Wirtschaftsprüfer in Großbritannien Bilanzprüfung und Beratung sollen streng getrennt werden

Prüfen und gleichzeitig beraten? In Großbritannien soll das Geschäft bei den großen Wirtschaftsprüfern intern künftig strikt abgegrenzt sein. Bis zum Herbst sollen sie Konzepte ausarbeiten.
Blick auf das Londoner Finanzzentrum: "Vertrauen in die Branche wiederherstellen"

Blick auf das Londoner Finanzzentrum: "Vertrauen in die Branche wiederherstellen"

Foto: BEN STANSALL/ AFP

Die vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sollen die Bilanzprüfung und die Unternehmensberatung in Großbritannien künftig intern strikt voneinander trennen. Das Financial Reporting Council (FRC), das für die Aufsicht über die Branche zuständig ist, forderte PwC, Deloitte, KPMG und EY (Ernst & Young) am Montag auf, die Trennung bis Mitte 2024 umzusetzen.

Die Behörde zieht damit erste Konsequenzen aus den Pleiten des Baukonzerns Carillion und des Handelskonzerns BHS (British Home Stores), die die Politik auf den Plan gerufen hatte. Doch die entsprechenden Gesetzesinitiativen waren - zuerst wegen des Brexits, zuletzt wegen der Corona-Pandemie - in den Hintergrund gerückt.

Die Wirtschaftsprüfer sollen bis Oktober Pläne ausarbeiten, wie sie die Trennung umsetzen wollen. Das FRC fordert unter anderem, dass die Wirtschaftsprüfung nicht mehr von der Beratung quersubventioniert wird.

KPMG erklärte, die organisatorische Trennung sei ein erster Schritt, um das Vertrauen in die Branche wiederherzustellen. Nach Ansicht von EY gehen die Vorschläge nicht weit genug. In der EU war ein Vorstoß, Wirtschaftsprüfern zu verbieten, die von ihnen überwachten Unternehmen gleichzeitig in steuerlichen und strategischen Fragen zu beraten, wieder aufgeweicht worden.

Chance für kleinere Wirtschaftsprüfungsfirmen

Eine von der britischen Regierung beauftragte Kommission hat bereits gefordert, das FRC durch eine neue Behörde zu ersetzen, die weiterreichende Kompetenzen bei der Aufsicht über die Wirtschaftsprüfung, die Bilanzierung und die Grundsätze guter Unternehmensführung (Corporate Governance) erhalten soll.

Großbritannien will zudem kleinere Wirtschaftsprüfungsfirmen wie Mazars, BDO und Grant Thornton stärken, die bei Prüfaufträgen großer Unternehmen kaum zum Zuge kommen. Die "großen Vier" PwC, KPMG, EY und Deloitte teilen diesen Markt im Wesentlichen europaweit unter sich auf. 

rwi/Reuters