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09. Oktober 2018, 08:11 Uhr

Tagebau Hambach

RWE will Kohleförderung um 10 bis 15 Millionen Tonnen drosseln

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Das Gerichtsurteil für den vorläufigen Erhalt des Hambacher Forsts hat Folgen für den angrenzenden Braunkohletagebau. Nach SPIEGEL-Informationen könnte RWE die Förderung um mehr als ein Drittel senken.

Der Energiekonzern RWE erwägt, die Förderung im Braunkohletagebau Hambach zurückzufahren, nachdem das Oberverwaltungsgericht in Münster ihm vorerst verboten hat, den Hambacher Forst westlich von Köln weiter zu roden. Das teilte ein Sprecher des Konzerns dem SPIEGEL auf Anfrage mit.

"In einer ersten Bewertung haben wir Minderförderleistungen von etwa 10 bis 15 Millionen Tonnen Braunkohle jährlich unterstellt", erläuterte der Sprecher. Bislang wurden im Tagebau Hambach jährlich rund 40 Millionen Tonnen Kohle gefördert. Der Konzern rechnet den Angaben zufolge also mit einem Rückgang um 25 bis 38 Prozent.

In der Folge könnte die Stromerzeugung in den vom Kraftwerken Neurath und Niederaußem vorerst "um 9 bis 13 Terawattstunden zurückgehen", teilte RWE mit. In Neurath werden derzeit etwa 18 Millionen Tonnen pro Jahr aus dem Standort Hambach verfeuert, im Kraftwerk Niederaußem jährlich etwa 10 Millionen Tonnen.

Durch den Streckbetrieb erwartet RWE offenbar, in Hambach noch rund ein Jahr weiter Braunkohle fördern zu können. Die Abbruchkante des Tagebaus liegt derzeit noch einige Hundert Meter vom Waldrand entfernt. Der Gerichtsbeschluss verbietet es dem Konzern nicht ausdrücklich, bis kurz vor den Wald zu baggern.

Die Kohlegrube hat am Rand mehrere Treppenabsätze, auf denen je ein Bagger steht. Wenn der oberste Bagger nicht mehr weiterkommt, bleiben bald auch alle darunterliegenden Bagger stehen, weil sonst die Abbruchkante zu steil wird und Erdrutsche drohen.

Der RWE-Sprecher schätzt, dass Ende 2019 die Bagger auf der obersten Sohle des Hambacher Tagebaus zum Stillstand kommen. "In der Folge werden die Bagger dann wie bei einem Dominoeffekt auf den tieferen Sohlen auflaufen und schließlich keine Kohle mehr fördern können."

Der Sprecher betonte, dass man aktuell nicht damit plane, dass der Tagebau komplett stillgelegt werde. Tatsächlich hat das Oberverwaltungsgericht in Münster weitere Rodungen im Hambacher Forst nur so lange untersagt, bis das Verwaltungsgericht Köln darüber entschieden hat, ob der Hambacher Wald aus Naturschutzgründen dauerhaft bestehen bleiben soll.

"Wir müssen nun das Gerichtsverfahren zur Hauptsache abwarten", sagte der RWE-Sprecher. "Wir hoffen, dass das schnell kommen wird, gehen aber davon aus, dass dies bis möglicherweise Ende 2020 dauern kann."

Bis zum Urteil werde man "betriebliche Konsequenzen ziehen und den Betrieb so anpassen, dass die Folgen für das Unternehmen und seine Mitarbeiter so weit wie möglich begrenzt werden". Kohleförderung und Stromproduktion würden entsprechend gedrosselt.

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