Hilfen für griechische Banken "Wir brauchen schnell eine Einigung, wenn wir nicht Nordkorea werden wollen"

Die Aktien im Keller, die Kunden auf der Flucht: Griechenlands Banken fürchten um ihre Rücklagen. Die Institute könnten schon Mitte Februar Nothilfen benötigen, heißt es in der Branche.
Geschlossene Bank-Filiale in Athen: Syriza will mehr Mitsprache

Geschlossene Bank-Filiale in Athen: Syriza will mehr Mitsprache

Foto: JOHN KOLESIDIS/ REUTERS

Thessaloniki - Wegen des Abzugs von Sparguthaben und fallenden Aktienpreisen stehen griechische Banken kurz davor, Notfallkredite der Europäischen Zentralbank (EZB) zu beantragen. Ohne die sogenannte Emergency Liquidity Assistance (Ela) können die Institute nach Informationen von SPIEGEL ONLINE noch höchstens bis zum 16. Februar ihr Geschäft aufrechterhalten.

Bis Ende Dezember sanken die Reserven der Banken im Vergleich zum Vormonat um 4 Milliarden auf 160 Milliarden Euro. Im Januar wurden Schätzungen zufolge weitere 8 Milliarden Euro abgezogen. Sollte der Trend anhalten, müssten die Geldhäuser erstmals auf Ela zurückgreifen.

Nach Informationen aus Bankenkreisen wurde die Kapitalflucht vor allem durch Kleinsparer ausgelöst, die ihre Guthaben aus Sorge vor den politischen Entwicklungen abzogen. "Das ist kein Kinderspielplatz", sagte ein hochrangiger Vertreter einer systemisch wichtigen Bank SPIEGEL ONLINE. "Wir brauchen eine neue Vereinbarung mit unseren Geldgebern und zwar schnell vor Auslaufen des derzeitigen Programms, wenn wir nicht Nordkorea werden wollen."

Mit solchen Warnungen ist die Branche nicht allein. Die Haushaltsbehörde des Parlaments gab am Freitag einen Bericht heraus, wonach sich die Regierung "so bald wie möglich" mit ihren Gläubigern einigen muss. Sollte dies passieren, drohten "unmittelbare Probleme durch eine massive Kapitalflucht. Schon allein deshalb ist zumindest eine minimale Einigung notwendig".

Syriza will Banken strenger kontrollieren und umgehend ein Gesetz verabschieden, wonach Bürger unterhalb der Armutsgrenze Teile ihrer Kredite abschreiben dürfen. Dies wäre eine große Erleichterung für verschuldete Haushalte, aber eine Bedrohung für die Bilanzen von Banken.

Die Zahl fauler Kredite wächst in Griechenland stetig, auch bei Hypotheken, die gemeinhin seltener ausfallen als andere Darlehen. Insgesamt haben die Griechen derzeit offene Hypothekenschulden von 70 Milliarden Euro bei ihren Banken, bei weiteren Kredite in Höhe von 25 Milliarden sind sie um mindestens 90 Tage im Zahlungsverzug.

Management und Anteilseigner waren durch den Regierungswechsel zum Wochenanfang in Alarmstimmung versetzt worden. Allein in den ersten drei Tagen nach den Wahlen verloren griechische Bankaktien 50 Prozent an der Athener Börse, was auf dem Papier einem Verlust von 7,3 Milliarden Euro entsprach. Diese schadete nicht nur Investmentfonds und Kleinanlegern, sondern auch ausländischen Investoren, welche sich an der Rekapitalisierung griechischer Banken beteiligt hatten.

Kanadischer Großinvestor trifft Vizepremier

In Athen hat sich der kanadische Investmentmagnat Prem Watsa, Chef des Finanzkonzerns Fairfax Financial, zu einem Treffen mit Vizepremier Giannis Dragasakis angekündigt. Nach dem dramatischen Absturz griechischer Bankaktien hatte Dragasakis versprochen, seine Regierung werde das Gespräch mit privaten Investoren suchen. Fairfax Financial war 2014 einer der wichtigsten Investoren, die insgesamt 1,3 Milliarden Euro an frischem Kapital in Griechenlands drittgrößtes Finanzinstitut Eurobank steckten. Eurobank ist die einzige Großbank, die überwiegend wieder in privater Hand ist, der griechische Rettungsfonds HFSF hält noch 35 Prozent der Anteile.

Alle anderen Banken sind seit ihrer Rekapitalisierung durch den HFSF mehrheitlich unter Kontrolle des griechischen Staats. Die bisherige Regierung von Antonis Samaras hatte wenig Gebrauch von ihren Kontrollmöglichkeiten gemacht, die nach den HFSF-Regeln ohnehin auf strategische Entscheidungen beschränkt sind.

Syriza aber will direkteren Einfluss nehmen. Die neue Regierung verlangt mehr Transparenz in Managemententscheidungen, direkte Berichte der Verantwortlichen an die Regierung und einen Austausch der derzeitigen Bankchefs.

Um diese Forderungen durchzusetzen, müssten die Vorschriften geändert werden. Da die Mittel des HFSF von Griechenlands internationalen Geldgebern kommen, könnte ein solcher Schritt die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Griechenland und seinen Partnern in der Eurozone weiter verschärfen.

Eine Mitsprache der Regierung im Management sei unproblematisch, sagte ein Bankchef, "solange sie nicht gescheiterte Politiker und Populisten zur Führung aussuchen. Aber wenn sie, wie von vielen uns gefürchtet, auch die Entscheidung über Kredite kontrollieren wollen, so wäre das ein bedauerlicher Rückschritt zu den Achtzigerjahren". Bis Mitte der Achtzigerjahre hatten griechische Politiker das Management von Banken selbst ausgewählt und die Institute nicht selten wie private Geldautomaten behandelt. Erst Mitte des Jahrzehnts begann die Liberalisierung der Branche.

Nach Ansicht von Syriza haben griechische Banken einen zweifelhaften Umgang mit faulen Krediten großer Unternehmen gepflegt, deren Eigentümer trotz einer Pleite oft weiterhin einem luxuriösen Lebensstil frönten. Syriza will, dass Banken mehr Geld in die Wirtschaft stecken. Die Partei sieht die Institute als Teil eines korrupten Dreiecks aus Medieninteressen, Empfängern von Staatsaufträgen und Parteien.

Sowohl Medienkonzerne als auch Parteien haben zweistellige Millionenkredite von griechischen Banken erhalten. Syriza will zudem eine staatliche Entwicklungsbank nach Vorbild der deutschen KfW schaffen - ein Plan, der schon unter vorherigen Regierungen angekündigt wurde.

Übersetzung aus dem Englischen: David Böcking
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