RWE-Ärger über Hambacher Forst "Die Bundesregierung lässt uns im Regen stehen"

"Der Forst ist nicht zu retten": Der Chef des Energiekonzerns RWE ärgert sich über die Proteste gegen die Rodung des Hambacher Waldes - und fordert ein Machtwort aus Berlin.

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz
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RWE-Chef Rolf Martin Schmitz


Im Konflikt um den Hambacher Forst steht der RWE-Konzern im Zentrum der Kritik - und kritisiert die Bundesregierung wegen fehlender Rückendeckung. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass man ein Unternehmen, das sich im rechtlichen Rahmen bewegt, so im Regen stehen lässt", sagte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz dem "Handelsblatt".

Er erwarte eigentlich, dass Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) "ordnend eingreife". Bei Altmaier sei auch die Kohlekommission angesiedelt, in der über den Ausstieg aus der Braunkohle verhandelt werde. Altmaier aber sage nichts: "Er könnte ja mal klarstellen, dass die Kommissionsarbeit nichts mit dem Hambacher Forst zu tun hat."

Kostet ein Hambach-Verzicht Milliarden?

RWE ist verärgert, weil in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden ist, über Verhandlungen in der Kohlekommission könnte der Tagebau am Hambacher Forst gestoppt werden. Die Kommission habe die Aufgabe, Lösungen für die langfristige Perspektive zu suchen. Wenn die Regierung Position beziehen würde, "dann könnte die Kohlekommission endlich in Ruhe ihre Arbeit machen".

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Porträts Hambacher Forst:

Das Schicksal des Hambacher Forstes sei schließlich schon lange und rechtlich bindend besiegelt. Die letzte Genehmigung habe RWE vor zwei Jahren bekommen, damals habe auch die damalige rot-grüne Landesregierung "die Pläne für Hambach ausdrücklich bestätigt".

In Wahrheit sei der Hambacher Forst nicht mehr zu retten. Ein Verzicht würde RWE "vier bis fünf Milliarden Euro kosten", so Schmitz. Verständnis für die Art der Proteste hat er nicht: "Wer illegal den Wald besetzt und unsere Mitarbeiter mit Fäkalien bewirft, ist für mich kein Aktivist. Das ist ein Straftäter." Im Vorfeld der Räumung des Waldes habe er einen gemeinsamen Aufruf gegen Gewalt im Hambacher Forst geplant, allerdings hätten sich die Umweltverbände daran nicht beteiligen wollen.

Faktencheck zum Thema: Hambach-Tagebau stilllegen - geht das?

beb



insgesamt 91 Beiträge
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manfredshirsch 28.09.2018
1. Der Mann hat völlig Recht
Es ist wirklich an der Zeit, dass die politischen Erfüllungsgehilfen der Energiekonzerne sich dazu bekennen, deren Interesse an Gewinnmaximierung den Vorrang vor den Belangen der Menschen einzuräumen, statt die Strippenzieher anschließend im Regen stehen zu lassen.
weltversteher 28.09.2018
2. "Der Forst ist nicht zu retten..."
... sagt noch mal... wer? Mr. RWE persönlich? Natürlich haben im Laufe der Jahre verschiedene Instanzen entsprechende Entscheidungen getroffen, die RWE vermutlich faktisch ins Recht setzen. Aber reicht das bei einem Thema dieser Tragweite mit massiven ökologischen und gesellschaftlichen Folgen aus? Oder anders gefragt: Muss man Entscheidungen, die im Lichte der heutigen Realität vielleicht nicht mehr so ultimativ richtig sind, wie es vor Jahren den Anschein hatte, nicht gemeinsam hinterfragen und ggf. ändern?
karl_marxx@online.de 28.09.2018
3. Wer einmal lügt ...
Früher haben die RWE-Chefs behauptet, wenn in Deutschland Kernkraftwerke abgeschaltet wurden, bräche die Stromversorgung zusammen. Dann hieß es, Photovoltaik würde in Deutschland nicht funktionieren. das sei wie Ananasanbau in Alaska. Jetzt soll der Erhalt eines relativ kleinen Waldstückes 4-5 Mrd. EUR kosten. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht ...
Das dazu 28.09.2018
4. Wenn man Stur ist
muss man den Shitstorm eben aushalten. Es gäbe sicherlich auch andere Möglichkeiten als stur weiter zu machen. Aber wir lernen gerade, das Gesichtsverlust offenbar eine Höchststrafe ist. Sonst würden RWE und GB nicht so agieren.
aquarius99 28.09.2018
5. Moralisch fragwürdig ...
Wer in Zeiten des Klimawandels unsere Umwelt verdreckt, den Klimawandel weiter befördert und die letzten Wälder rodet, um noch mehr Kohlestrom ins Ausland zu exportieren ist sicherlich nicht in einer Position moralischer Überlegenheit. Und ob Beschlüsse, die unter Ausschluß der Öffentlichkeit irgendwann in irgendwelchen Hinterzimmern beschlossen und damit "Recht" geworden sind, tatsächlich rechtens sind, wäre durchaus zu diskutieren. Fakt ist, das die gesamte Branche (Kohle & Kernkraft) immer wieder Projekte gegen die Bevölkerung durchgedrückt hat. Damit muß endlich mal Schluß sein. Eine echte Bürgereteiligung wäre angesichts der weitreichenden Folgen (Atommüll, auf immer zerstörte Landschaften) mehr als angebracht.
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