Milliardenprojekt Umbau von Athener Geisterflughafen Hellenikon soll endlich beginnen

Südlich von Athen lag fast 20 Jahre lang ein riesiges, exklusives Grundstück brach. Jetzt soll nach SPIEGEL-Informationen der Umbau des früheren Flughafens Hellenikon zu einem Urlaubsresort beginnen.
Symbol für viele Probleme des Landes: der verwaiste Flughafen Hellenikon

Symbol für viele Probleme des Landes: der verwaiste Flughafen Hellenikon

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Costas Baltas/ REUTERS

Griechenland braucht dringend Investitionen und Jobs - schließlich muss das Land laut einer Prognose der EU-Kommission die stärksten wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie fürchten. Das sind bittere Nachrichten, schließlich hatte sich Griechenland nach einem Jahrzehnt gerade erst von vielen Spätfolgen der Finanzkrise erholt.

Immerhin ein milliardenschweres Projekt, das für Arbeitsplätze sorgen dürfte, ist nach SPIEGEL-Informationen nun startklar: die Umwandlung des früheren Athener Flughafens Hellenikon in eines der größten Touristenresorts Europas. Bereits kommende Woche könnten sich Auftragnehmer vor Ort einrichten. Anfang Juni werden dann Bulldozer, Bagger und Presslufthämmer erwartet. Ihre erste Aufgabe wird es sein, Hunderte von verfallenen Gebäuden auf dem Gelände abzureißen und so den Weg für die Neugestaltung zu ebnen.

Fast zwei Jahrzehnte hatte eine der exklusivsten Immobilien des Kontinents brachgelegen. Hellenikon wurde zum Symbol für viele Funktionsstörungen, die zu Griechenlands Finanzmisere geführt haben: eine starre Bürokratie, politischer Streit und ein verbreitetes Misstrauen gegenüber Investitionen.

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Athens alter Flughafen Hellenikon: Ende Gelände

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So stand das Projekt lange in der Kritik verschiedener Athener Interessengruppen, etwa weil sie die Gentrifizierung ihrer Stadt fürchteten. Auch gab es Denkmalschutzbedenken. All diese Initiativen scheiterten jedoch vor Gericht. Zuletzt hatte die sozialistische Regierung unter Alexis Tsipras den Umbau 2015 gestoppt. Allerdings war die erfolgreiche Privatisierung des Hellenikon-Geländes die Bedingung für die Auszahlung von Wirtschaftshilfen der Euro-Gruppe an den griechischen Staat. So kam es 2016 doch noch zum Geschäftsabschluss.

Das Grundstück am Wasser liegt nur acht Kilometer südlich von Athen und ist dreimal so groß wie Monaco. Sein Umbau wird vom griechischen Unternehmen Lamda Development geleitet. Geplant ist ein großer Komplex mit Luxushäusern und -büros, ein Casino, ein Park, Hotels und ein Jachthafen. Das Projekt hat ein Volumen von rund acht Milliarden Euro und soll zahlreiche Touristen und Investoren anziehen. Einer Studie zufolge könnten während des Baus 10.000 Jobs entstehen, später sollen es sogar 75.000 sein.

"Wenn alles gut läuft, wird das Projekt innerhalb weniger Wochen, um Anfang Juni herum, endlich starten", sagte dem SPIEGEL Adonis Georgiadis, Griechenlands Entwicklungsminister und einer der entschiedensten Verfechter des Projekts. Die Blockade von Hellenikon endlich zu lösen gehörte zu den wichtigsten Versprechen, mit denen die konservative Nea Dimokratia von Premierminister Kyriakos Mitsotakis 2019 die Wahl gewann.

Für die griechische Regierung könnte der Durchbruch zu keinem besseren Zeitpunkt kommen. Laut EU-Kommission dürfte die tourismusabhängige Wirtschaft des Landes in diesem Jahr um 9,7 Prozent schrumpfen - der größte Einbruch in der EU. Auch mit einer prognostizierten Arbeitslosenquote von fast 20 Prozent ist Griechenland trauriger Spitzenreiter.

"Dieses Projekt war immer sehr wichtig für die griechische Wirtschaft", sagte Georgiadis. "Aber unter den derzeitigen Bedingungen wird seine Bedeutung noch größer. Es wird Tausende neue Jobs schaffen und Griechenlands endgültigen Abschied von der Krise signalisieren."

Übersetzung aus dem Englischen: David Böcking

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