Steuersenkungspläne in Großbritannien Pfund stürzt weiter ab

Das britische Pfund verzeichnet wegen der Steuersenkungspläne der neuen Regierung den größten Kursrutsch seit dem Börsencrash vom März 2020. Muss die Bank of England schon wieder eingreifen?
20-Pfund-Note in einer Wechselstube in Pakistan: »Die schlechte Lage im Vereinigten Königreich stützt den Dollar«

20-Pfund-Note in einer Wechselstube in Pakistan: »Die schlechte Lage im Vereinigten Königreich stützt den Dollar«

Foto: Arshad Arbab / EPA

Das britische Pfund ist gegenüber dem Dollar auf den niedrigsten Stand seit der Einführung des Dezimalsystems im Jahr 1971 abgestürzt. Hintergrund sind Befürchtungen, dass die britischen Staatsfinanzen den gewaltigen Steuerreformen der neuen Regierung von Premierministerin Liz Truss nicht standhalten können.

Die britische Währung gab am Montag um bis zu 4,9 Prozent auf einen historischen Tiefststand von 1,0327 Dollar nach, bevor sich das Pfund bei 1,05405 Dollar stabilisierte und damit 2,9 Prozent unter dem Schlusskurs der vorangegangenen Sitzung lag. Das ist der größte Kursrutsch seit dem Börsencrash vom März 2020.

Am Freitag, als der neue Finanzminister Kwasi Kwarteng die Steuersenkungen vorgestellt hatte, war der Kurs bereits um 3,6 Prozent gefallen. Die Pläne sollen durch eine gewaltige Kreditaufnahme finanziert werden, wie es sie seit 1972 nicht mehr gab. Ökonomen und Investoren zweifeln angesichts dessen an der finanziellen Glaubwürdigkeit der Regierungspläne, zumal die Bank of England nur einen Tag zuvor die Zinssätze im Kampf gegen die Inflation bereits angehoben hatte.

Euro fällt auf 20-Jahrestief

»Die deutlichen Steuersenkungen, die vom Finanzminister angekündigt wurden, bereiten dem Devisenmarkt mit Blick auf die steigende Staatsverschuldung große Sorgen«, sagt Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Gleichzeitig drohten die geplanten Entlastungen den Inflationsdruck noch zu verschärfen. »Die Bank von England muss heute eingreifen, um das Pfund zu stabilisieren«, sagt Anlagestratege Michael Every von der Rabobank.

Um den Verfall des Pfunds zu stoppen, wird erwartet, dass die Bank of England noch heute zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommt. Es könnte sogar noch heute zu einer weiteren Anhebung der Zinsen kommen, sagte Stephen Innes von SPI Asset Management dem Sender BBC .

Auch der Euro verliert immer mehr an Wert. Er erreichte aufgrund schwelender Rezessionsängste einen neuen 20-Jahrestiefstand, während sich die Energiekrise angesichts der Eskalation im Ukrainekrieg ausweitet. Auch die Wahlen am Wochenende in Italien, bei denen ein Rechtsbündnis gewann, belasten die Gemeinschaftswährung. Am Morgen notierte sie bei unter 0,97 gegenüber dem Dollar.

Der Dollar wiederum baute seine Erholung gegenüber dem Yen nach dem Schock der Währungsintervention der japanischen Behörden in der vergangenen Woche weiter aus, da sich die Anleger wieder auf den Kontrast zwischen der aggressiven Haltung der US-Notenbank und dem Beharren der Bank of Japan auf der Beibehaltung der massiven Konjunkturmaßnahmen konzentrierten.

»Die schlechte Lage im Vereinigten Königreich stützt den Dollar«, analysiert Joseph Capurso, Leiter der Abteilung Internationale Wirtschaft bei der Commonwealth Bank of Australia. Und: »Sollte ein Gefühl der Krise in der Weltwirtschaft aufkommen, könnte der US-Dollar deutlich ansteigen.«

apr/Reuters
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