Bereits 11.000 Geschäftsaufgaben Handel warnt vor Verödung der Innenstädte

Onlinekonkurrenz und Bevölkerungsschwund machen dem Einzelhandel in vielen Stadtzentren zu schaffen. Der Dachverband schätzt, dass 11.000 Geschäfte allein seit 2012 aufgegeben haben - und fordert Gegenmaßnahmen.
Fußgängerzone in Oberhausen

Fußgängerzone in Oberhausen

Foto: imago/Ralph Peters

Die Verödung zahlreicher Einkaufsstraßen in der Bundesrepublik könnte sich noch beschleunigen, warnt der Handelsverband Deutschland (HDE). "Viele Innenstädte in Deutschland sind in höchster Not. Früher attraktive und vitale Zentren verlieren an Zugkraft, vielerorts finden nur noch wenige Menschen den Weg in die Fußgängerzonen und Ladenzeilen", schreibt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth in einem Brief an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Zuerst hatte die "Passauer Neue Presse" darüber berichtet.

Genth drängt in dem Brief auf Sofortmaßnahmen, um die Entwicklung abzufedern. Gründe für die Verödung vieler Innenstädte seien nicht zuletzt die Umsatzverschiebung in den Onlinehandel sowie die innerdeutsche Migrationsbewegung - also der Umstand, dass Menschen aus strukturschwachen in ökonomisch starke Regionen ziehen.

Mit dem Onlinehandel steigen die Ansprüche

"Wir erleben deshalb heute in etlichen Kommunen eine deutliche Zunahme der Leerstände", klagt Genth. Nach Schätzungen des HDE verringerte sich bereits zwischen 2012 und 2017 die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland um 11.000.

"Die Politik darf diesem Erosionsprozess nicht länger nur zuschauen", fordert Genth. Statt jedoch Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität der Innenstädte zu ergreifen, drohten Fahrverbote für Dieselfahrzeuge die Situation weiter zu verschärfen, klagte der Verband. Der Handel befürchtet dadurch nicht nur massive Umsatzeinbußen, sondern eine weitere Umsatzverschiebung in den Onlinehandel.

In etlichen Kommunen würden bald nicht mehr genug Verbraucher leben, um den Einzelhandel im bisherigen Umfang weiterhin zu ermöglichen, warnt Genth. In diesen Städten müsse die Stadtplanung auch die bewusste Schrumpfung der Einkaufsstraßen in Erwägung ziehen. Besonders bedroht seien hier Mittelstädte im direkten Einzugsbereich von Großstädten, da die Kunden infolge des umfassenden Onlineangebots immer weniger bereit seien, Kompromisse bei der Warenauswahl und -verfügbarkeit zu akzeptieren.

fdi/dpa