Infografik der Woche Weniger Höfe, mehr Milch

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe sinkt, gleichzeitig steigt der Output: Die Getreide- und Milchproduktion in Deutschland hat sich seit 1950 stark konzentriert. Unsere Grafiken zeigen die Trends im Vergleich.
Foto: SPIEGEL ONLINE, Statista

Die Stimmung auf der Grünen Woche ist zweigeteilt: Während konventionelle Landwirte für ihre Milch und ihr Fleisch immer weniger Geld bekommen und viele ihre Existenz bedroht sehen, steigen die Gewinne der Biobauern zweistellig. Eines aber haben beide gemeinsam: Kleine Betriebe haben es schwerer, Höfe sterben, auch im Biosegment.

Wohin diese Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten geführt hat, zeigt die Infografik der Woche von Statista  und SPIEGEL ONLINE. Während die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland seit 1950 auf ein Fünftel geschrumpft ist, hat sich der Hektarertrag für Weizen verdreifacht. Und während pro hundert Hektar heute nur noch ein Zehntel der Arbeitskräfte eingesetzt werden, ist die Milchleistung pro Kuh auf das Dreifache gestiegen.

Das geht aus der Statistik des Deutschen Bauernverbands  hervor. Demnach ernährte 1950 ein Landwirt im Durchschnitt zehn Personen, heute sind es mehr als 140. Die Branche arbeitet also deutlich produktiver, ist aber zugleich auch viel stärker konzentriert. Was auch bedeutet, dass immer mehr Tiere in immer größeren Ställen gehalten werden.

Milchkühe in einem Stall in Schleswig-Holstein (Archiv)

Milchkühe in einem Stall in Schleswig-Holstein (Archiv)

Foto: Carsten Rehder/ picture-alliance/ dpa

Der Trend zu steigender Fleischproduktion setzt sich offenbar weiter fort, wie zuletzt der Fleischatlas von BUND und Heinrich-Böll-Stiftung  dargelegt hat. Ob Geflügel oder Schwein - heute produzieren weniger Betriebe deutlich mehr Fleisch als noch vor gut 20 Jahren. Seitdem ist die Erzeugung von Geflügelfleisch um mehr als 75 Prozent gestiegen, während die Zahl der Mastbetriebe um 95 Prozent zurückging.

Wachse oder weiche: Diese Entwicklung hin zu größeren Betrieben hat mittlerweile auch die Biobauern erreicht. So rechnet der Agrarethiker Franz-Theo Gottwald im neuen "Kritischen Agrarbericht"  mit mehr größeren Ökobetrieben. Ein Trend, der dem ursprünglichen Leitgedanken des Segments widerspreche, wie Naturschutz, Tierwohl und Bäuerlichkeit.

Die Biobranche jedenfalls wächst. Erstmals seit fünf Jahren stellen wieder deutlich mehr Bauern ihre Höfe auf Ökolandbau um, die Nachfrage steigt seit Jahren. Gut sechs Prozent der deutschen Ackerfläche werden derzeit biologisch bewirtschaftet, nach dem Ziel der Bundesregierung sollen es 20 Prozent werden.

Fotostrecke

Fleischatlas 2016: Grafiken zur Fleischproduktion in Deutschland

Foto: SPIEGEL ONLINE

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che/dpa