Forscher kritisiert Modeläden Fiese Umkleiden vergraulen Kunden

Grelles Licht, Enge und ein Vorhang, der sich nicht schließen lässt: Deprimierende Umkleidekabinen halten laut einem Trendforscher Kunden vom Kauf ab und kosten Modeläden deshalb Umsatz. Eine neue Technologie soll helfen.

Schlange vor Umkleide in Berliner Shop: "Man fühlt sich hässlich"
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Schlange vor Umkleide in Berliner Shop: "Man fühlt sich hässlich"


Osnabrück - "Sie ist meist fies ausgeleuchtet, und man fühlt sich hässlich" - so harsch fällt das Urteil von Trendforscher Andreas Steinle über Umkleiden in Modeläden aus. Die unvorteilhaften Kabinen seien nicht nur für Kunden ein Ärgernis, sondern kosteten die Unternehmen Geld, kritisiert Steinle in der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Das gelte insbesondere vor dem Hintergrund der starken Zuwächse im Online-Handel, die den traditionellen Ladengeschäften zu schaffen machen. Dabei hätten letztere Vorteile, die Internethändler überhaupt nicht bieten könnten, argumentiert Steinle: "Ich kann das, was ich mir ausgesucht habe, sofort mitnehmen, und ich kann alles anfassen."

Umso unverständlicher sei, dass gerade der Vorteil dieser unmittelbaren Reize häufig nicht genutzt werde. Die Umkleidekabine sei der Ort im Laden, "der am meisten vernachlässigt wird", sagte der Trendforscher der Zeitung. "Wenn die Leute ein Kleidungsstück mit in die Umkleidekabine nehmen, ist die Kaufbereitschaft ja da." Doch genau an der Stelle gingen die meisten Kunden verloren. Die naheliegende Frage des Trendforschers: "Wenn sich jede Frau darüber beklagt, wie schlecht sie sich in der Umkleidekabine fühlt, wieso macht man die nicht schöner?"

Die Umkleidekabine der Zukunft, so Steinle, werde aber nicht nur weniger deprimierend eingerichtet und ausgeleuchtet sein - sie werde auch die Vorteile des Onlinehandels integrieren: "Mittlerweile gibt es Technologien, die über virtuelle Spiegel anzeigen, welche Teile zu dem Kleidungsstück, das ich mir ausgesucht habe, passen. Ich probiere etwa eine Hose an und bekomme dann auf einer Projektion eingeblendet, welches Oberteil dazu gut aussehen würde", beschrieb er die Neuerungen. Es gebe bereits erste Unternehmen, die diese Technologie testeten.

Solch eine Innovation könnte noch einen Vorteil haben: Wer sich dann noch hässlich fühlt, der kann das auf die Technik schieben.

mmq/fdi/AFP

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insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
moxol 02.06.2014
1.
Ist auch so dazu muss ich kein Forscher sein. Nirgendwo sieht die Frisur und Haut so schlimm aus wie in Umkleiden von P&C, MCfit licht in Köln ist dagegen ein super Gegenbeispiel weil man immer deutlicher fitter als wirklich aussieht. Was auch Kunden vergrault sind Läden die im Winter auf 30º geheizt sind wenn jeder in Winterjacke kommt und sich total einen abschwitzt.
ollowain13 02.06.2014
2. Typisch
Zitat von sysopimagoGrelles Licht, Enge und ein Vorhang, der sich nicht schließen lässt: Deprimierende Umkleidekabinen halten laut einem Trendforscher Kunden vom Kauf ab und kosten Modeläden deshalb Umsatz. Eine neue Technologie soll helfen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/haessliche-umkleidekabinen-vertreiben-kunden-a-972862.html
Mal wieder typisch: Beklagt werden - berechtigterweise - ungünstiges, unnatürliches Licht, zu wenig Platz und ein nichtschließender Vorhang. Als "Lösung" wird aber nicht mehr Platz, besseres Licht, etc angeboten, sondern digitial eingeblendete Werbung anstelle eines normalen Spiegelbildes. Ich glaube, ich bleib dann doch lieber dabei, nur noch im Versandhandel zu kaufen. Die haben wenigstens auch meine Größen...
Der Meyer Klaus 02.06.2014
3. optional
Würde eventuell auch helfen mal genügend Umkleiden zur Verfügung zu stellen. Oder wenn die Kundschaft nicht immer einen Berg Klamotten in der Kabine liegen lassen würde. Oder es eine vernünftige Klimaanlage dort gibt. Oder (auch schon erlebt und bei Primark gehört es laut ein paar Angestellten zum monatlichen "Geschäft") niemand in die Umkleide kacken würde.
gantenkiel 02.06.2014
4. Mein Name ist Kunde, ich kaufe hier ein
Ich hasse "shoppen" oder "bummeln". Ich kaufe ein. Und zwar dann, wenn es notwendig wird. Das muss schnell gehen, rein, raus, Kasse, heim. Was mir dennoch selbst diese einfachen Einkaufswege madig macht: - Enge Umkleidekabinen, entworfen für Artisten der Schlangenkörperakrobatik - Der Tagesausstoß einer Textil-Fabrik, der bereits in der Kabine hängt, da verwöhnte Shopping-Mädchen und -Jungs es offensichtlich nicht für notwendig halten, ihre missglückten Anprobeversuche wieder dem Warenfluss zuzuführen - Der ganze Laden ist klimatisiert, nur der Kabinentrakt oftmals nicht. Was im Hochtemperaturfall dazu führt, dass hunderte Kaufwillige oder Probiersüchtige die Auslegeware hektoliterweise mit Körpersekreten tränken - Im Winter, Zeit der Daunenjacken und Schafswollpullis, die Innenraumtemperatur der Textilgeschäfte in der Regel auf Programm "Volltropen" eingestellt wird. Nur damit die trendige Verkäuferbelegschaft schick im TShirt rumlaufen können. Damit ist der nach Kleidung dürstende Besucher wieder am Schwitzen. Ich zumindest. Ich frage mich, wie erst die Dauershopper leiden müssen? Das sind bemitleidenswerte Mitmenschen, die sich diesen widrigen Umständen freiwillig ausliefern.
nurmeinsenf 02.06.2014
5. Beleuchtung
Kaltes Licht, das krank wirken läßt, direkt von oben, auf dass jedes Fältchen, jedes Speckringchen und jede Delle auf dem Oberschenkel Schlagschatten wirft... Es wäre schon viel gewonnen, wenn die Modeläden lediglich ein paar mehr Euro in Beleuchtungstechnik investieren würden, da braucht es keine Hochtechnologie. Weicheres, flächiges Licht, angenehmere Lichtfarbe, und schon sieht sich der Kunde viel positiver. Ich bin sicher, das Geld dafür holt man wieder raus.
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