Deutsch-italienische Baumafia Behörden gelingt Schlag gegen organisierte Schwarzarbeit

Fahnder in Deutschland und Italien sind gemeinsam gegen die organisierte Kriminalität vorgegangen. In Nordrhein-Westfalen und Sizilien durchsuchten Ermittler Gebäude der italienischen Baumafia. Es geht um Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung im großen Stil.

Köln - Mehr als 400 Polizisten und Steuerfahnder waren im Einsatz, elf Verdächtige wurden festgenommen: Behördenmitarbeiter in Nordrhein-Westfalen haben am Donnerstagmorgen mit großangelegten Razzien zu einem Schlag gegen die italienische Baumafia ausgeholt. In 15 Städten durchsuchten sie Privatwohnungen und Geschäftsräume italienischer Baufirmen.

Zeitgleich begannen auch italienische Behörden auf Sizilien mit Durchsuchungen, wie die Polizei in Köln mitteilte. Die Unternehmen sollen als sogenannte Strohmannfirmen für Schwarzarbeit und Steuerstraftaten verantwortlich sein. Die Ermittler gehen von einem Schaden von mehr als 30 Millionen Euro aus. Die Polizei nahm allein in NRW elf Verdächtige fest. Auf Sizilien wurden sechs Haftbefehle vollstreckt. Die Staatsanwaltschaft Köln werde die Auslieferung der Festgenommenen nach Deutschland betreiben, heißt es in einer Mitteilung der Polizei.

Ermittlungen reichen bis ins Jahr 2011 zurück

Die Ermittlungen im aktuellen Verfahren laufen den Angaben zufolge seit November 2011 gegen eine mafiöse Gruppierung überwiegend sizilianischer Tatverdächtiger in Köln. Die Ermittler fanden heraus, dass ein 39-jähriger Sizilianer aus einer italienischen Gaststätte in Köln die Geschäfte lenkte.

Nach Angaben der Polizei soll das illegale Geschäftsmodell so abgelaufen sein: Die Gruppierung gründete Unternehmen oder kaufte bereits existierende Firmen auf. Als Geschäftsführer dieser Firmen wurden Strohmänner eingesetzt, die am Donnerstagmorgen in Italien festgenommen wurden. Gelder zum Kauf dieser Firmen wurden durch Hinterleute zur Verfügung gestellt. Diese besorgten die für die Strohmanngesellschaften erforderlichen Urkunden und Nachweise zur Teilnahme am Wirtschaftsverkehr. Nach Gründung der Strohmannfirmen verkaufte die Gruppierung verschiedenen "Nutzerkreisen" vor allem Rechnungen dieser Firmen, ließ die Rechnungsbeträge über die Konten der Strohmannfirmen laufen und zahlte die Summe abzüglich einer Gebühr an die Nutzer in bar aus.

So wurde zum Beispiel illegalen Bauarbeiterkolonnen ermöglicht, mit ihren Auftraggebern über die Strohmannfirmen Aufträge zu vereinbaren und abzurechnen, gleichzeitig aber sämtliche anfallenden Steuern und Sozialabgaben, die nach Papierlage von der Strohmannfirma abzuführen gewesen wären, nicht entrichten zu müssen. Mit dem erhaltenen Bargeld wurden die illegal beschäftigten Bauarbeiter ausgezahlt, die auch - zum Schein und ohne Beitragszahlung - bei den Sozialversicherungsträgern auf die Strohmannfirmen angemeldet wurden, um bei Baustellenkontrollen nicht aufzufallen und Sozialleistungen zu erhalten.

yes/dpa/dapd
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