Grotesker Edelmetall-Hype Wie transportiert man 200 Tonnen Gold?

Gold hat ein Allzeithoch erreicht, nun will Präsident Hugo Chávez seine Vorräte wieder ins eigene Land holen. Doch das dürfte kompliziert werden - immerhin besitzt Venezuela 200 Tonnen davon, das meiste liegt in London. Experten rätseln: Kann man solche Mengen sicher transportieren?
Goldbarren: Venezuela bräuchte für den Transport 40 Flugzeuge

Goldbarren: Venezuela bräuchte für den Transport 40 Flugzeuge

Foto: ARND WIEGMANN/ REUTERS

Caracas/London - Die politische Pläne des venezolanischen Staatschef stellen die Regierung vor ein logistisches Problem: Venezuela will seine im Ausland gelagerten Goldvorräte schnellstmöglich ins eigene Land zurückholen. Noch ist unklar, wie der Transport ablaufen soll.

Venezuelas Präsident Hugo Chávez hatte in der vergangenen Woche wegen des hohen Goldpreises die Verstaatlichung des venezolanischen Goldsektors sowie die Rückführung von 211,35 Tonnen Gold im Wert von elf Milliarden Dollar (7,6 Milliarden Euro) angekündigt. Zugleich kündigte der Staatschef an, rund 6,2 Milliarden Dollar an Devisen von Schweizer Banken abzuziehen.

Venezuela ist abhängig vom Öl

Der Hintergrund: Die venezolanische Wirtschaft macht 95 Prozent ihrer Exportumsätze mit Öl. Mit den erwarteten Erlösen aus den Goldreserven will das Land sich breiter aufstellen und plant Investitionen in Brasilien, China, Indien und Russland, erklärte Merentes.

Der Gold-Transport soll per Flugzeug stattfinden, ein Termin stehe aber noch nicht fest, sagte der Präsident der venezolanischen Zentralbank, Nelson Merentes. Für derartige Aktionen gebe es ein "sehr strenges internationales Protokoll".

Rund 80 Prozent der venezolanischen Goldvorräte lagern in Großbritannien, alleine 99 Tonnen bei der Bank of England. Experten rätseln nun über den genauen Ablauf des Transports. Laut "Finacial Times" ("FT")  plant die venezolanische Regierung, alle verteilten Goldreserven in britischen Nationalbank zusammenzutragen. Was dann passiert, ist noch unklar.

40 Flüge wären nötig

Es ist laut "FT" unmöglich, die gesamten Reserven in einem Flugzeug zu transportieren, da kein Versicherer eine derartige Summe übernehmen würde. Demnach bräuchte es ganze 40 Flüge, um das Gold in die Haupstadt Caracas zu bringen. Die Masse an Flügen würde allerdings das Risiko erhöhen, dass einer der Transporte angegriffen werden könnte. Immerhin ist es kein Geheimnis mehr, dass Chávez sein Gold ins eigene Land holen will.

"Das dürfte einen Mammut-Aufgabe werden. Logistisch gesehen bin ich mir nicht sicher, ob die Bank sich des Ausmaßes dieser Aufgabe bewusst ist", zitiert Bloomberg einen britischen Banker . Solch immense Summen wurden seit Jahrzehnten nicht mehr verschifft - das letzte Mal vor beinahe 75 Jahren, als Spanien 560 Tonnen Gold   aus Madrid nach Moskau abzog.

dis/AFP
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