Korruptionsverdacht Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-MAN-Chef

In der Schmiergeld-Affäre beim Lkw-Hersteller MAN gerät nun auch der frühere Konzernchef Hakan Samuelsson ins Visier der Staatsanwaltschaft München. Sie ermittelt wegen des Verdachts der Bestechung gegen den Manager und seinen damaligen Finanzvorstand Karlheinz Hornung.

Hakan Samuelsson: Schwere Vorwürfe gegen den Ex-MAN-Chef
dpa

Hakan Samuelsson: Schwere Vorwürfe gegen den Ex-MAN-Chef


München - Eine Zeugenaussage im laufenden MAN-Schmiergeldprozess bringt den Ex-Vorstandschef des Lastwagenherstellers in Bedrängnis. Die Münchner Staatsanwaltschaft München ermittelt nun auch gegen den früheren MAN-Vorstandsvorsitzenden Hakan Samuelsson und den ehemaligen Finanzvorstand Karlheinz Hornung. Es bestehe der Verdacht der "Beihilfe zur Bestechung im geschäftlichen Verkehr", teilten die Ermittler am Mittwoch mit.

Die neue Entwicklung hat sich im Prozess gegen den einstigen Chef der MAN-Nutzfahrzeugsparte Anton Weinmann ergeben. Er muss sich wegen des Verdachts auf Beihilfe zur Korruption seit Mitte August vor Gericht verantworten. Die Richter wollen herausfinden, welches Ausmaß die Zahlung von Bestechungsgeldern in der Lkw-Sparte von MAN gehabt hat und wer davon gewusst hat. Weinmann hatte vor Gericht alle Anschuldigungen zurückgewiesen und erklärt, er selbst habe vom Ausmaß der Korruption erst durch die Ermittlungen erfahren.

Im Zuge des laufenden Schmiergeldprozesses gegen Weinmann hatte der Leiter der MAN-Revisionsabteilung als Zeuge vor dem Landgericht München ausgesagt, Samuelsson und Hornung seien über mögliche Korruptionspraktiken in Slowenien informiert gewesen.

Samuelsson, Hornung und Weinmann waren 2009 abgelöst worden. Weinmann ist bisher der ranghöchste frühere MAN-Manager, der sich vor Gericht wegen der Schmiergeldaffäre verantworten muss. Bei dem Münchner Unternehmen war im Frühjahr 2009 ein Korruptionsskandal aufgeflogen. Jahrelang hatte MAN den Verkauf von Lastern, Bussen und Maschinen mit Bestechungsgeldern angekurbelt.

Im Prozess gegen Weinmann sagte am Mittwoch eine Mitarbeiterin der Compliance-Abteilung des Konzerns aus. Sie gab an, dass für einzelne Rechnungen, die eine belgische Beraterfirma an MAN gestellt hatte, entweder die Rechtsgrundlage oder aber ein Leistungsnachweis fehlte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 56-jährigen Weinmann vor, dass er zwischen 2005 und 2007 von Schmiergeldzahlungen in Höhe von 1,9 Millionen Euro nach Slowenien und Belgien gewusst und diese geduldet habe.

nck/dapd



insgesamt 2 Beiträge
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guteronkel 05.09.2012
1. MAN-Manager wegen Bestechung angeklagt.
Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass unsere Regierung selbst die von der UN vorgeschlagene Anti-Korruptionsgesetze nicht umsetzt. Begründet wird dies mit der Aussage, dass man dann seine Arbeit als Parlamentarier nicht korrekt wahrnehmen kann. Auch würden die Gesetze zur Strafverfolgung noch nicht existieren. Ich schlage vor, das ganze Regierungspack einsperren, bis denen eine gute Fassung der Umsetzung der UN-Vorlage einfällt. Weiter könnte durch eine Enteignung der Politiker und auch deren Ehepartner die Situation entzerren und für Gleichheit sorgen.
irgendwer_bln 06.09.2012
2. dreistellige Mio.-Verdienste
Zitat von guteronkelInteressant in diesem Zusammenhang ist, dass unsere Regierung selbst die von der UN vorgeschlagene Anti-Korruptionsgesetze nicht umsetzt. Begründet wird dies mit der Aussage, dass man dann seine Arbeit als Parlamentarier nicht korrekt wahrnehmen kann. Auch würden die Gesetze zur Strafverfolgung noch nicht existieren. Ich schlage vor, das ganze Regierungspack einsperren, bis denen eine gute Fassung der Umsetzung der UN-Vorlage einfällt. Weiter könnte durch eine Enteignung der Politiker und auch deren Ehepartner die Situation entzerren und für Gleichheit sorgen.
...und ab nächstes Jahr wird Deutschland in dreistelliger Millionenhöhe Strafzahlungen leisten. Dennoch ist man nicht gewillt, die Situation zu ändern. Daraus können wir zwei Schlüsse ziehen: 1. Der erreichte Gewinn mittels Korruption und Schmiergeld übersteigt die Strafzahlungen. Andernfalls wäre das unwirtschaftlich. Und da es um steuerfreie Privatgewinne geht, achtet man bestimmt darauf. 2. Hr. Samuelsson wird in einer Linie mit Hrn. Zumwinkel und Deresgleichen nahezu straffrei ausgehen. Denn bei uns ist Bestechung ein Kavaliersdelikt. Gleicher müsste man sein...
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