Größter Verbraucher Deutsche Bahn muss Atomausstieg fürchten

Bahn-Chef Grube fordert den schnellen Atomausstieg, doch seinem Konzern macht er Sorgen. Denn die Deutsche Bahn bezieht einen erheblichen Teil ihres Stroms aus AKW - und kann nicht ohne weiteres umsteigen.
ICE unter Stromleitungen: "Wir stehen vor einer komplett neuen Situation"

ICE unter Stromleitungen: "Wir stehen vor einer komplett neuen Situation"

Foto: A3763 Salome Kegler/ dpa

Hamburg - Es passt nicht recht zum Image der Bahn als umweltfreundlichem Verkehrsträger. Doch gut ein Fünftel seines Strombedarfs deckt das Unternehmen mit Atomstrom. Deshalb bedrohen die Pläne für einen beschleunigten Atomausstieg laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" ("FTD") auch die Versorgung des Konzerns. "Wir stehen vor einer komplett neuen Situation", zitiert die Zeitung Bahn-Kreise.

Schon die unter dem Eindruck der Katastrophe in Japan beschlossene Abschaltung des Kraftwerks Neckarwestheim I ist ein Schlag für den Konzern. Denn zusammen mit dem Reaktor Neckarwestheim II ist es das einzige AKW in Deutschland, das sogenannten Bahnstrom erzeugen kann. Dieser unterscheidet sich in seiner Frequenz vom gebräuchlichen Drehstrom.

Hinzu kommt, dass wegen einer vorerst verweigerten Baugenehmigung auch das Kohlekraftwerk Datteln 4 wegfallen könnte. Mit dem neuen Kraftwerk wollte die Bahn ab 2012 eigentlich rund ein Fünftel ihres Strombedarfs abdecken. "Wenn jetzt noch Datteln 4 wegfällt, haben wir ein echtes Problem", zitiert die "FTD" einen Bahn-Mitarbeiter.

Mit einem Jahresbedarf von zwölf Terawattstunden ist die Bahn Deutschlands größter Stromverbraucher. Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte im vergangenen Jahr einen Appell unterzeichnet, der ein Festhalten an der Kernkraft als Brückentechnologie forderte. Angesichts des Unglücks im japanischen Reaktor Fukushima forderte er jedoch gegenüber SPIEGEL ONLINE, die Umstellung auf Erneuerbare Energien zu beschleunigten. "Wir müssen und werden den Umbau noch schneller anpacken."

dab
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