Deutschlands größter Agrarkonzern Insolvente KTG Agrar an Baufirma verkauft

Deutschlands größte Agrarfirma hat einen neuen Eigentümer. Die Gustav Zech Stiftung hat die meisten Teile übernommen. Verbände fordern, das Land an Bauern zurückzugeben.

Traktor auf einem Feld
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Traktor auf einem Feld


Die Bremer Gustav Zech Stiftung übernimmt die meisten Teile des insolventen Agrarkonzerns KTG Agrar in Deutschland. Das teilte das Unternehmen in Hamburg mit. Die Stiftung übernehme die Agrar-Aktivitäten in Deutschland mit Ausnahme der Standorte Kohlberg und Quesitz.

Außerdem gehen 50,06 Prozent an der KTG Energie AG an die Stiftung. Für weitere Beteiligungen in Rumänien und Litauen laufen gesonderte Verkaufsverhandlungen weiter.

Die verschachtelte und intransparente KTG Agrar AG hatte Anfang Juli Insolvenz angemeldet, nachdem die Zinsen für eine Anleihe nicht mehr gezahlt werden konnten. Das Unternehmen bewirtschaftet große Agrarflächen vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.

Mit 394 Millionen Euro verschuldet

Nach der Insolvenz musste der Gründer und langjährige Vorstandschef Siegfried Hofreiter das Unternehmen verlassen. Das Unternehmen ist mit 394 Millionen Euro überschuldet; allein die Anleihegläubiger haben KTG Agrar rund 342 Millionen Euro geliehen.

Die Familienstiftung Gustav Zech gehört zum Imperium des Bremers Kurt Zech, der in der Bau- und Beteiligungsbranche aktiv ist. Die Stiftung hatte im vergangenen Jahr bereits große Teile des insolventen Gebäudetechnik-Unternehmens Imtech übernommen.

Bäuerliche Wirtschaft fordert Beendigung der Pachtverträge

Verbände der bäuerlichen Landwirtschaft fordern Konsequenzen aus der Übernahme. "Das Land, das man über lange Zeit agrarindustriellen Investoren zur Verfügung gestellt hat, muss nun endlich wieder an mittelständisch-bäuerliche Familienbetriebe und Existenzgründer in Ostdeutschland statt an die Familienstiftung eines Baukonzerns verpachtet werden", so ein Sprecher des Landesverbands Niedersachsen/Bremen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

msc/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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eckawol 16.09.2016
1. Wer zahlt die Zeche
bei Zah. Nur die Anleihegläubiger und Banken von KTG oder auch die Mitarbeiter ?
thequickeningishappening 16.09.2016
2. Das geht welteit so
Dann sollen die Investoren halt selbst anbauen.
Der Resignierte 16.09.2016
3. stiftung
wie kann es sein, das eine stiftung (die bekommt doch steuerliche vorteile oder?) sich aktiv an unternehmen beteiligt bzw. selbst wie eine handelt. sollte eine stiftung nicht gemiennützlich sein. ahhh, ich vergass, wir sind in deutschland, da hat sogar aldi eine stiftung, um damit legale steuertricks anzuwenden. eben eine bananenrepublik.
Pless1 16.09.2016
4.
Zitat von Der Resigniertewie kann es sein, das eine stiftung (die bekommt doch steuerliche vorteile oder?) sich aktiv an unternehmen beteiligt bzw. selbst wie eine handelt. sollte eine stiftung nicht gemiennützlich sein. ahhh, ich vergass, wir sind in deutschland, da hat sogar aldi eine stiftung, um damit legale steuertricks anzuwenden. eben eine bananenrepublik.
Zunächst: nicht jede Stiftung ist gemeinnützig. Aber selbst wenn wir hier von einer gemeinnützigen Stiftung ausgehen, so muss diese ihr Stiftungsvermögen natürlich irgendwie anlegen - und zwar so, dass es nachhaltig Erträge erwirtschaftet. Das kann natürlich auch ein Wirtschaftsunternehmen sein. Promintente Beispiele sind die Alfried-Krupp Stiftung oder auch die Robert Bosch Stiftung. Die Unternehmen, deren Anteile die Stiftungen halten sind nicht gemeinnützig sondern gewinnorientiert. Aus den Gewinnen, die diese Unternehmen erzielen (und versteuern) wird dann an die Stiftungen ausgeschüttet. Sind diese gemeinnützig, so müssen sie diese Ausschüttungen dann für die als gemeinnützig anerkannten Stiftungszwecke verwenden. Familienstiftungen sind in der Regel nicht gemeinnützig und auch nicht steuerbegünstigt. Sie müssen neben der Körperschaftsteuer sogar regelmäßig Erbschaftsteuer bezahlen (glaube alle 30 Jahre als sog. fiktiver Erbfall). Das machen diese Unternehmer also nicht, um Steuern zu sparen sondern in erster Linie, damit die Kinder und Enkel nicht alles durchbringen. Diese Erben erhalten dann "nur" Apanagen, können aber selbst nicht mitreden, wie es in der Firma weitergeht. Die im Bericht genannte Stiftung aus Bremen kenne ich nicht und kann daher zum EInzelfall nichts sagen, arbeite aber selbst in einem UNternehmen, welches einer (gemeinnützigen) Stiftung gehört. Ich finde das super - es macht jedenfalls mehr Freude als für eine sinnfreie Enkelgeneration den neunundzwanzigsten Sportwagen zu erwirtschaften.
realist4 16.09.2016
5. Zurückgeben?
Wenn die Grundstücke weder enteignet noch gestohlen wurden kann man wohl kaum fordern sie zurückzugeben und auch Pachtverträge kann man nicht einfach mal einseitig auflösen, solange der Pächter seinen vertraglichen Verpflichtungen nachkommt.
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