Kosmetikproduzent Korres "Griechenlands Krise hat eine Tür geöffnet"

Begann in einer Apotheke: Der griechische Kosmetikproduzent Giorgos Korres
Korres

Begann in einer Apotheke: Der griechische Kosmetikproduzent Giorgos Korres

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Grieche, Unternehmer, international erfolgreich: Mit dieser Kombination ist Giorgos Korres bislang ein ziemlicher Exot. Doch in jüngster Zeit eifern viele Griechen dem Kosmetikproduzenten nach. Ein neuer Gründergeist habe das Land ergriffen, berichtet Korres.

Für den 48-Jährigen begann die Unternehmerkarriere mit einem Halssirup nach dem Rezept seines Großvaters. Den mischte der studierte Pharmazeut, als er noch in einer homöopathischen Apotheke in Athen arbeitete. Bald wagte sich Korres auch an andere Produkte, 1996 gründete er dann gemeinsam mit seiner Frau Lena eine Naturkosmetikfirma und gab ihr seinen Familiennamen.

Mittlerweile gibt es die Cremes, Lotionen oder Parfums von Grönland bis Australien. Korres ist börsennotiert und wurde mit zahlreichen Preisen bedacht. Damit sticht die Firma heraus in einem Land, das kaum Firmen von internationalem Rang vorweisen kann und beim Weltwirtschaftsforum in Davos derzeit durch gerade einmal einen griechischen Unternehmer repräsentiert wird.

SPIEGEL ONLINE: Herr Korres, vor fast 20 Jahren haben Sie sich entschlossen zum Unternehmer zu werden. Was hat Sie dazu ermutigt?

Korres: Der Erfolg meiner Produkte in anderen Apotheken und bei Freunden. Aber ich hatte keine großen Pläne, wir haben sehr klein angefangen. Heute sind wir mit Korres in mehr als 30 Ländern vertreten und verkaufen fast 500 Produkte. Für griechische Verhältnisse ist das ganz ordentlich.

SPIEGEL ONLINE: War es schwer, die Firma zu gründen? Die griechische Bürokratie ist berüchtigt und gilt nicht gerade als unternehmerfreundlich.

Korres: Wenn man in Griechenland geboren ist, weiß man damit umzugehen. Und weil wir Alltagsprodukte herstellen, kannte man uns auch in den Amtsstuben schnell.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist es heute ums griechische Unternehmertum bestellt?

Korres: Früher hat mir hier kaum etwas gefallen. Die Hotels auf den griechischen Inseln zum Beispiel waren schrecklich. Jetzt gibt es schicke Boutique-Hotels, viele junge Leute starten ihre eigene Firma.

SPIEGEL ONLINE: Woran liegt das?

Korres: Ich bin mir nicht sicher. Aber es ist heute fast unmöglich einen Job bei einem Unternehmen oder der Regierung zu bekommen. Also suchen die Leute neue Wege.

SPIEGEL ONLINE: Zumindest in Bezug auf den Unternehmergeist hatte die Krise also ihr Gutes?

Korres: Absolut, sie hat eine Tür geöffnet. Früher passierte nur in Athen Neues. Heute sehe ich überall kleine Firmen, ob auf den griechischen Inseln oder in kleinen Dörfern. Die Leute verlassen die Großstädte und kehren dahin zurück, wo sie geboren wurden. Und obwohl viele sich wieder auf familiäre Strukturen stützen, produzieren sie Dinge, die sich auch international vermarkten lassen.

SPIEGEL ONLINE: Zum Beispiel?

Korres: Ich könnte so vieles nennen. Das geht von Segeltuchtaschen über handgemachte Brillen und antik inspirierte Kleidung bis hin zu mindestens 20 neuen Marken sehr hochwertigen Olivenöls.

SPIEGEL ONLINE: Das Öl hat Griechenland ja bisher vor allem billig an die Italiener oder Spanier geliefert, die es dann teuer als ihr eigenes weiterverkauften. Korres dagegen wirbt gezielt mit den Zutaten aus griechischen Pflanzen. Sind die Hellenen schlechte Selbstvermarkter?

Korres: Auf jeden Fall. Wir Griechen verkaufen viel im Großhandel und wenig als Eigenmarke. Das ist wirklich schade und ändert sich erst langsam.

SPIEGEL ONLINE: Naturprodukte wie Ihre sind ja schön, aber ihrem Land fehlt es auch an Industrie. Glauben Sie, dass es die noch einmal geben wird?

Korres: Nein, ich denke nicht, dass wir jemals eine Schwerindustrie haben werden. Deswegen sollten wir Dinge mit hohem Mehrwert produzieren und den Tourismus weiter entwickeln.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist Ihre Firma durch die Krise gekommen?

Korres: Wir hatten auch in den letzten Jahren immer ein leichtes Plus. Das lag vor allem daran, dass die Leute von teureren Kosmetikmarken zu uns gewechselt sind. Und dass sie versuchen, wieder mehr griechische Produkte zu kaufen. Auch andere griechische Kosmetikfirmen wachsen, die Verkäufe ausländischer Hersteller sind dagegen rückläufig.

SPIEGEL ONLINE: Auch Korres ist aber keineswegs unbeschadet durch die Krise gekommen. Ihre Aktie hat fast 80 Prozent ihres zwischenzeitlichen Werts verloren. Wieso?

Korres: Ich glaube, der Aktienkurs griechischer Unternehmen spiegelt derzeit nicht ihren wirklichen Wert wider. Investoren vertrauen der griechischen Wirtschaft noch nicht ausreichend. Aber spätestens in ein paar Jahren werden die Finanzmärkte ihre Einschätzung ändern.

SPIEGEL ONLINE: Wagen Sie eine Prognose, wie sich die wirtschaftliche Lage weiter entwickelt?

Korres: Ich bin kein Konjunkturexperte. Aber in den vergangenen sechs Monaten hatte ich den Eindruck, dass sich die Wirtschaft belebt. Nichts Großes, aber es gibt kleine Anzeichen für eine leichte Verbesserung. Doch ich muss Ihnen auch sagen: Es gibt hier nicht eine einzige Familie ohne Arbeitslose.



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postmaterialist2011 27.03.2014
nachtmacher 27.03.2014
zila 28.03.2014
JNtz 28.03.2014
Leto13 29.03.2014

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