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26. Juni 2014, 15:36 Uhr

Boomender Häusermarkt

Bank of England stemmt sich gegen Immobilienblase

Mit einer Kreditobergrenze für Hauskäufer greift die britische Notenbank in den boomenden Immobilienmarkt ein. Menschen mit geringem Einkommen dürfen keine zu hohen Hypotheken mehr aufnehmen. So will die Bank of England einen Crash verhindern.

London - Die britische Notenbank fürchtet sich vor dem Platzen einer Immobilienblase - und greift mit neuen Regeln in den Markt ein. Ab Oktober sollen für den Großteil der Immobilienkredite Obergrenzen gelten, die an das Einkommen der Käufer gekoppelt sind. "Unsere Geduld ist am Ende", sagte Zentralbankchef Mark Carney am Donnerstag. "Deshalb gibt es eine Deckelung."

Um Exzesse am Immobilienmarkt zu verhindern, soll ein Hypothekenkredit künftig in der Regel das 4,5-Fache des Einkommens nicht übersteigen. Lediglich bei 15 Prozent der vergebenen Kredite einer Bank darf das Verhältnis höher sein.

Die Notenbank reagiert damit auf den Immobilienboom in Großbritannien. Die Hauspreise waren dort zuletzt um zehn Prozent pro Jahr gestiegen, in London lag der Zuwachs fast doppelt so hoch. Experten warnen deswegen vor der Gefahr einer Überhitzung des Marktes. Notenbankchef Carney hatte vor etwa zwei Wochen den Immobilienmarkt als größtes Risiko für die britische Wirtschaft bezeichnet.

Zum Boom beigetragen hat auch ein staatliches Förderprogramm, das selbst kapitalschwachen Haushalten den Traum von den eigenen vier Wänden ermöglichen sollte.

"Stresstest" für Hauskäufer

Welch verheerende Folgen eine platzende Immobilienblase haben kann, hat sich zuletzt in der Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008 gezeigt. Die weltweite Krise ging damals vom US-Häusermarkt aus. In Europa traf sie Spanien und Irland besonders hart, weil auch dort der über Jahre boomende Immobiliensektor zusammenbrach.

Die Bank of England empfiehlt den britischen Banken einen sogenannten "Stresstest" für ihre Kunden. Hauskäufer sollen dabei nachweisen, dass sie ihre Hypotheken auch dann noch bedienen können, wenn die Zinsen um bis zu drei Prozentpunkte steigen.

Ob die Maßnahmen gewünschte Wirkung entfachen, gilt als ungewiss, weil die neuen Instrumente kaum erprobt sind. Experten glauben, dass noch mehr nötig sein wird, um eine gefährliche Immobilienblase zu vermeiden. "Es braucht kein ausgeklügeltes Modell oder große ökonomische Arbeiten, um herauszufinden, dass das außer Kontrolle ist und dass etwas getan werden muss", sagt Unicredit-Chefvolkswirt Erik Nielsen über den britischen Immobilienmarkt. "Letztendlich braucht Großbritannien eine Zinserhöhung - und zwar schnell."

Bisher will die Bank of England nichts von höheren Zinsen wissen. Beobachter erwarten aber, dass sie die erste große Notenbank sein wird, die nach der Finanzkrise eine Zinserhöhung wagt.

stk/dpa/Reuters

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