Boomender Häusermarkt Bank of England stemmt sich gegen Immobilienblase

Mit einer Kreditobergrenze für Hauskäufer greift die britische Notenbank in den boomenden Immobilienmarkt ein. Menschen mit geringem Einkommen dürfen keine zu hohen Hypotheken mehr aufnehmen. So will die Bank of England einen Crash verhindern.

Häuserzeile in London: Die Preise sind zuletzt stark gestiegen
REUTERS

Häuserzeile in London: Die Preise sind zuletzt stark gestiegen


London - Die britische Notenbank fürchtet sich vor dem Platzen einer Immobilienblase - und greift mit neuen Regeln in den Markt ein. Ab Oktober sollen für den Großteil der Immobilienkredite Obergrenzen gelten, die an das Einkommen der Käufer gekoppelt sind. "Unsere Geduld ist am Ende", sagte Zentralbankchef Mark Carney am Donnerstag. "Deshalb gibt es eine Deckelung."

Um Exzesse am Immobilienmarkt zu verhindern, soll ein Hypothekenkredit künftig in der Regel das 4,5-Fache des Einkommens nicht übersteigen. Lediglich bei 15 Prozent der vergebenen Kredite einer Bank darf das Verhältnis höher sein.

Die Notenbank reagiert damit auf den Immobilienboom in Großbritannien. Die Hauspreise waren dort zuletzt um zehn Prozent pro Jahr gestiegen, in London lag der Zuwachs fast doppelt so hoch. Experten warnen deswegen vor der Gefahr einer Überhitzung des Marktes. Notenbankchef Carney hatte vor etwa zwei Wochen den Immobilienmarkt als größtes Risiko für die britische Wirtschaft bezeichnet.

Zum Boom beigetragen hat auch ein staatliches Förderprogramm, das selbst kapitalschwachen Haushalten den Traum von den eigenen vier Wänden ermöglichen sollte.

"Stresstest" für Hauskäufer

Welch verheerende Folgen eine platzende Immobilienblase haben kann, hat sich zuletzt in der Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008 gezeigt. Die weltweite Krise ging damals vom US-Häusermarkt aus. In Europa traf sie Spanien und Irland besonders hart, weil auch dort der über Jahre boomende Immobiliensektor zusammenbrach.

Die Bank of England empfiehlt den britischen Banken einen sogenannten "Stresstest" für ihre Kunden. Hauskäufer sollen dabei nachweisen, dass sie ihre Hypotheken auch dann noch bedienen können, wenn die Zinsen um bis zu drei Prozentpunkte steigen.

Ob die Maßnahmen gewünschte Wirkung entfachen, gilt als ungewiss, weil die neuen Instrumente kaum erprobt sind. Experten glauben, dass noch mehr nötig sein wird, um eine gefährliche Immobilienblase zu vermeiden. "Es braucht kein ausgeklügeltes Modell oder große ökonomische Arbeiten, um herauszufinden, dass das außer Kontrolle ist und dass etwas getan werden muss", sagt Unicredit-Chefvolkswirt Erik Nielsen über den britischen Immobilienmarkt. "Letztendlich braucht Großbritannien eine Zinserhöhung - und zwar schnell."

Bisher will die Bank of England nichts von höheren Zinsen wissen. Beobachter erwarten aber, dass sie die erste große Notenbank sein wird, die nach der Finanzkrise eine Zinserhöhung wagt.

stk/dpa/Reuters



insgesamt 4 Beiträge
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braintainment 26.06.2014
1. Dr.
Irgendwie werden die Leute nicht schlauer... https://www.akad.de/fileadmin/akad.de/assets/PDF/WHL_Schriftenreihe/WHL_Schrift_Nr_25.pdf ab Seite 16...
stefangr 26.06.2014
2. einfach höhere Eigenkapitalregeln
Sobald die Käufer mindestens 20-30% bares Eigenkapital nachweisen müssen, platzt die Blase, denn die meisten Finanzierungen sind wie teilweise hier in Deutschland über 100%. Die zockende Spekulanten heizen mit ihren überdimensionierten und zu hohen Boni diese Blase noch an. Wenn die zockenden Investmentbanken und ihre gierigen Händler ihre Verluste selbst tragen müssten, wäre die Blase nie so groß geworden. Aber England und die ganze westliche Welt ist mittlerweile nur noch ein zockendes Casino, die Substanz ist fast bei Null, wenn man ein Mehrfaches der realen Werte verzockt. Das bittere Erwachen wird grausam sein, leider nicht für die Zocker.
vezin 26.06.2014
3. Irre
Bei einem Jahresverdienst von 35.000 Pfund (schon über dem Durchschnitt)wäre eine Hypothek von max. 158.000 Pfund drin - dafür gibt es in London gerade mal eine Garage !!
Nicht Lustig 26.06.2014
4. Im Grunde Aendert Sich Fast Nichts
Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass auch schon heute man in London kaum einen Kredit fuer die Wohnung bekommt der mehr als das 4- bis 5-fache des Einkommens betraegt. Das ware die Grenze vor 5 Jahren als ich mir meine Wohnung kaufte so und war auch noch vor ein paar Monaten so als ich meine Wohnung refinanziert habe. Ich wohne selbst in London's Innenstadt und kann bestaetigen, dass die Preise mehr als auser Kontrolle sind. Allerdings habe ich dein Eindruck, dass die Preise zum Grossteil durch guenstige Zinsen und Investitionen von Auslaendischem Kapital verursacht werden. Nachbarn verkaufen Ihre Wohnungen an Investoren aus Russland, Katar, den Emiraten oder China. Denen scheinen die Preise fast egal zu sein solange das Geld nicht auf Konten liegt, die nicht gesperrt werden koennen. Die Wohnungen stehen dann im Normalfall leer wobei langristig der Londoner Markt fast 7% rendiete garantiert. Deshalb glaube ich, dass dies nur wenig Einfluss auf Londoner Wohnungspreise haben wird.
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