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Nach Mays Brexit-Rede Britisches Pfund auf Höhenflug

Die britische Premierministerin Theresa May hat den Willen zu einem klaren Bruch mit der EU bekräftigt. Das Pfund legt danach kräftig zu - wohl aus einem anderen Grund.

Anleger haben mit Erleichterung auf die Brexit-Rede der britischen Premierministerin Theresa May reagiert. Das Pfund Sterling erholte sich, der Kurs der britischen Währung steuerte auf den größten Tagesgewinn seit drei Jahren zu. Es verteuerte sich zweitweise um rund drei US-Cent auf 1,2347 Dollar. Das war der größte Anstieg innerhalb eines Tages gegenüber dem Dollar seit 2008.

Ein Grund dafür könnte laut Analysten Mays Ankündigung sein, das Parlament über die Rahmenbedingungen eines EU-Austritts abstimmen zu lassen. "Damit das Parlament dem zustimmt, muss der Deal schon gut sein", sagte Athanasios Vamvakidis von Merrill Lynch der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Auch die Aktienmärkte beruhigten sich nach Mays Rede etwas. Der Dax   stand am frühen Dienstagnachmittag nur noch 0,01 Prozent tiefer bei 11.554,04 Punkten, nachdem er zuvor mehr als ein Prozent eingebüßt hatte. Auch der Leitindex der Eurozone, der EuroStoxx 50  , machte seine Verluste nahezu wett und notierte nur noch 0,12 Prozent schwächer als am Vortag.

"Premierministerin Theresa May hat sich in ihrer Rede sehr verhandlungsbereit gezeigt", sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. Dies schüre bei Investoren Hoffnungen, dass Großbritannien und die Europäische Union bei den Verhandlungen über ihr künftiges Verhältnis einen tragfähigen Kompromiss fänden.

May betonte unter anderem, dass ihr Land ein verlässlicher Partner der EU bleiben wolle. Sie strebe eine gleichberechtigte Partnerschaft an. Einer Teilmitgliedschaft oder einer Assoziierung erteilte sie eine Absage. Großbritannien werde zwar nicht mehr zum EU-Binnenmarkt gehören, das Königreich wolle aber größtmöglichen Zugang aushandeln.

Die Briten hatten im vergangenen Juni für den Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der EU gestimmt und damit ein Börsenbeben ausgelöst. Die Finanzmärkte erholten sich aber schnell von dem Schock und gingen wieder zum Tagesgeschäft über.

beb/dpa/Reuters
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