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26. Januar 2015, 07:12 Uhr

Verluste in Tokio

Wahlausgang in Griechenland macht Anleger nervös

Der japanische Nikkei-Index im Minus, der Euro zeitweise auf einem Elf-Jahres-Tief: Der Linksruck in Griechenland beunruhigt Anleger an den asiatischen Börsen. Wie wird der Wahlausgang an den europäischen Märkten aufgenommen?

Tokio - Noch sind die Börsen in Europa geschlossen, doch an den asiatischen Märkten kann man die Unruhe nach der Griechenland-Wahl schon ablesen: In Japan hat der Sieg der Syriza-Partei in Griechenland Verkäufe ausgelöst. Der wichtige Nikkei-Index verlor zeitweise 0,8 Prozent auf 17.370 Punkte. Auch der breiter gefasste Topix-Index gab nach. Es wird erwartet, dass auch der deutsche Leitindex Dax mit einem Minus starten wird.

Am Abend war bereits der Euro unter Druck geraten. Er fiel zwischenzeitlich auf den niedrigsten Wert seit elf Jahren, stabilisierte sich am Montagmorgen allerdings wieder. Zuletzt kostete ein Euro 1,1180 Dollar und damit mehr als am Freitagnachmittag, als der Euro wegen der neuen Billionenspritze der Europäischen Zentralbank bis auf 1,1115 Dollar gefallen war.

Händler verwiesen darauf, dass mit dem Syriza-Sieg das Potenzial eines Konflikts mit den internationalen Geldgebern Griechenlands gestiegen sei. Das Linksbündnis hatte bei der Wahl in Griechenland am Sonntag einen klaren Sieg eingefahren. Die Partei hatte im Wahlkampf versprochen, den strikten Sparkurs der bisherigen Regierung aufzukündigen und mit den internationalen Gläubigern über einen Schuldenschnitt verhandeln zu wollen.

Die Wahl galt als Richtungsentscheidung und war in ganz Europa sowie an den internationalen Finanzmärkten mit Spannung erwartet worden. Im Vorfeld war unter anderem über einen Austritt Griechenlands aus dem Euro ("Grexit") im Falle eines Syriza-Wahlsiegs spekuliert worden. Der Chef des Parteienbündnisses, Alexis Tsipras, hat aber immer wieder versichert, dass er den Euro behalten wolle.

"Es wird keinen katastrophalen Streit geben"

Entsprechend hielt sich die Nervosität an den Märkten in Grenzen. "Das Risiko, dass Griechenland die Eurozone verlässt, ist nicht groß", sagte Toru Ibayashi von der UBS in Tokio. Auch Commerzbank-Analyst Christoph Weil beruhigte: Das Risiko eines Austritts Griechenlands aus dem Euro sei sehr gering. Wichtig sei jetzt, wie sich Tsipras nach seinem Wahlsieg verhält.

Dieser signalisierte den EU-Partnern noch in der Wahlnacht zumindest Gesprächsbereitschaft für eine "gerechte und praktikable Lösung". "Es wird keinen katastrophalen Streit geben", versicherte Tsipras. Der Syriza-Chef will nun direkt mit den Kreditgeberländern verhandeln - die Zeit der Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) sei vorbei, sagte er vor Tausenden jubelnden Anhängern in Athen. "Wir haben heute Geschichte geschrieben."

yes/Reuters/dpa

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