Einsatz im Luftverkehr Hamburger Hafen wird Drohnen-Testgebiet

Drohnen sollen den Transport, Verkehrsüberwachung und Vermessungen erleichtern. Doch noch fehlen klare Regeln im Flugverkehr. Diese sollen nun in einem bundesweiten Pilotprojekt im Hamburger Hafen erprobt werden.
Drohne vor der Elbphilharmonie im Hamburger Hafen (Archivbild)

Drohne vor der Elbphilharmonie im Hamburger Hafen (Archivbild)

Foto: Axel Heimken / dpa

Hafenrundfahrten in Hamburg dürften bald um eine Attraktion reicher werden. Denn der größte deutsche Seehafen wird zum bundesweit ersten Testfeld für ein Drohnen-Verkehrssystem in Deutschland. Dort soll ausprobiert werden, wie die unbemannten Flugobjekte in den zivilen Luftverkehr integriert werden können.

Die staatliche Deutsche Flugsicherung (DFS) und die Droniq GmbH, eine Beteiligung von DFS und Deutscher Telekom, wollen in einem etwa zehn Quadratkilometer großen Testgebiet praktisch erkunden, wie Drohnenflüge »einfach, sicher und in Koordination mit dem bemannten Luftverkehr« möglich sind, teilten die beteiligten Unternehmen mit. Das Verkehrsministerium fördert das »Reallabor« mit einer knappen halben Million Euro. Am Ende soll eine »Blaupause für die Einrichtung von regulären Drohnen-Lufträumen in Deutschland« stehen, teilte das Verkehrsministerium mit.

Die Bundesregierung will Drohnen schon in wenigen Jahren als alltäglichen Verkehrsträger etablieren. Sie könnten zum Beispiel Pakete ausliefern, Medikamente transportieren, Staus im Straßenverkehr melden oder für Baustelleninspektionen eingesetzt werden.

In Hamburg soll dieses Vorhaben ausprobiert werden. Schließlich haben Drohnenalarme immer wieder den Flugbetrieb behindert, bis hin zur Einstellung.

Drohnen sind bereits heute massenhaft im Einsatz, allerdings bislang nur sehr begrenzt im kommerziellen Verkehr. Einer Branchenstudie zufolge sind in Deutschland derzeit mehr als 430.000 Drohnen im Umlauf. Die Zahl der gewerblich genutzten Fluggeräte ist demnach aber mit 45.200 deutlich geringer als die der privaten, die meist als Fotodrohnen oder auch Spielzeug eingesetzt werden.

Aber seit 2019 habe sich die Zahl der kommerziell betriebenen Drohnen mehr als verdoppelt, während die Zahl der privat genutzten Drohnen rückläufig sei, heißt es in der Marktuntersuchung für den Verband Unbemannte Luftfahrt.

Gefährliche Aufgaben sollen Drohnen übernehmen

An der Spitze der Anwendungen liegt der Studie zufolge die Vermessung. Auch Inspektions- und Kartierungsaufgaben seien ohne Drohneneinsatz personalintensiv, aufwendig und zum Teil auch gefährlich. Drohnen kämen zudem zunehmend bei der Inspektion von Gebäuden und Infrastruktur wie Windkraftanlagen und Hochspannungsleitungen zum Einsatz.

Neue Anwendungen sieht die Bundesregierung in ihrem Aktionsplan zum Beispiel bei der Verkehrsüberwachung auf Straßen und Gewässern, bei der Erkundung von Landschaften sowie im Katastrophenschutz – und eben in der Logistik: Pakete könnten per Drohne geliefert, Bauteile zwischen Produktionswerken transportiert werden.

Flugwochen im Herbst

Für eine gewerbliche Nutzung müssen Drohnenflüge einfach und kurzfristig durchführbar sein, hieß es nun in der Mitteilung zum Testgebiet im Hamburger Hafen. Bislang gebe es aber teils langwierige Fluggenehmigungsprozesse.

Abhilfe soll das Konzept eines »U-Space« schaffen. In diesem räumlich abgegrenzten Luftraum koordinieren der Idee nach »spezielle Regeln und Verfahren den Drohnenverkehr und ermöglichen es, Drohnenflüge schnell, sicher und ohne langen Genehmigungsaufwand durchzuführen – auch außerhalb der Sichtweite des Piloten«.

Konkret soll der Drohnenverkehr im »U-Space« von einem Service Provider koordiniert werden. Das übernimmt in Hamburg nun die Firma Droniq mit ihrem Verkehrsmanagementsystem für Drohnen.

Sie vergibt dann Fluggenehmigungen für die Drohnenmissionen und informiert die Drohnen-Piloten über den aktuellen bemannten und unbemannten Flugverkehr sowie über etwaige Luftraumbeschränkungen, hieß es. Alle relevanten Luftraum- und Flugverkehrsdaten kommen dabei von der Flugsicherung DFS.

Es soll verschiedene Testflüge geben, »bei denen unterschiedlich komplexe Drohnenflüge innerhalb und außerhalb der Sichtweite bis zu einer Flughöhe von 150 Metern erprobt werden«. Am Ende sind im Herbst Flugwochen mit praktischen Vorführungen geplant.

mmq/dpa
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