliche Verluste.
Greensill-Büros in London: auch deutsche Kommunen sind von den Problemen betroffen

Greensill-Büros in London: auch deutsche Kommunen sind von den Problemen betroffen

Foto: Hollie Adams / Bloomberg / Getty Images

Die in finanzielle Schieflage geratene britische Gesellschaft Greensill Capital flüchtet sich in die Insolvenz. Zum Insolvenzverwalter wurde die Unternehmensberatung Grant Thornton bestellt. Es gebe weiterhin Gespräche mit einem Unternehmen zur möglichen Übernahme von Teilen von Greensill Capital, teilte Grant Thornton mit. Insidern zufolge ist Greensill Capital in Verhandlungen mit dem US-Finanzinvestor Apollo. Dieser will sich dazu nicht äußern.

Greensill wurde im Jahr 2011 von dem australischen Banker Lex Greensill gegründet. Die Holding hat ihren Sitz in Australien, das operative Geschäft ist in der britischen Tochter Greensill Capital gebündelt. 2014 übernahm sie in Bremen die Nordfinanz Bank und firmierte sie in Greensill Bank um.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Finanzaufsicht Bafin die deutsche Greensill Bank, eine Tochterfirma der britischen Greensill Capital, geschlossen. Über die Bank sammelte die Gesellschaft Milliardengelder bei deutschen Privatanlegern und institutionellen Investoren ein, mit denen sie ihre Geschäfte absicherte und refinanzierte. Das Wachstum in den vergangenen Jahren war enorm: Laut Bafin belief sich die Bilanzsumme Ende 2020 auf 4,5 Milliarden Euro.

Die Aufsichtsbehörde zog vergangene Woche die Reißleine und schloss die Bank wegen drohender Überschuldung. Außerdem erklärte sie, das Institut sei nicht in der Lage, einen Nachweis über die Existenz von bilanzierten Forderungen zu erbringen, die sie von der GFG Alliance Group angekauft hat. GFG steht für Gupta Family Group und gehört dem indisch-briti­schen Stahlmagnaten Sanjeev Gupta. Dessen Firma Liber­ty Steel ist vor Kurzem mit der Übernahme der Stahl­spar­te von Thyssenkrupp geschei­tert.

Zahlreiche Kommunen in Deutschland betroffen

Betroffen von der Bankschließung sind zahlreiche deutsche Kommunen und städtische Einrichtungen. Sie erhalten im Gegensatz zu den privaten Anlegern kein Geld von der Einlagensicherung zurück. Insgesamt sind Insidern zufolge rund 500 Millionen Euro nicht über die private und gesetzliche Einlagensicherung abgesichert. Über das Engagement deutscher Banken bei Greensill seien die Aufsichtsbehörden nicht sonderlich besorgt, sagten mehrere Insider zu Reuters. Die Deutsche Bank sagte, sie sei von den Vorgängen bei Greensill Capital nicht finanziell betroffen. Dies gelte auch für die Commerzbank, hieß es in Finanzkreisen.

Greensill ist auf Lieferkettenfinanzierung spezialisiert. Die Gesellschaft übernimmt Forderungen eines Lieferanten und zahlt sie an die Gegenpartei aus mit einem kleinen Abschlag. Die Forderungen werden dann zu Anleihen gebündelt und an Investoren verkauft. Auf diese Art und Weise hat Greensill Capital nach eigenen Angaben 2019 Forderungen von zehn Millionen Kunden im Volumen von 143 Milliarden Dollar gebündelt und weitergeleitet. Die Banktochter sicherte solche Forderungen zum Teil ab.

Der Ball geriet ins Rollen, als mehrere Partnerunternehmen das Vertrauen in Greensill verloren und Geschäftsbeziehungen gekappt hatten. Die Schweizer Großbank Credit Suisse und das Fondshaus GAM lösten Lieferkettenfinanzierungsfonds auf, die sie gemeinsam mit Greensill betrieben hatten. Zudem zogen sich Versicherungsunternehmen zurück, die die Geschäfte von Greensill abgesichert hatten.

mic/Reuters
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