Ende einer Ära Airbus liefert letzten A380 aus

122 Airbus A380 waren bisher an die arabische Fluggesellschaft Emirates übergeben worden. Die 123. Maschine ist die letzte, die Airbus ausliefert. Die Übergabe erfolgte auf dem Werksgelände in Hamburg.
Die 123. Maschine des Airbus A380 wurde am Donnerstag in Hamburg übergeben

Die 123. Maschine des Airbus A380 wurde am Donnerstag in Hamburg übergeben

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Die Lufthansa hat ihre 14 Maschinen vom Typ A380 bereits dauerhaft eingemottet, weitere neue Maschinen dieses weltweit größten Passagierflugzeugs kommen von heute an auch nicht mehr dazu: Nur 16 Jahre nach seinem Erstflug hat Airbus die letzte A380-Maschine auf dem Werksgelände im Hamburger Stadtteil Finkenwerder an die arabische Airline Emirates übergeben. Das teilte die Fluggesellschaft mit.

Das Flugzeug mit der Seriennummer MSN272 sollte im Lauf des Tages zum Überführungsflug abheben, es trägt künftig die amtliche Kennung A6-EVS. Anders als zum weltweit beachteten Start sollte es eine leise Feier werden: Wegen der anhaltenden Coronapandemie waren keine Gäste zugelassen.

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Die Geschichte des A380 in Bildern: Groß, größer, größenwahnsinnig

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Mit dem gigantischen Flugzeug, das in Größe und Kapazität den legendären Boeing-Jumbo 747 in den Schatten stellt, wollte der europäische Flugzeugbauer einst die Luftfahrt revolutionieren. Die Idee der Entwickler war, auf Rennstrecken zwischen großen Luftverkehrsknoten möglichst viele Passagiere mit möglichst wenigen Flugzeugen transportieren zu können.

Flugzeugtyp zu groß und zu unflexibel

»Die zunehmende Verdichtung des Luftraumes und der Platzmangel an den Flughäfen verlangen geradezu nach größeren Flugzeugen«, hatte einst Konstrukteur Jürgen Thomas, der als Vater der A380 gilt, den Bau des Riesenflugzeugs begründet. Große Chancen rechnete man sich vor allem in Asien aus. Der langjährige Airbus-Verkaufschef John Leahy vertrat diese Argumentation auch noch, als er schon jahrelang keine neuen Bestellungen mehr für Maschinen dieses Typs hereingeholt hatte.

Denn die Kundenwünsche haben sich geändert: Airlines bevorzugen eher kleinere zweistrahlige Maschinen für möglichst viele Direktflüge auch zwischen kleineren Flughäfen in aller Welt. Riesenflieger verbrauchen mit ihren vier Triebwerken zu viel Treibstoff – das ist nicht wirtschaftlich, wenn die Jets nicht voll besetzt sind. Kurz: zu groß und zu unflexibel. Hinzu kommen hohe Wartungskosten. Schon weit vor der Pandemie, im Februar 2019, hatte Airbus deshalb das Produktionsende verkündet, die Nachfrage war zusammengebrochen. Auch Boeing hat bereits das Ende der 747-Ära verkündet.

Unterm Strich keinen Euro mit dem A380 verdient

Zuletzt hatten A380-Fans noch Hoffnung geschöpft. Die Erholung einiger Fluggesellschaften nach der Pandemie führte zumindest dazu, dass manche Airlines im Alltagsgeschäft an der Rückkehr der in der Coronakrise eingemotteten Maschinen arbeiteten. Unter anderem British Airways bestritt zuletzt zumindest manche europäischen Verbindungen wieder täglich mit dem weltweit größten Passagierflugzeug, um ihre Crews auf den vorgeschriebenen Trainingsstand zu bringen.

Für einen dauerhaften Bestand des A380-Programms reicht das aber nicht: Zwar hat Airbus Mitte des vorigen Jahrzehnts immerhin in der laufenden Produktion die Gewinnschwelle erreicht – unter dem Strich aber wohl keinen Euro mit dem Flugzeug verdient, rechnet man milliardenschwere Entwicklungskosten hinzu. Nach etlichen Abbestellungen musste der frühere Airbus-Chef Tom Enders 2019 die Reißleine ziehen und verkündete vorzeitig das Aus für das A380-Programm. In die Entwicklung des Flugzeugs flossen öffentliche Gelder, vor allem aus Frankreich, Deutschland und Spanien.

Airbus versprach nun, dass das Projekt A380 nicht beendet sei – schließlich wolle man die vorhandene Flotte weiterhin unterstützen. Beispielsweise arbeitet der Hersteller nach eigener Aussage weiter daran, die Wettbewerbsfähigkeit der Flugzeuge zu verbessern, etwa bei den Wartungskosten, wie Vorstandsmitglied Philippe Mhun sagt.

Emirates hat Airbus insgesamt 123 Exemplare des Flugzeugs abgenommen, fast die Hälfte aller 251 jemals verkauften A380. Allerdings hat die Airline inzwischen schon fünf ausgemustert. Emirates-Chef Tim Clark hat indes versichert, dass die Gesellschaft »auch in den nächsten zwei Jahrzehnten« der größte Betreiber des doppelstöckigen Flugzeuges sein werde.

apr/dpa
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