Strategiewechsel bei E.on Die Angst vor der atomaren Bad Bank

E.on will sein Geschäft mit Atom, Kohle und Gas abspalten. Die Bundesregierung mahnt: Der Energiekonzern muss für den Abbau und die Entsorgung der AKW genügend Rückstellungen vorhalten. Die Grünen warnen vor einer atomaren Bad Bank.
Strategiewechsel bei E.on: Die Angst vor der atomaren Bad Bank

Strategiewechsel bei E.on: Die Angst vor der atomaren Bad Bank

Foto: Emily Wabitsch/ picture alliance / dpa

Berlin/Düsseldorf - Was passiert nach der angekündigten Aufspaltung von E.on mit den Entsorgungsrückstellungen für die Atomkraftwerke? Diese Frage treibt offenbar auch die Bundesregierung um. Nach einer Aufspaltung des Energiekonzerns E.on muss der neue Eigentümer der Atomkraftwerke nach Angaben der Bundesregierung sicherstellen, dass ausreichend Rückstellungen für deren Abbau und Entsorgung vorhanden sind. Die Regierung gehe davon aus, dass dies der Fall sei, sagte eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Derzeit seien dafür 36 Milliarden Euro vorhanden.

Gabriel geht nach eigenen Worten nicht davon aus, dass der Bund im Zuge des E.on-Umbaus einspringen muss. Gabriel sagte, der Konzern ziehe die Konsequenzen aus der Tatsache, dass sich die Bedingungen am Energiemarkt völlig verändert hätten. Es handele sich um eine freie unternehmerische Entscheidung.

Zu dem Vorwurf der Grünen, E.on bilde mit der geplanten Auslagerung der konventionellen Energieerzeugung eine Art Bad Bank, auf die große Risiken abgewälzt würden, wollte sich die Gabriel-Sprecherin nicht äußern.

Die Grünen hatten beim E.on-Umbau vor erheblichen Risiken für die Steuerzahler gewarnt. "Ich befürchte, dass E.on eine Bad Bank für seine sieben Atomkraftwerke schafft, die von den Steuerzahlern gerettet werden muss", sagte am Montag die Energie-Expertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn.

Der Vorstandsvorsitzende des Konzerns E.on, Johannes Teyssen, wies die Kritik zurück. Das neue Unternehmen werde seine Verbindlichkeiten "vollständig bilanziell abdecken", sagte Teyssen. Der Konzern habe für den Abriss der deutschen Meiler und den Atommüll rund 14,5 Milliarden Euro zurückgelegt, so der Vorstandsvorsitzende. Beide Unternehmen "werden eine solide Finanzausstattung" erhalten, betonte er. Sämtliche Kapitalmarktverbindlichkeiten "verbleiben bei E.on", sagte Teyssen weiter.

Erste Details zur E.on-Aufspaltung

E.on bereitet unter dem Druck der Energiewende einen radikalen Konzernumbau vor. Das Geschäft mit der Stromerzeugung aus Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken sowie der Energiehandel werde 2016 mehrheitlich an die Aktionäre abgegeben und der Rest an die Börse gebracht, teilte der größte deutsche Energiekonzern mit.

"Unser Aufsichtsrat hat gestern Abend einvernehmlich eine neue Strategie beschlossen", sagte der E.on-Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen. Daraus resultiere eine Aufteilung des Konzerns in zwei "klar ausgerichtete", börsennotierte Unternehmen.

Die "100 Jahre alte klassische Energiewelt" gebe es weiterhin und sie bleibe auf viele Jahre unverzichtbar, sagte Teyssen. Die neue Energiewelt aber "unterscheidet sich fundamental" von der alten, erklärte er. Es werde daher zunehmend schwieriger, in beiden Welten wachsen zu können. E.on glaube, dass Unternehmen sich auf eine Welt konzentrieren müssen, um erfolgreich zu sein.

E.on wird sich künftig vollständig auf drei Geschäftsfelder konzentrieren: erneuerbare Energien, Energienetze sowie Kundenlösungen. Das neue Unternehmen solle der führende Anbieter für kundenorientierte Lösungen bis 2020 werden, sagte Teyssen.

In der neuen eigenständigen Gesellschaft sollen mehrere Geschäftsfelder gebündelt werden, darunter die konventionellen Energien und der globale Energiehandel. Das Unternehmen solle zu einem der "größten Teilnehmer am Erdgasgeschäft" werden, sagte Teyssen. Es unterhalte den größten Gasspeicherpark in Europa und werde das führende Erzeugungsunternehmen in Russland. "Wer die Gasversorgung in Europa sichern will, wird an diesem Unternehmen nicht vorbeikommen."

Mit der Aufspaltung des Unternehmens solle "kein Personalabbau" verbunden sein. Die E.on werde 40.000 Mitarbeiter haben, die neue Gesellschaft 20.000 Mitarbeiter, teilte die Unternehmensführung mit. Das Verhältnis solle man auch für die Pensionsverbindlichkeiten annehmen.

Die Zentrale der E.on SE bleibt in Düsseldorf und in dem gleichen Gebäude wie bisher. Den Standort des neuen Unternehmens lässt E.on bislang offen: Standort sei an Rhein-Ruhr, "genauere Aussagen sind hierzu noch nicht möglich", so Teyssen.

bos/Reuters