Halbleitermangel wegen Coronakrise Autoherstellern gehen die Chips aus

Viele Chipfirmen stellten zu Beginn der Coronakrise auf gefragte Unterhaltungselektronik um. Im zuletzt wieder besser laufenden Autogeschäft fehlen nun Teile – mit Folgen für Tausende Beschäftigte in Deutschland.
Audi-Werk in Ingolstadt (Archiv): Produktion von A4- und A5-Autos soll ab nächster Woche weitgehend ruhen

Audi-Werk in Ingolstadt (Archiv): Produktion von A4- und A5-Autos soll ab nächster Woche weitgehend ruhen

Foto: DPA

Mehr und mehr Werken gehen die Chips aus: Die Autohersteller und Zulieferbetriebe leiden unter den Folgen eines Halbleitermangels. Audi schickt nun in der kommenden Woche rund 10.000 Mitarbeiter in Ingolstadt und Neckarsulm in Kurzarbeit. Schon im Dezember hatte VW Engpässe bei den Halbleitern gemeldet, »jetzt hat es auch uns ereilt«, sagte eine Audi-Sprecherin. Volkswagen beantragte Kurzarbeit für sein Werk in Emden, und auch beim Zulieferer Hella bremst der weltweite Mangel an Mikrochips die Produktion.

Tausende Beschäftigte in Kurzarbeit

Bei Audi in Neckarsulm ruht die Produktion der A4-Limousine und des A5-Cabrios ab Montag. In Ingolstadt stehen zwei Bänder, auf denen A4- und A5-Autos gebaut werden, ab Donnerstag nächster Woche. Geplant ist die Kurzarbeit für bis zu 10.200 Beschäftigte zunächst bis Ende Januar, so die Sprecherin.

Bei VW in Emden soll die Kurzarbeit ebenfalls am kommenden Montag beginnen und zunächst zwei Wochen dauern. Laut Betriebsrat sind rund 9000 Beschäftigte betroffen. Das Unternehmen verwies darauf, dass an einigen Stellen die Arbeit aber regulär weiterlaufe – etwa im eigenen Presswerk oder bei der Neuausrichtung für den Bau von Elektrofahrzeugen.

Grund für die Probleme ist, dass viele Chipfirmen während des Auto-Absatzeinbruchs zu Beginn der Coronakrise im Frühjahr 2020 ihre Produktion auf Unterhaltungselektronik umgestellt hatten – im zuletzt wieder besser laufenden Autogeschäft fehlen nun Teile.

BMW bislang von Produktionsausfällen verschont

Volkswagen prüfe fortlaufend Gegenmaßnahmen, um die Auswirkungen des Lieferengpasses und damit die Zahl der betroffenen Fahrzeuge zu begrenzen, hieß es in einer Mitteilung. »Dementsprechend fährt Emden weiterhin auf Sicht.« Laut Betriebsrat könnten durch den Produktionsausfall an zehn Arbeitstagen rund 10.000 Neuwagen weniger das Band verlassen. Was das für die Jahresproduktion bedeute und der Ausfall wieder aufgeholt werden könne, sei noch nicht absehbar.

Bereits am Mittwoch hatte der Konzern erklärt, im Stammwerk Wolfsburg die Produktion an mehreren Tagen zu drosseln. VW-Vertriebsvorstand Klaus Zellmer hatte vergangene Woche dem »Handelsblatt« gesagt: »Wir werden 2021 um jedes Auto kämpfen.« Besonders betroffen vom Chipmangel sei die Golf-Produktion in Wolfsburg. Volkswagen hoffe auf Besserung im zweiten Quartal. »Doch niemand kann mit absoluter Sicherheit vorhersagen, dass wir dann eine völlige Normalisierung der Lage haben werden.«

Auch Daimler hat für sein Kompaktwagenwerk in Rastatt Kurzarbeit angekündigt. Angaben aus dem Betriebsrat zufolge kann zudem im Mercedes-Werk in Bremen nicht wie geplant produziert werden.

Die Chipkrise trifft die deutsche Autoindustrie in einer empfindlichen Phase. Nach den Einbrüchen in der Coronakrise mit viel Kurzarbeit konnten sich VW, Daimler und Co. dank des kräftig angezogenen Chinageschäfts gerade erst wieder berappeln. Zugleich befinden sich die Hersteller in einer tiefgreifenden strukturellen Transformation – weg vom Verbrenner, hin zu E-Mobilität.

Beim Zulieferer Hella hieß es, die hohe Nachfrage nach elektronischen Bauteilen habe in einzelnen Werken zu einer Stopp-and-go-Produktion geführt. »Wir sehen da schon erhebliche Auswirkungen«, sagte der Vorstandsvorsitzende Rolf Breidenbach bei der Vorlage der Zahlen für die erste Hälfte des Geschäftsjahres 2020/21. »Teilweise mussten wir unsere Linien anhalten.«

BMW registriert nach eigenen Angaben bisher keine Ausfälle. »Die Versorgung unserer Produktionsstandorte mit elektronischen Bauteilen führte bisher zu keinen Produktionsunterbrechungen«, sagte eine Sprecherin. Man beobachte das Thema intensiv und sei im ständigen Austausch mit den Lieferanten.

apr/dpa