Schwächelndes Schnäppchenportal Top-Investoren lassen Groupon fallen

Schwerer Rückschlag für Groupon: Laut "Wall Street Journal" haben mindestens vier Top-Investoren ihre Anteile an dem angeschlagenen Gutscheinanbieter abgestoßen oder stark reduziert, darunter Netscape-Gründer Marc Andreessen.

Groupon-Zentrale in Chicago: Seit Börsengang zehn Milliarden Dollar an Wert verloren
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Groupon-Zentrale in Chicago: Seit Börsengang zehn Milliarden Dollar an Wert verloren


Hamburg - Die Zukunft der jüngsten Börsenstars der Internetbranche verdüstert sich. Das zumindest lassen die jüngsten Entwicklungen rund um Facebook & Co. vermuten. Der jüngste Schlag trifft das Schnäppchenportal Groupon: Nach Informationen des "Wall Street Journal" ("WSJ") haben mindestens vier hochkarätige Investoren dem Unternehmen den Rücken gekehrt und dabei kräftig Kasse gemacht.

Bekanntester Aussteiger ist demnach Netscape-Gründer Marc Andreessen. Seine Wagniskapitalfirma Andreessen Horowitz habe kurz nach Ende der Haltefrist Anfang Juni ihren 5,1-Millionen-Aktienanteil veräußert, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Insider. Den Angaben zufolge erzielte das Unternehmen damit einen Erlös von fast 14 Millionen Dollar.

Damit zeichnet sich der Trend ab, dass Anleger um Hoffnungen der IT-Branche wie Groupon, Facebook Chart zeigen und Zynga zunehmend einen großen Bogen machen. Zwar wurden die Emissionen mit großer Begeisterung begleitet, doch nach dem Börsengang flachte sie schnell ab. Bei Facebook, Groupon und Zynga zeigte sich, dass Mitarbeiter und frühe Geldgeber ihre Aktien nach der vereinbarten Halteperiode gern zu Geld zu machen. Beim Online-Netzwerk Facebook brach der Aktienkurs etwa vergangene Woche zeitweise um sieben Prozent ein, nachdem die Haltefrist für Mitarbeiter geendet war. Beim Spieleanbieter Zynga waren es acht Prozent. Die Groupon-Aktie brach an dem Tag, als die erste Frist auslief, um neun Prozent ein.

An dem Absturz beteiligt waren offenbar auch der Hedgefonds Maverick Capital, der dem "WSJ"-Bericht zufolge sein Aktienpaket an Groupon von ursprünglich 6,33 Millionen im März, auf weniger als zwei Millionen bis Ende Juni verkleinert hat. Der Investmentfonds Fidelity habe zwischen April und Juni ein Drittel seiner Anteile veräußert. Keines der betroffenen Unternehmen wollte dem Bericht zufolge Stellung nehmen. Die schwedische Investmentfirma Kinnevik hatte bereits im Juni mitgeteilt, dass sie ihre mehr als acht Millionen Groupon-Aktien verkauft habe.

Seit seinem Börsengang im November 2011 hat Groupon laut "WSJ" zehn Milliarden Dollar an Wert verloren. Die Wagniskapitalfirma Andreessen Horowitz gehörte ursprünglich zu den Treibern des kurzzeitigen Groupon-Hypes im vergangenen Jahr. Zugleich soll Marc Andreessen dem Bericht zufolge Groupon geraten haben, nicht überstürzt an die Börse zu gehen.

Anleger haben inzwischen Zweifel, dass das Geschäftsmodell des erst 2008 gestarteten Unternehmens dauerhaft funktionieren kann. Die Frage ist, ob sich die hohen Kosten für das Aufspüren und die Vermarktung der Schnäppchen rechnen. Zudem machte Groupon mit schlampiger und zweifelhafter Buchführung Schlagzeilen. Das Unternehmen musste bereits Bilanzen korrigieren.

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Gluehweintrinker 20.08.2012
1. Verbraucher werden durch Schaden schlau
Naja, wie soll es denn auch gehen, Produkte und Dienstleistungen für 'n Appel und 'n Ei zu verhökern? Dinge haben ihren Preis und wenn man den zu weit drückt, dann gehen Firmen pleite. Geiz im Übermaß ist sowas von ungeil. Alle, die das nicht glauben, mögen lesen: Der Sinn des Gebens von Stefan Klein.
netri 20.08.2012
2. ...
Es wundert mich nicht, ich sehe keinen reellen wert hinter diesen börsenkursen.. Allein facebook zeigt doch wie überzogen die preise waren.
ManRai 20.08.2012
3. Wie zu erwarten war
Hatten wir nicht schon mal solche Seifenblasen, was ist die Sunstanz dahinter, ein paar (oops sichere teure) Computer, Programmierer, aber wirkliche Substanz, wo ist die. Aber wahrscheinlich haben Rating Agenturen den ganzen Quatsch mit vielen As abgesegnet und machen jetzt auch Gewinn, wie die Gruender dieser "Schein"firmen. Leider bricht die Ignoranz geldgieriger Anleger nie ein und in 10 Jahren haben wr die naechste Blase, die mehr kostet als Griechenland.
wakaba 20.08.2012
4.
Groupon ist ein Pyramidenspiel oder Ponzi-Scheme. Die Leute gehören hinter Gitter. Liebe Lehrer - da muss ein neues Schulfach her: Wie erkenne ich Soziopathen und Ihre Umverteilungnachobenspielchen.
Klopsdrops 20.08.2012
5.
Zitat von sysopGetty ImagesSchwerer Rückschlag für Groupon: Laut "Wall Street Journal" haben mindestens vier Top-Investoren ihre Anteile an dem angeschlagenen Gutscheinanbieter abgestoßen oder stark reduziert, darunter Netscape-Gründer Marc Andreessen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,850905,00.html
Richtig müsste es heißen, dass das Unternehmen diesen Wert nie wirklich gehabt hat. Der stand nur auf dem Papier. Groupons Papierwert nähert sich nun nur allmählich dem tatsächlichen Wert an ... irgendwo ganz weit unten. Man kann sich wirklich nur fragen, welche Hohlköppe da an der Börse unterwegs sind. Schon vor über einem Jahr wurde beispielsweise im heise-Forum und teilweise auch hier im SpOn-Forum von Hunderten Foristen in Hunderten Beiträgen haarkleine auseinandergenommen, warum Groupon Geschäftsmodell langfristig gar nicht funktionieren KANN. Aber an der Börse scheint tatsächlich nur ds Herdenverhalten im Vordergrund zu stehen. Man macht erstmal, was alle anderen machen, auch wenn es noch so unsinnig ist und erst, wenn die anderen damit aufhören, hört man auch damit auf.
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