Italienische Nobelmarke Gucci-Chef erhielt sein Millionengehalt von Briefkastenfirma

Marco Bizzarri
Foto: Jonathan Alcorn/ REUTERSDie italienische Nobelmarke Gucci gilt als eine der begehrtesten Luxusmarken der Welt. Und Dank Marco Bizzarri auch als eine der profitabelsten. Unglaubliche 50 Prozent Umsatzplus hat der Gucci-Chef zuletzt vermeldet. Bizzarri hat es vom Liebling an den Laufstegen zum Liebling der Analysten geschafft. Doch nun bekommt der Glanz der Nobelmarke Risse.
Erst im vergangenen November durchwühlte die italienische Finanzpolizei drei Tage lang Büros und Ateliers von Gucci in Mailand und Florenz. Das Unternehmen soll Steuern in Höhe von 1,3 Milliarden Euro hinterzogen haben. Doch offenbar gibt es bei Gucci und seiner französischen Konzernmutter Kering, zu der auch der deutsche Sportartikelhersteller Puma gehört, ein grundsätzlicheres Problem mit der Steuerehrlichkeit. Das belegen gemeinsame Recherchen des Journalistennetzwerks European Investigative Collaborations (EIC), zu dem auch der SPIEGEL gehört. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)
In Absprache mit der Konzernspitze in Paris soll Gucci-Chef Bizzarri mit Steuertricksereien offenbar jahrelang auch höchstselbst den Staat um Millionen gebracht haben. Das gemeinsame Ziel bestand darin, dem Gucci-Boss ein Nettogehalt von acht Millionen Euro zu sichern. Allerdings wollten Bizzarri und der Konzern darauf so wenig Steuern und Abgaben wie möglich bezahlen. Sie bedienten sich dazu einer Briefkastenfirma und eines Schweizer Wohnsitzes.
Bizzarri soll Millionen an italienischen Fiskus nachgezahlt haben
Nach Recherchen des EIC hatte Bizzarri zwei Arbeitsverträge - neben einem Vertrag mit Gucci in Italien einen zweiten mit der Briefkastenfirma Castera in Luxemburg. Von ihr erhielt er fast sechs Millionen Euro im Jahr, die weder in Luxemburg noch in Italien versteuert werden sollten. Stattdessen hatte sich Bizzarri im Schweizer Tessin angemeldet, wo er pauschal lediglich eine niedrige sechsstellige Summe im Jahr zahlen musste. De facto versteuerte Bizzarri damit nur sein italienisches Gehalt, wegen des Schweizer Wohnsitzes aber auch das noch zu einem vergünstigten Satz.
Fraglich ist zudem, ob Bizzarri nicht doch seinen wahren Hauptwohnsitz in Italien hatte. In Mailand unterhielt der Konzern ein Penthouse-Apartment in bester Lage; Mails deuten darauf hin, dass es von Bizzarri bewohnt wurde. Der Anstoß für die Aufteilung in zwei Arbeitsverträge kam direkt vom Miteigentümer der Gucci-Mutter Kering in Frankreich, François-Henri Pinault. Unbestätigten Quellen zufolge soll Bizzarri im vergangenen Jahr Millionen an den italienischen Fiskus nachgezahlt haben.
Weder Bizzarri noch Gucci oder Kering reagierten auf Anfragen des Journalistennetzwerks.