Übermacht von Google und Co. "Mercedes, Audi oder BMW könnten zu Zulieferern degradiert werden"

EU-Kommissar Günther Oettinger fürchtet, dass die deutschen Autokonzerne ihre Führungsrolle verlieren. Auch die starke Ausrichtung auf Elektromobilität sei riskant. Die Politik setze falsche Anreize.

EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU): "Elektrofahrzeuge als klimaneutral zu betrachten, ist nicht immer richtig"
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EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU): "Elektrofahrzeuge als klimaneutral zu betrachten, ist nicht immer richtig"

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Der scheidende EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger sieht die Zukunft der deutschen Autoindustrie skeptisch. Sie seien zwar bei klassischen Bauteilen wie Stoßdämpfern, Kotflügeln, Sitzen oder Beleuchtungstechnik immer noch führend, sagte Oettinger dem SPIEGEL, nicht jedoch beim Sammeln und Auswerten großer Datenmengen. "Autobauer wie Mercedes, Audi oder BMW könnten zu Zulieferern für Datenkonzerne wie Google oder Mobilitätsdienstleister wie Uber degradiert werden", so Oettinger.

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Heft 44/2019
Ideenlos, träge, ängstlich: Ist die deutsche Automobilindustrie als Wohlstandsmotor noch zu retten?

"Die große Gefahr ist, dass die Autokonzerne die Hoheit über die Daten und damit die Schnittstelle zum Kunden verlieren. Wer keine Daten hat, ist machtlos", sagte der CDU-Politiker. In der Folge könnten die Konzerne die Hoheit über die Kundendaten an US-Konzerne verlieren.

Oettinger sagte zudem, es sei riskant, dass sich die Autohersteller zu stark auf Elektromobilität konzentrierten. Der EU-Kommissar sieht hier jedoch auch die Rolle der Politik skeptisch. Die Konzerne reagierten mit ihren Elektrooffensiven nur auf den Druck der Politik - und die setze die Anreize falsch, so Oettinger.

Kalifornien: Selbstfahrendes Auto der Google-Schwesterfirma Waymo
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Kalifornien: Selbstfahrendes Auto der Google-Schwesterfirma Waymo

Das Reglement der Europäischen Union erlaube es den Herstellern, ihre CO2-Bilanzen schönzurechnen: Bei der Berechnung ihres Flottenausstoßes dürfen sie ein E-Fahrzeug mit null Gramm CO2 ansetzen, obwohl allein bei der Herstellung mehrere Tonnen des Klimagases freigesetzt werden. "Elektrofahrzeuge als klimaneutral zu betrachten", sagt Oettinger, "ist nicht immer richtig, es kommt ja auch drauf an, wie der Strom hergestellt wird, sind es erneuerbare Energien oder nicht".

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insgesamt 119 Beiträge
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Seite 1
kassandra21 25.10.2019
1.
Fossile Verbrennerfahrzeuge wachsen hingegen selbstverständlich auf Bäumen. Schön auch diese Auffassung über Daten von einem Mann, der die Befürworter von Netzneutralität mal als "Taliban" bezeichnet hat. Oder fleißig mitdiffamierte, als Demonstranten gegen Artikel 13 der "Urheberrechtsreform" als gekauft bezeichnet wurden oder als Bots. So lange derartige intellektuelle Nullbits in solche Positionen aufsteigen, ist Europa verloren.
oliver42 25.10.2019
2. Hier irrt Öttinger, ...
... denn der Kunde wünscht gar kein selbstfahrendes Auto.
proffessor_hugo 25.10.2019
3.
Herr Oettinger ist sicher nicht mein Lieblings-Politiker. Aber er hat recht, die einseitige Konzentration auf E-Autos mit Akkus ist riskant, vermutlich sogar falsch.
fottesfott 25.10.2019
4. Da hat er wohl einen Punkt.
Die deutschen Regierungen der letzten 2 Dekaden haben immer versucht, die deutsche Automobilindustrie vor allzu großen Änderungswünschen aus Brüssel zu schützen. Als das nicht mehr ging gab es innert weniger Monate nur noch "Elektromobilität". Die Konzernlenker der Automobilindustrie, die auf Politiker gehört haben sind arme Schweine. Die deutsche Groko hat das Problem vieler Organisationen: sie sollten das Ziel vorgeben, nicht den Weg.
mantrid 25.10.2019
5. Da hat er recht
Nicht auf den Antrieb kommt es an, sondern wie die Energie dafür hergestellt wurde. Bei den hochgejubelten Ladestationen für Elektroautos, die extrem schnell Laden, müssen sogar die Kabel sehr energieaufwändig gekühlt werden, während im Winter die Batterien geheizt werden müssen, weil sonst die Leistung in den Keller geht. Würde der Datenschutz ernst genommen, wären Firmen wie Amazon und Google schon längst erledigt.
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