Unwetter Hagel und Flut treiben Versicherungsprämien in die Höhe

Autofahrern und Hausbesitzern in Deutschland drohen nach Einschätzung der großen Rückversicherer höhere Versicherungsprämien. Der Grund sind die enormen Schäden durch Flut und Hagel in diesem Sommer. Die Versicherungen dürften um bis zu zehn Prozent teurer werden.

Hagelschaden in Baden-Württemberg: Versicherten drohen höhere Prämien
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Hagelschaden in Baden-Württemberg: Versicherten drohen höhere Prämien


Hannover - Der verhagelte Sommer dürfte Versicherte teuer zu stehen kommen: Angesichts der Milliardenschäden durch Flut und Hagel drohen nach Einschätzung der Hannover Rück und dem weltgrößten Rückversicherer Munich Re höhere Versicherungsprämien. Wer in seiner Wohngebäudeversicherung eine Preisanpassungsklausel habe, müsse sich 2014 auf eine Anhebung um acht bis zehn Prozent einstellen, sagte der Deutschland-Chef von Hannover Rück, Michael Pickel, bei einem Branchentreffen in Baden-Baden. In der Kfz-Haftpflichtversicherung dürften die Prämien im Schnitt um vier Prozent, in der Teil- und Vollkasko um fünf Prozent in die Höhe klettern.

Die Hochwasserkatastrophe im Juni und die Hagelschäden wenige Wochen später dürften die Versicherungsbranche nach Einschätzung der Hannover Rück allein in Deutschland rund fünf Milliarden Euro kosten. Die teuerste Katastrophe wird voraussichtlich das Hagelunwetter Ende Juli sein, bei dem teils tennisballgroße Hagelkörner auf Autos, Häuser und Wintergärten geprasselt waren. Die Hannover Rück und der weltgrößte Rückversicherer Munich Re schätzen die Schäden allein durch dieses Unwetter auf 2,5 Milliarden Euro, die Schätzung liegt damit um eine Milliarde höher als noch vor einigen Wochen.

Europaweit haben der Munich Re zufolge Naturkatastrophen in Europa versicherte Schäden von rund sechs Milliarden Euro angerichtet. Dies sei ein Drittel mehr als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre. Den Löwenanteil machen Hochwasser- und Hagelschäden in Deutschland aus.

Die Kosten für die großen deutschen Rückversicherer halten sich allerdings in Grenzen: Die Hannover Rück Chart zeigen erwartet von dem Juli-Hagel eine Belastung von 64 Millionen Euro, die Munich Re geht von 180 Millionen Euro aus. Zum Vergleich: Europas größter Erstversicherer Allianz erwartet nach bisherigen Angaben 200 Millionen Euro Schaden, bei Talanx (HDI, HDI-Gerling) kommen einschließlich der Konzerntochter Hannover Rück 130 Millionen Euro zusammen.

Die Munich Re Chart zeigen will die teuren Katastrophen bei der Neuverhandlung der Verträge mit Erstversicherern und Großkunden dennoch in höhere Prämien ummünzen. Der Trend dürfte auch auf die Kunden von Kfz- und Gebäudeversicherern durchschlagen. Die Munich Re schätzt, dass die Flut in Europa einen volkswirtschaftlichen Schaden von 12 Milliarden Euro angerichtet hat. Der versicherte Schaden soll Branchenschätzungen zufolge bei 2,5 Milliarden Euro liegen, davon 1,8 Milliarden in Deutschland.

nck/dpa

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gog-magog 21.10.2013
1.
Die Prämien wurden erhöht, obwohl zwar die Schäden, nicht aber die Schadenssummen der Versicherungen nennenswert erhöht wurden. Seltsamerweise werden die Prämien auch nie gesenkt, wenn die Schadenssummen niedrig sind. Ein klarer Fall von Abzocke.
wll 21.10.2013
2. Kein Titel
Für die Prämienerhöhung bei der PKW-Haftpflichtversicherung können Hagel und Flut ja schon mal nichts. Die ist für derlei Schäden nämlich schlicht nicht zuständig, sofern man nicht beispielsweise wegen des Hagels auf der Straße in ein anderes Fahrzeug rutscht. Wenn es bei den Assekuranzen korrekt zugeht, dürfte aber auch die Prämienerhöhung bei der Kaskoversicherung längst nicht alle Kunden treffen. Da die Prämien dort über Regionalklassen das Schadensaufkommen der jeweiligen Regionen abbilden, dürften eigentlich nur die Kunden in den unwettergeschädigten Regionen von deutlichen Prämienerhöhungen betroffen sein. In den übrigen Regionen sollte sich das Schadensvolumen nicht dramatisch vom Vorjahr unterscheiden. Aber vermutlich werden die Versicherungen dieses Ausnahmeereignis mal wieder gerne nutzen, um sich mit flächendeckenden Prämienanhebungen gesundzustoßen. So quasi als ob ganz Deutschland von Sturm, Hagel und Überschwemmungen biblischen Ausmaßes heimgesucht worden wäre...
muellerthomas 21.10.2013
3.
Zitat von wllFür die Prämienerhöhung bei der PKW-Haftpflichtversicherung können Hagel und Flut ja schon mal nichts. Die ist für derlei Schäden nämlich schlicht nicht zuständig, sofern man nicht beispielsweise wegen des Hagels auf der Straße in ein anderes Fahrzeug rutscht. Wenn es bei den Assekuranzen korrekt zugeht, dürfte aber auch die Prämienerhöhung bei der Kaskoversicherung längst nicht alle Kunden treffen. Da die Prämien dort über Regionalklassen das Schadensaufkommen der jeweiligen Regionen abbilden, dürften eigentlich nur die Kunden in den unwettergeschädigten Regionen von deutlichen Prämienerhöhungen betroffen sein. In den übrigen Regionen sollte sich das Schadensvolumen nicht dramatisch vom Vorjahr unterscheiden. Aber vermutlich werden die Versicherungen dieses Ausnahmeereignis mal wieder gerne nutzen, um sich mit flächendeckenden Prämienanhebungen gesundzustoßen. So quasi als ob ganz Deutschland von Sturm, Hagel und Überschwemmungen biblischen Ausmaßes heimgesucht worden wäre...
Wenn die Versicherungen einfach so die Prämien erhöhen könnten, wieso warten sie dann damit auf derlei Begründungen und erhöhen nicht einfach kräftig jedes Jahr?
darkangel_ger 21.10.2013
4. erst der anfang
Zitat von sysopDPAAutofahrern und Hausbesitzern in Deutschland drohen nach Einschätzung der großen Rückversicherer höhere Versicherungsprämien. Der Grund sind die enormen Schäden durch Flut und Hagel in diesem Sommer. Die Versicherungen dürften um bis zu zehn Prozent teurer werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/hagel-und-flut-in-deutschland-treiben-versicherungspraemien-in-die-hoehe-a-929094.html
und es wird potentiell noch teurer, wenn immer mehr pv-zellen durch hagel geschrottet werden...
vwl_marlene 21.10.2013
5. optional
Ob die Schwankungen in der jaehrlichen Schadenshoehe nicht schon eingepreist sind? Meine Haftpflichtversicherung ist auch um 10% teurer geworden, wegen der hoeheren Schaeden in 2013.
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