Wirtschaft in Großbritannien Deutsche Unternehmen spüren Brexitauswirkungen

Viele deutsche Firmen berichten von Handelsbarrieren und der Bevorzugung einheimischer Mitbewerber in Großbritannien. Die britische Wirtschaft leidet nun zusätzlich unter Omikron, vielerorts fehlt Personal.
Hafen von Liverpool (Archiv): Beim Warenverkehr machte der EU-Austritt teils große Probleme

Hafen von Liverpool (Archiv): Beim Warenverkehr machte der EU-Austritt teils große Probleme

Foto: Peter Byrne / dpa

Vor einem Jahr trat Großbritannien aus der Europäischen Union (EU) endgültig aus, zahlreiche deutsche Firmen erleben laut einem Medienbericht seither negative Auswirkungen des Brexits. Das geht aus einer Sonderauswertung einer Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 3200 Unternehmen weltweit hervor, aus der die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichten.

43 Prozent der deutschen Unternehmen in Großbritannien gaben demnach laut der AHK-World-Business-Outlook-Studie an, Handelsbarrieren oder eine Bevorzugung einheimischer Mitbewerber zu spüren. Vor allem der Fachkräftemangel setze deutschen Unternehmen zusätzlich zu: 55 Prozent der in Großbritannien tätigen deutschen Firmen klagten über fehlendes Personal. Die Coronakrise habe zudem Probleme in der Lieferkette verursacht, berichteten 85 Prozent der in Großbritannien tätigen deutschen Unternehmen.

Zum Vergleich: Weltweit waren mit 54 Prozent deutlich weniger Unternehmen von Lieferkettenproblemen betroffen. Auch bei fehlenden Waren (37 Prozent) und einer erhöhten Rechtsunsicherheit (25 Prozent) verzeichneten deutsche Firmen in Großbritannien überdurchschnittlich oft Auswirkungen auf ihr Geschäft.

Nicht nur der Brexit verändert die Wirtschaft Großbritanniens und sorgt für einen Fachkräftemangel, der Pflegeheime, Tankstellen oder Supermärkte trifft. Inzwischen belastet auch die Omikron-Variante des Coronavirus in dem Land zunehmend die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.

Immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erkranken oder müssen sich zu Hause isolieren – vom Bahnverkehr über die Unterhaltungsbranche bis hin zur Feuerwehr. »Unglücklicherweise führt die Pandemie zu einigen Personalengpässen«, heißt es etwa beim regionalen Zugbetreiber Avanti West Coast. »Wir tun alles, was wir können, um unseren Fahrplan einzuhalten«, teilte das Unternehmen bereits Ende vergangener Woche mit. Trotzdem könne es zur kurzfristigen Streichung von Verbindungen kommen.

»Beispielloser« Arbeitskräftemangel bei der Feuerwehr

Im schottischen Edinburgh musste die bei Touristen beliebte Burg Edinburgh Castle wegen kranker Mitarbeiter die Pforten schließen – ebenso wie das berühmte Naturhistorische Museum in London. In der britischen Hauptstadt haben außerdem die Theater am West End Aufführungen abgesagt, darunter etwa den »Nussknacker« oder »König der Löwen«, um sowohl die Schauspielerinnen und Schauspieler als auch das Publikum zu schützen.

Auch Hotels und die Gastronomie bleiben nicht verschont: In den Onlinenetzwerken häufen sich die Ankündigungen von Schließungen. »Wir entschuldigen uns für all die Tischreservierungen, die wir absagen mussten«, heißt es etwa seitens der Londoner Kneipe Duke of Richmond. »Wir müssen zur Sicherheit unserer verbleibenden Mitarbeiter und unserer Kunden schließen.«

Am Montag wurden im Vereinigten Königreich mehr als 90.000 neue Coronafälle registriert – ein neuer Höchstwert seit Beginn der Pandemie, der die exponentielle Ausbreitung von Omikron unterstreicht.

Die Regierung des zuletzt wegen einer Reihe von Skandalen in die Kritik geratenen Premiers Boris Johnson hält bislang an eher zurückhaltenden Maßnahmen fest, darunter der Appell, von zu Hause aus zu arbeiten, und ein Coronapass zum Impf- oder Teststatus für Nachtklubbesuche und größere Veranstaltungen.

Etwa der Arbeitgeberverband CBI warnt indes, dass Befürchtungen der Verbraucherinnen und Verbraucher wegen Omikron mitten im üblicherweise für die Händler besonders wichtigen Weihnachtsgeschäft »die Umsätze belasten«. Viele Unternehmen etwa aus dem seit Beginn der Pandemie besonders betroffenen Gastgewerbe hätten besonders wegen des Brexits auch schon vor Omikron mit Personalmangel zu kämpfen.

In London warnten bereits Gewerkschaften, dass die Feuerwehren mit einem »beispiellosen« Arbeitskräftemangel konfrontiert seien. Die Einsatzfähigkeit sei aber noch nicht gefährdet.

apr/Reuters/AFP