Hambacher Forst RWE braucht nur ein Drittel der genehmigten Braunkohle

Die geplante Abholzung des Hambacher Forsts ist per Gerichtsurteil vorerst gestoppt. Ein Gutachten stellt nach SPIEGEL-Informationen aber grundsätzlich infrage, ob RWE so viel Braunkohle abbauen muss wie geplant.
Barrikade von Demonstranten Ende September

Barrikade von Demonstranten Ende September

Foto: Christophe Gateau/ dpa

Kurz vor der geplanten Großdemonstration im Hambacher Forst sorgen die Grünen im Bundestag mit einem neuen Gutachten für neuen Zündstoff. Danach braucht RWE weniger als ein Drittel der zum Abbau genehmigten Braunkohle - selbst wenn die letzten Meiler erst im Jahr 2040 abgeschaltet werden.

Die geplante Abholzung des Hambacher Forsts, die eigentlich in wenigen Tagen beginnen sollte, ist durch die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster im Eilverfahren ohnehin vorerst gestoppt. Die Rodungen können frühestens dann aufgenommen werden, wenn über eine Klage der Umweltschutzorganisation BUND entschieden worden ist.

Das von den Grünen vorgelegte Gutachten stellt die Notwendigkeit sofortiger Rodungen zusätzlich infrage. Die Wissenschaftler berechneten, dass RWE für den Betrieb seiner Braunkohlekraftwerke nur noch rund 700 Millionen Tonnen Braunkohle benötigt - selbst wenn die letzten RWE-Kraftwerke erst im Jahr 2040 stillgelegt werden. Das ist weniger als ein Drittel der Menge, die RWE nach dem von der NRW-Landesregierung genehmigten Rahmenbetriebsplan tatsächlich abbauen darf und will - insgesamt 2,3 Milliarden Tonnen.

Noch gravierender falle das Missverhältnis aus, wenn der Kohleausstieg, wie von den Grünen gefordert, auf das Jahr 2035 oder 2030 vorgezogen werde. Dann wären laut Gutachten sogar nur noch 436 Millionen Tonnen Braunkohle notwendig.

Der Grünen-Energieexperte Oliver Krischer fordert, die Rodungen im Hambacher Wald zu stoppen, bis der überhaupt noch nötige Flächenbedarf für den Braunkohletagebau neu ausgehandelt ist.

"Die Behauptung, dass die Kohle unter dem Hambacher Wald dringend gebraucht wird, hält der Realität schon jetzt nicht mehr stand", sagte Krischer zwei Tage vor der wohl größten Demonstration von Umwelt- und Klimaschützern im rheinischen Braunkohlerevier. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 20.000 Teilnehmern.

Das Gutachten des Saarbrücker Instituts für Zukunftsenergie- und Stoffstromsysteme basiert auf Ausstiegsszenarien, wie sie auch in der Kohlekommission der Bundesregierung diskutiert werden. Danach würden die drei modernsten und jüngsten RWE-Braunkohlekraftwerke noch bis zum Jahr 2040 am Netz bleiben. Ältere Meiler sollen in mehreren Schritten (2020 und 2025) abgeschaltet oder eine Sicherheitsreserve überführt werden. Selbst diese Variante wird von RWE bislang abgelehnt.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.