Griechenland Fraport will Schadensersatz für marode Flughäfen

Lampen, Türen, Feuerlöscher: In den 14 Flughäfen, die Fraport der griechischen Regierung abgekauft hat, ist vieles kaputt. Die Deutschen fordern nun Entschädigung.
Flughafen von Thessaloniki

Flughafen von Thessaloniki

Foto: © Alexandros Avramidis / Reuter/ REUTERS

Der deutsche Flughafenbetreiber Fraport hat Ärger mit den 14 griechischen Flughäfen, die er im Rahmen der Privatisierung von Staatseigentum im April für mehr als 1,2 Milliarden Euro übernommen hatte.

Nach SPIEGEL-Informationen will Fraport Entschädigungen in Höhe von etwa 70 Millionen Euro geltend machen. Die übernommenen Flughäfen, zu denen auch das zweitgrößte griechische Luftkreuz in Thessaloniki und Tourismus-Hotspots wie zum Beispiel der Flughafen auf Korfu gehören, sind offenbar in einem deutlich schlechteren Zustand als gedacht. Im Konzessionsvertrag ist festgehalten, dass Fraport in diesem Fall Entschädigungen einfordern kann.

Nach SPIEGEL-Informationen hatte Fraport einen unabhängigen Gutachter eingeschaltet, der im Juni einen Zustandsbericht über sämtliche durch Fraport erworbene griechische Flughäfen vorlegte. Laut dem Bericht gibt es zahlreiche Probleme. Zum Beispiel: Tausende durchgebrannte Lampen, kaputte Türen, verschwundene oder nicht funktionierende Feuerlöscher. Manche Mängel sind ein Sicherheitsrisiko - auch für die vielen deutschen Touristen, die nach Griechenland kommen.

Weder Fraport noch die griechische Regierung wollten sich zu den Informationen äußern.

Die Summe, die die Frankfurter einfordern sollen, ist für griechische Verhältnisse schmerzhaft viel: Fraport fordert deutlich mehr als Athen beispielsweise mit dem Verkauf der Staatsbahn an die italienische Ferrovie Anfang September eingenommen hat (45 Millionen Euro). Die Deutschen wollen mehr als doppelt so viel wie die 30 Millionen Euro, die die griechische Regierung 2018 bei den Heizkostenzuschüssen für in Armut lebende Familien einsparen muss.

In Griechenland steht Fraport ohnehin in der Kritik. Kürzlich hat der griechische Verkehrsminister Christos Spirtzis, ein Privatisierungsgegner, das Unternehmen im Gespräch mit der staatseigenen Nachrichtenagentur AMNA scharf attackiert: Das Fraport-Konsortium habe die 14 Flughäfen "kein bisschen besser betrieben" als der Staat, sagte er. Spirtzis bemängelte unter anderem, dass seit der Übernahme die Toiletten deutlich schmutziger seien als vorher.

Fraport weist die Anschuldigungen zurück.