Umstrittene Beteiligung in Vietnam Deutsche Bank kehrt Kautschuk-Baronen den Rücken

Die Deutsche Bank gibt ihre Beteiligung an dem umstrittenen vietnamesischen Mischkonzern Hagl weitgehend auf - aus "finanzwirtschaftlichen Erwägungen". Eine Menschenrechtsorganisation hatte Hagl rücksichtslose Methoden beim Anlegen von Kautschukplantagen vorgeworfen.
Hagl-Werbung in Laos: umstrittene Methoden bei der Landnahme

Hagl-Werbung in Laos: umstrittene Methoden bei der Landnahme

Foto: HOANG DINH NAM/ AFP

Im Mai 2013 hatten die britische Menschenrechtsorganisation Global Witness und der SPIEGEL über die rabiaten Methoden des vietnamesischen Mischkonzern Hoang Anh Gia Lai (Hagl) bei der Kautschukgewinnung in Kambodscha und Laos berichtet . Demnach hatten Hagl-Leute Bauern von ihren Ländereien vertrieben, die Flächen gerodet und dort anschließend Kautschukplantagen errichtet. Kommunale Wälder seien mit dem Bulldozer plattgemacht und große Flächen intakten Waldes für die Kautschukplantagen gerodet worden - teilweise ohne Rechtsgrundlage.

Ein Fonds der Deutsche-Bank-Tochter Tochter DWS war über Jahre an Hagl beteiligt, zuletzt mit rund vier Millionen Euro. Die Frankfurter hatten dem Kautschukkonzern zudem geholfen 2011 an die Londoner Börse zu kommen. Jetzt hat sich die Deutsche Bank bis auf einen kleinen Restanteil aus dem vietnamesischen Konzern zurückgezogen, wie ein Sprecher der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS   bestätigte.

Kurz zuvor hatte Global Witness erneut auf einen Ausstieg bei Hagl gedrängt, weil sich aus Sicht der Organisation an den umstrittenen Praktiken des Kautschukkonzerns nichts geändert hat. Nach Darstellung der Deutschen Bank erfolgt der Rückzug jedoch aus "finanzwirtschaftlichen Erwägungen".

Die Nichtregierungsorganisation hatte Hagl in einem Report mit dem Titel "Kautschuk-Barone" vorgeworfen, durch direkte persönliche Beziehungen zu den Machthabern in Kambodscha und Laos an Konzessionen für den Landraub gekommen zu sein. Im Wertpapierprospekt vor dem Börsengang in London wies Hagl selbst auf Gesetzesverstöße hin. Für einige Projekte habe man bestimmte Genehmigungen und Lizenzen nicht erhalten. Außerdem stehe "die Entwicklung und Durchführung mancher Projekte nicht im Einklang mit den anzuwendenden Gesetzen und Vorschriften", hieß es dort. Später erklärte der Konzern, einige Stellen des Textes seien "falsch übersetzt" worden.

Die Deutsche Bank   hatte seinerzeit erklärt, man halte über den DWS Fonds nur noch 0,6 Prozent an Hagl. Darüber hinaus habe man "keine Hinweise auf eine Verletzung international akzeptierter Normen". Global Witness sieht in dem jetzigen Rückzug der Deutschen Bank aus dem Vietnam-Investment eine Reaktion auf die damaligen Recherchen der Menschenrechtsorganisation. "Dieser Schritt ist eine klare Botschaft an Hagl und andere Unternehmen. Derartiges Fehlverhalten nicht abzustellen, ist inakzeptabel und setzt Investoren Finanz- und Reputationsrisiken aus", sagte Megan MacInnes von Global Witness.