Händler im Ehec-Stress "Ich werde wie ein Mörder behandelt, weil ich Gurken verkaufe"

Die Ehec-Seuche trifft Händler und Landwirte hart: Bundesweit treten die Verbraucher in den Kaufstreik, Gurken und Tomaten bleiben massenweise liegen. Viele Firmen beklagen Umsatzeinbrüche - und Panikmache durch Medien.
Von Jana Jöckel
Gurken auf einem Hamburger Gemüsemarkt: "Die Leute wollen fast nichts mehr"

Gurken auf einem Hamburger Gemüsemarkt: "Die Leute wollen fast nichts mehr"

Foto: dapd

Hamburg - Gemüsehändler Sven Krogmann stapelt ein paar volle Obstkisten und sortiert seine Ware. Es bleibt ihm auch nichts anderes übrig - denn Kundschaft kommt auf dem Wochenmarkt in der Hamburger Innenstadt nur selten vorbei. Vereinzelt kauft mal jemand eine Schale Erdbeeren oder etwas Spargel. Sonst aber bleibt Krogmann auf seiner Ware sitzen. "Die Leute wollen fast nichts mehr. Das ist ein Unding", sagt er.

Grund ist die Angst der Deutschen vor der Ehec-Seuche. Bundesweit brechen die Umsätze der Lebensmittelhändler ein. "Die Auswirkungen sind katastrophal", sagt Andreas Brügger, Geschäftsführer des Deutschen Fruchthandelsverbandes. Lebensmittelketten und Kantinen würden pauschal Ware zurückweisen. "Das ist für unsere Unternehmen ein Totalausfall."

Die Wochenmärkte in deutschen Städten geben in diesen Tagen ein seltsames Bild ab, so wie in Hamburg. Kundenschlangen an Obst- und Gemüseständen sucht man vergeblich. Die Leute sind vorsichtiger geworden - und die Händler damit zum Warten verdammt. "Seit zwei bis drei Tagen läuft das so. Wir verdienen zurzeit nur die Hälfte", sagt Lokman Öz. Der 42-Jährige ist Händler auf dem Wochenmarkt am Chilehaus. "Wir müssen viel wegwerfen, weil im Moment einfach keine Käufer da sind."

"Ich esse keine Rohkost mehr"

Seinen Kollegen Krogmann macht das regelrecht wütend. "Die Boulevardpresse ist schuld, sie verbreitet Panik", sagt der Händler. "Ich werde schon wie ein potentieller Mörder behandelt, nur weil ich Gurken und Tomaten verkaufe."

Ist das Verhalten der Kunden rational? Oder überwiegt einfach die Angst? Die 70-jährige Elke Weishaupt will jedenfalls kein Risiko eingehen - schließlich kann man überall nachlesen, wie gefährlich Ehec ist. "Ich esse keine Rohkost mehr. Auch gekochtes Gemüse schäle ich vorher", sagt sie. "Gewisse Vorsichtsmaßnahmen muss man im Moment eben einhalten."

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Klaus Dittmann, 39, sieht das Ganze etwas lockerer. Zwar kauft auch er im Moment keine Gurken und Tomaten. "Aber da muss man nur abwarten. So lange dauern diese Phasen ja meist nicht."

Neben den Händlern leiden vor allem die Gemüsebauern unter der Kaufzurückhaltung. Für sie ist die Lage besonders ärgerlich, denn mittlerweile hat sich herausgestellt, dass der Erreger auf Gurken aus Spanien zu finden ist. Dennoch werden die deutschen Bauern ihre Ware nicht los.

Gurken einlagern - und auf bessere Zeiten hoffen

"Wir arbeiten zu 100 Prozent sauber und werden ständig überprüft. Trotzdem verkaufen wir nichts mehr", schimpft der 28-jährige Christoph Regge, der in Winsen bei Hamburg Minigurken anbaut. "So etwas Extremes habe ich noch nie erlebt."

Regge wird seine Gurken jetzt einlagern. Mit etwas Glück halten sie sich dann noch drei Tage. "Wenn sich in den nächsten Tagen nichts ändert, sehe ich für einige Kollegen schwarz. Besonders die Salatbauern trifft es hart", sagt der Landwirt.

Etwas Hoffnung macht ihm die jüngste Entwicklung: Seit spanische Gurken als Ehec-Quelle identifiziert wurden, könnte sich die Lage wieder bessern. "Ich hoffe, dass der Einzelhandel reagiert und wir am Montag wieder Abnehmer haben."

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