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Gründer auf Investorensuche "Ein Crashkurs im Start-up-Geschäft"

Ohne frisches Geld, aber mit vielen neuen Erfahrungen wird der Start-up-Unternehmer Aurel Bantzer aus dem Silicon Valley heimfahren. Im letzten Teil unserer Serie zieht er ein gemischtes Fazit seiner Investorensuche in Kalifornien.

Hamburg - Die Investorengespräche liegen hinter ihm, die Aufregung ist verflogen, Aurel Bantzer ist in der harten Realität als Unternehmensgründer angekommen. Das Fazit nach seinem ersten Aufenthalt in San Francisco und im Silicon Valley: Dort gibt es deutlich mehr Geld als anderswo - aber auch nicht für jeden.

Immerhin: Die Begeisterung für eine seiner Geschäftsideen war bei anderen Gründern und auch Investoren im Silicon Valley so groß, dass er auf jeden Fall in die USA zurückkehren möchte.

SPIEGEL ONLINE: Die wichtigsten Termine liegen hinter dir, die Investoren haben dich aber noch nicht mit Geld überschüttet. Enttäuscht?

Bantzer: Nein, aber klüger. Die Pitches bei den Investoren waren lehrreich. Ich weiß jetzt sehr genau, was ich verbessern muss. Zum Beispiel muss ich in der Vorbereitung noch viel mehr recherchieren, alle Zahlen über Märkte, Kunden, Zielgruppen parat haben und trainieren, das alles schnell und präzise zu vermitteln.

SPIEGEL ONLINE: Würdest du einem deutschen Gründer weiterhin empfehlen, bei der Suche nach einer Finanzierung ins Silicon Valley zu fahren?

Bantzer: Auf jeden Fall! Weil man in sehr kurzer Zeit sehr viele interessante Leute treffen und eine Menge lernen kann. Es gibt hier schon viele Investoren, es wird sehr häufig und sehr gelassen über Millionenbeträge gesprochen. Aber lockerer sitzt das Geld nicht, ich war da sicherlich auch ein bisschen blauäugig.

SPIEGEL ONLINE: Du hast aber auch gesagt, dass du viele positive Rückmeldungen bekommen hast.

Bantzer: Ja, vor allem für meine Social-Cooking-Plattform Yumwe. Das Konzept passt gut nach Kalifornien und vor allem nach San Francisco. Dort gibt es eine echte Esskultur, viele Leute sind außerdem nur vorübergehend in der Stadt und deshalb an gemeinsamen Aktivitäten und neuen Bekannten interessiert. Außerdem nehmen die Menschen neue Dinge hier viel einfacher und schneller an als in Deutschland. Ich bin mit vielen Leuten zusammengebracht worden, von Lebensmittelfirmen und Start-ups, die ähnliche oder ergänzende Konzepte haben. Weil wir sowieso eine englische Version starten wollten, könnte es sein, dass wir hier in San Francisco starten.

SPIEGEL ONLINE: Es soll ja so viel einfacher und schneller gehen, in den USA ein Unternehmen zu gründen.

Bantzer: Die Gründung ist einfacher, aber ein Tochterunternehmen oder eine Filiale hier zu eröffnen, ist offenbar sehr kompliziert. Ich habe eine Menge Geschichten über Probleme mit der US-Bürokratie gehört, das beginnt schon beim Visum für Unternehmer, das offenbar sehr schwer zu bekommen ist.

SPIEGEL ONLINE: Klingt sehr deutsch.

Bantzer: Ja, das hat mich auch überrascht. Der zweite Nachteil an einer Unternehmensgründung hier sind die hohen Kosten für ein gutes Team. Gute Entwickler nehmen einen Tagessatz von 2000 Dollar.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, du bleibst vorerst am Billiglohnstandort Deutschland?

Bantzer: Ich werde meine Geschäftsideen jedenfalls erst einmal in Hamburg weiterentwickeln und die Businesspläne so weit ausarbeiten, dass ich jede Frage von möglichen Investoren beantworten kann. Ich werde auch in Deutschland nach einer Finanzierung suchen, ich hoffe aber, ins Silicon Valley zurückzukehren.

SPIEGEL ONLINE: Bist du jetzt enttäuscht von dieser Reise oder hat es sich gelohnt?

Bantzer: Ich musste ein paar naive Vorstellungen über Bord werfen, aber ich bin froh, dass ich hierhergefahren bin. Die Reise war ein richtiger Crashkurs im Start-up-Geschäft. Es gibt sonst kaum eine Möglichkeit, so viele interessante Leute in kurzer Zeit zu treffen. Und durch die German Valley Week, die der Bundesverband Deutsche Startups organisiert, kommt man nicht nur mit den großen US-Konzernen in Kontakt, sondern auch mit gleichgesinnten Deutschen. So knüpft man gleichzeitig ein Netz in Kalifornien und in Deutschland.