Großbritannien Rüstungskonzern BAE droht Anklage wegen Korruption

Hat der Rüstungskonzern BAE Systems in den neunziger Jahren bei Waffengeschäften Bestechungsgelder gezahlt? Das glaubt die britische Antikorruptionsbehörde - und will den Konzern verklagen. Doch der wehrt sich.

Werft in Glasgow: BAE Systems ist der größte Rüstungskonzern Europas
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Werft in Glasgow: BAE Systems ist der größte Rüstungskonzern Europas


London - Die britische Antikorruptionsbehörde Serious Fraud Office (SFO) will den Rüstungskonzern BAE Systems wegen Korruption und Bestechung anklagen. Das Vorgehen werde im Einvernehmen mit der Regierung stattfinden, teilte die Behörde am Donnerstag mit. Bei den Vorwürfen geht es den Angaben nach um Waffengeschäfte in Tschechien, Rumänien, Südafrika und Tansania aus den neunziger Jahren.

Ein Sprecher sagte, es sei noch unklar, wann eine Anklage offiziell eingereicht werden könne. Experten halten Geldstrafen in Höhe von mehreren hundert Millionen Pfund für BAE für möglich. Allerdings sei es in solchen Fällen schwierig, Unternehmen die Vorwürfe auch nachzuweisen. Der Konzern hat die Anschuldigungen zurückgewiesen und mitgeteilt, er wolle die Angelegenheit aufklären - "notfalls vor Gericht".

Wie Medien berichteten, hatte die Ermittlungsbehörde bis Mittwochnacht vergeblich einen Deal angepeilt, wonach BAE ein Schuldeingeständnis ablegt und eine Strafe zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Pfund zahlt. Die Ermittlungsbehörde SFO muss bei der Generalstaatsanwältin die Erlaubnis für eine Anklage einholen. Bis zu deren Einverständnis können mehrere Wochen vergehen. Bis dahin könnten BAE und die SFO auch noch ein außergerichtliches Abkommen erzielen.

Konzern stand schon einmal am Pranger

Das Ausmaß der Strafe könnte "Schockwellen" durch die Unternehmenslandschaft in Großbritannien senden, sagte Christopher Grierson von der Großkanzlei Lovells LLP. Ein Gerichtsverfahren wäre aber auch für die Regierung äußerst heikel, da es ein neues Licht auf deren Rüstungsgeschäfte werfen könnte.

Denn BAE stand schon einmal wegen Schmiergeldvorwürfen am Pranger. Danach sollte die Firma für die Vermittlung von Regierungsaufträgen aus Saudi-Arabien rund eine Milliarde Pfund gezahlt haben. Das Land soll in den achtziger Jahren beim Zustandekommen eines der größten Rüstungsgeschäfte Großbritanniens, dem sogenannten Yamamah-Deal, geholfen haben. Das Verfahren wurde jedoch 2007 unter dem damaligen Premier Tony Blair eingestellt. Blair hatte damals erklärt, Ermittlungen würden die nationale Sicherheit und die Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien gefährden.

böl/Reuters/dpa-AFX



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