Optikerkette Brillenkönig Fielmann übergibt Macht an Sohn - und arbeitet nun für einen Euro

Der Generationswechsel bei Deutschlands größter Optikerkette ist vollzogen. Gründer Günther Fielmann übergibt auch die strategische Verantwortung an den 29-jährigen Sohn Marc und zieht sich aus dem Vorstand zurück.

Günther Fielmann (l.) und sein Sohn Marc
picture alliance / Christian Charisius

Günther Fielmann (l.) und sein Sohn Marc


Günther Fielmann zieht sich zunehmend aus dem Vorstand der von ihm gegründeten Optikerkette zurück. Der 79-Jährige übertrage nun auch die Verantwortung für die Unternehmensstrategie auf seinen 29 Jahre alten Sohn Marc Fielmann, teilte das Unternehmen mit. Details zur Strategie sollen auf der kommenden Hauptversammlung im Juli erörtert werden.

Günther Fielmann hat dem Aufsichtsrat der Mitteilung zufolge angeboten, seine Bezüge auf den symbolischen Betrag von einem Euro zu reduzieren. Außerdem werde Personalvorstand Stefan Thies seinen Ende Juni auslaufenden Vertrag auf eigenen Wunsch nicht verlängern.

Die Übergabe der Macht an seinen Sohn hatte der Senior bereits vor acht Jahren eingeleitet und ihm seither schrittweise mehr Verantwortung in dem Unternehmen mit europaweit annähernd 20.000 Mitarbeitern übergeben. Seit April vergangenen Jahres führen Vater und Sohn die Geschäfte gemeinsam als Doppelspitze. Marc Fielmann war bislang bereits für das Tagesgeschäft zuständig.

Mit der ganzen Branche angelegt

Der 1939 bei Rendsburg geborene Günther Fielmann eröffnete sein erstes Optikergeschäft 1972 in Cuxhaven. Mit der Idee, günstige Brillen in ganz Deutschland anzubieten, begann sein Aufstieg bis zum Marktführer - lange bevor Konkurrenten wie die Apollo-Kette ihm folgten. Dabei legte sich Fielmann mit seinen oft als provokativ empfundenen Werbeaktionen mit der gesamten Brillenbranche an.

Der seit der Firmengründung an der Spitze stehende Patriarch ist dafür bekannt, dass er selten über seine Pläne spricht. Das seit 1994 an der Börse notierte Unternehmen Chart zeigenwächst seit Jahren in kleinen Schritten, große Sprünge gibt es nicht. Der Brillenverkauf legt kontinuierlich zu, zuletzt auf 8,1 Millionen Stück.

2017 machte Fielmann einen Konzernumsatz von rund 1,4 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss lag bei 173 Millionen Euro. Zuletzt betrieb Fielmann europaweit 736 Filialen in 13 Ländern. Knapp 72 Prozent der Firmenanteile kontrolliert die Familie, der Rest ist breit gestreut.

dab/dpa/Reuters



insgesamt 21 Beiträge
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willibaldus 05.02.2019
1.
Ist das erlaubt? Muss er nicht wenigstens Mindestlohn bekommen?
IntelliGenz 05.02.2019
2. erlaubt?
er arbeitet ja im Vorstand nicht, ist "passiv", also gilt der Mindestlohn für ihn nicht. Der "Symbol-Euro" wird schon steuerliche Gründe haben. Vielleicht findet sich jemand im SPON Forum, der es uns erklären kann
Verschwörungspraktiker 05.02.2019
3. Toll...
Wie man dort Brillen kaufen kann, ist mir ein Rätsel. Ich habe nur schlechte Erfahrungen gemacht und bin seit Jahren beim Optiker um die Ecke. Aber zum Glück haben wir freie Marktwirtschaft und jeder kann sich seinen aussuchen. De augenscheinliche Erfolg gibt ihm aber wohl trotzdem Recht.
räbbi 05.02.2019
4.
Zitat von VerschwörungspraktikerWie man dort Brillen kaufen kann, ist mir ein Rätsel. Ich habe nur schlechte Erfahrungen gemacht und bin seit Jahren beim Optiker um die Ecke. Aber zum Glück haben wir freie Marktwirtschaft und jeder kann sich seinen aussuchen. De augenscheinliche Erfolg gibt ihm aber wohl trotzdem Recht.
Ist doch schön. Der Optiker hier um die Ecke ist ein alteingesessener Betrieb über Generationen und hat - gewöhnt an Jahrzehnte des quasi-Monopols - den sprichwörtlichen Stock im Allerwertesten. Da ist ein Laden wie Fielmann ein Segen. Jedem das seine.
diebuerger 05.02.2019
5. Was vergessen !
Sein Haupteinkommen bezieht er über die Dividende, die er für sein Aktienpaket erhält. So um die 20 Millionen pro Jahr. Genauso wenig, wie seine Brillen günstig sind, genauso Beträgt sein Einkommen nur 1 Euro.
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