Vertrauliche Studie Hälfte aller Kraftwerke in NRW droht vorzeitige Stilllegung

Kraftwerke in Nordrhein-Westfalen stehen im Zuge der Energiewende vor massiven wirtschaftlichen Problemen. Nach Informationen des SPIEGEL sind fast die Hälfte der Gas- und Kohlekraftanlagen betroffen: 29 gelten als Problemkandidaten - und müssten wohl vorzeitig vom Netz.
Braunkohlekraftwerk in Niederaußem: "Nicht sicher zu refinanzieren"

Braunkohlekraftwerk in Niederaußem: "Nicht sicher zu refinanzieren"

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Hamburg - Kraftwerken in Nordrhein-Westfalen droht im Zuge der Energiewende ein Kahlschlag. Fast die Hälfte aller konventionell betriebenen Standorte stehen nach SPIEGEL-Informationen unter großem wirtschaftlichen Druck. 29 von insgesamt 72 Gas- und Kohlekraftwerken gelten spätestens ab 2014 als Problemkandidaten, wie eine vertrauliche Studie im Auftrag des Düsseldorfer Umweltministeriums belegt. Diese müssten vorzeitig vom Netz gehen und schließen.

Der Grund: Die Mengen von Strom aus Wind- und Solarkraftwerken haben so stark zugenommen, dass die Großhandelspreise sinken. Leidtragende sind vor allem alte Steinkohle- und Gaskraftanlagen. Für einige ist allerdings noch eine technische Lebensdauer bis 2051 vorgesehen.

Aber auch neu gebaute Meiler ließen sich "bis zum Jahr 2030 nicht sicher refinanzieren", heißt es in dem Gutachten. Ein Dilemma für die Energiekonzerne, die so weitere enorme Verluste hinnehmen müssten. Das Umweltministerium nannte die Studie einen Entwurf, der "methodisch, rechnerisch, redaktionell und inhaltlich noch überprüft werden" müsse.

Schon jetzt stehen die Energiekonzerne vor harten Zeiten. Eon macht bereits mit einer stetig wachsenden Zahl von Kraftwerken keinen Gewinn mehr. Auch die Unternehmen RWE, Vattenfall und EnBW sind einer dramatischen Situation ausgesetzt.

Der grüne Strom macht den Kraftwerken auch in anderen Ländern Europas Konkurrenz. Das Preisniveau sinkt - und zudem fällt die Stromnachfrage aufgrund der Rezession in Südeuropa. "Die Verwerfungen in den europäischen Energiemärkten verschärfen sich schneller als jemals zuvor", sagte E.on-Chef Johannes Teyssen Mitte November, als er milliardenschwere Abschreibungen auf konventionelle Kraftwerke erläuterte.

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heb