Drohender Krieg Russische Börse bricht ein

Der Grenzkonflikt mit der Ukraine trifft auch Russlands Wirtschaft: Die Aktienmärkte des Landes stürzen ab, der Rubel fällt auf ein nie dagewesenes Tief. Die russische Zentralbank sieht sich zu einer radikalen Zinserhöhung gezwungen. In ganz Europa brechen die Börsenkurse ein.

Händler an Moskaus Börse MICEX (Archivbild): Stärkster Einbruch seit Jahren
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Händler an Moskaus Börse MICEX (Archivbild): Stärkster Einbruch seit Jahren


Moskau - Die Krim-Krise hat die russische Börse am Montag auf Talfahrt geschickt: Der Moskauer Börsenindex MICEX brach um 5,89 Prozent ein, der Index RTS sackte nach Börsenöffnung um 7,08 Prozent in den Keller. Der Rubel stürzte auf ein historisches Tief gegenüber Euro und Dollar. Ein Euro kostete erstmals mehr als 50 Rubel.

Der RTS, in dem in Dollar notierte Aktienwerte zusammengefasst sind, brach sogar um bis zu zehn Prozent ein. Das ist der größte Tagesverlust seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Einzelwerte wie die Papiere des Gasförderers Gazprom sackten sogar um bis zu zwölf Prozent ab.

Die Auswirkungen der Krise blieben nicht auf Russland beschränkt. Der Dax sackte im frühen Handel um 2,47 Prozent auf 9452 Punkte ab. Zuletzt war es im Januar an einem einzigen Tag so deutlich abwärts gegangen. Auch der französische und britische Aktienmarkt starteten negativ in den Handel. Für den EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone ging es um 2,07 Prozent auf 3083 Punkte abwärts.

Investoren reagierten beunruhigt auf die drohende militärische Intervention Russlands in der Ukraine. Um die Schockwellen für die Wirtschaft zu bremsen, hob die russische Zentralbank den Leitzins überraschend von 5,5 auf sieben Prozent an. "Die Entscheidung hat das Ziel, Inflationsrisiken und Risiken für die finanzielle Stabilität angesichts der zunehmend volatilen Märkte zu verhindern", teilte die Notenbank mit, ohne die Ukraine ausdrücklich zu nennen.

Der Kreml hat nach dem Umsturz in Kiew Tausende Soldaten auf die ukrainische Halbinsel Krim verlegt. Russlands Präsident Wladimir Putin ließ sich am Wochenende vom Parlament grünes Licht für eine militärische Intervention geben. Im Westen sorgte Moskaus Vorgehen für große Beunruhigung und scharfe Kritik.

ade/AFP/Reuters

insgesamt 73 Beiträge
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kmgeo 03.03.2014
1. Hier liegt ein Hebel....
Militärisch kann der Westen Putin nicht entgegentreten - wirtschaftlich schon. Vor allen seinen Günstlingen: Müssen die europäischen Staaten nicht prüfen, ob irgendwelche Oligarchen mit den Terroristen (bewaffnete, keinem Staat zuzurechnende Kräfte) verbunden sind? Also mal systematisch alle Konten prüfen, alle Chalets, Villen und Yachten durchsuchen. Oligarchen mit Geburtsort Krim? müssten doch einen ukrainischen Pass haben!!!! Der russische ist bestimmt gefälscht! Besteht nicht grundsätzlich die Möglichkeit, dass wohlhabende russische Menschen in Drogengeschäfte involviert sind? Kann man doch auch mal präventiv prüfen! Und ist das Fahren mit russischen Autos in diesen Tagen nicht ein Verstoß gegen Sicherheit und Ordnung wie das Demonstrieren pro Krim in Moskau? Also erstmal verhaften. Wenn man das lange genug macht und womöglich gegen den Rubel massiv spekuliert, wird auch Putin einsehen, dass er nicht am längeren Hebel sitzt. Es müssen nur alle mitmachen....
RalfHenrichs 03.03.2014
2. Zeit für Spekulanten
Jetzt russische Aktien kaufen (oder besser: in den nächsten Tage wird sicherlich noch weiter fallen), dürfte ein großes Geschäft sein. An den Fundamentaldaten ändert sich ja nichts. Nur: politische Börsen haben kurze Beine, daher sollte man schnell sein.
krasmatthias 03.03.2014
3.
Zitat von sysopAPDer Grenzkonflikt mit der Ukraine trifft auch Russlands Wirtschaft: Die Aktienmärkte des Landes brechen ein, der Rubel fällt auf ein nie dagewesenes Tief. Die russische Zentralbank sieht sich zu einer ruckartigen Zinserhöhung gezwungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/grenzkonflikt-ukraine-russland-krim-krise-schockt-russische-maerkte-a-956539.html
Das wird der deutschen Exportwirtschaft und dem deutschen Arbeitsmarkt nicht gefallen. Für Käufer russischer Rohstoffe, welche den Vertrag in Rubeln abgeschlossen haben, sind es goldene Zeiten. Ich kenne Verträge, welche mit einem Faktor von 41 kalkuliert wurden. Jetzt bei über 50 klingelt die Kasse, bei 55 oder gar 60 kommt der Kapitalist so richtig ins träumen. Weiter so!
stanislaus3 03.03.2014
4. Fast ohne Belang
Da der Staat Russland sich nicht durch die Zentralbank finanziert (auch nur sehr geringe Schulden hat, 164. Rang von 173 Länder), haben Zinserhöhungen nicht die Bedeutung, die sie im Westen haben. Eine Zinserhöhung von 2 % würde die überschuldete USA sofort in die Pleite treiben. Damit kann man sicher sein, dass das niedrige Zinsniveau so lange andauert, wie die USA existieren. Weil sie nicht mehr existieren würde, wenn das Zinsniveau kippt. Die balancieren dort nur noch geschickt auf dem Rand eines Vulkans. Auch das niedrigzinsgetriebene Zockerunwesen an der Börse ist in Russland nicht so ausgeprägt wie in den westlichen Staaten. Hohe Zinsen haben übrigens als Marktzinsen einen erheblichen Vorteil in der Weiterentwicklung der Ökonomie. Hohe Zinsen verursachen, dass die knappen Kapitalien immer nur in die lukrativsten Investitionen fliessen und so die Ökonomie aufbauen. Das ist der eigentliche Sinn der Marktwirtschaft, der durch die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken im Westen zur Staatsfinanzierung nicht mehr eingehalten wird. Was zwangsläufig zum Verfall der Produktionsausrüstungen führen muss. Wie man an den USA deutlich merkt. Die leben ja nur noch von Geldruckerei. Deshalb fliessen im Westen die meisten Kapitalien in die Spekulation und nicht in die Investition, was sich in dem tendenziellem Fall der Wirtschaftswachstumsraten in diesen Ländern sehr gut ablesen lässt.
gjj 03.03.2014
5. Bemerkenswert
ist vor allem das Zinsniveau. Während nahezu überall ein Null-Zins vorhanden ist, muss Russland schon utopische Zinsen anbieten, damit überhaupt noch jemand in diesem Land investiert. Deswegen ist es auf vernünftig den wirtschaftlichen Druck auf Russland zu erhöhen, damit sie von ihrer absurden imperial-nationalistischen Politik Abstand nehmen. Wer noch halbwegs bei Verstand in Russland ist, wird erkennen, dass diese Politik in die Sackgasse führt.
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