Drohender Handelskrieg Wie Deutschland seine Importe rasch steigern kann

Deutschland exportiert weit mehr, als es einführt. US-Präsident Trump droht deshalb mit Strafzöllen. Der Ökonom Carl Christian von Weizsäcker hat einen provokanten Vorschlag, wie der Überschuss sinken könnte.
Audi und VW für den Export

Audi und VW für den Export

Foto: Ingo Wagner/ picture alliance / dpa
Zur Person
Foto: Ingo Wagner/ picture alliance / dpa

Carl Christian von Weizsäcker, 79, ist emeritierter Professor für Volkswirtschaftslehre. Er arbeitet am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn. Weizsäcker stammt aus prominenter Familie: Sein Vater Carl Friedrich war Physiker und Philosoph, sein Onkel Richard Bundespräsident.

SPIEGEL ONLINE: Wie könnte Deutschland seine Leistungsbilanz ausgleichen?

Weizsäcker: Der Gesetzgeber müsste die Mehrwertsteuer deutlich senken, um fünf Prozentpunkte oder mehr. Dadurch würden Waren und Dienstleistungen in Deutschland billiger, Verbraucher und Unternehmen konsumierten mehr, auch Güter, die aus dem Ausland eingeführt werden. Der Import würde gestärkt, ohne den Export zu schwächen. Dies würde helfen, die Bilanz auszugleichen.

SPIEGEL ONLINE: Warum wählen Sie in diesem Modell die Mehrwertsteuer?

Weizsäcker: Diese Steuer ist leicht zu verändern, und sie ist sehr ergiebig. Wenn man die Mehrwertsteuer senkt, belebt dies relativ schnell den privaten Konsum, Investitionen blieben unbelastet. Wir bekämen eine etwas höhere Inflation, die zusätzliche Nachfrage würde die Konjunktur stimulieren, insbesondere auch in den schwächeren Euroländern: Sie könnten ihre Exportchancen verbessern.

SPIEGEL ONLINE: Der deutsche Staat müsste sich allerdings, weil die Steuereinnahmen erheblich schrumpften, noch tiefer verschulden?

Weizsäcker: Das ist kein Problem. Solange der Zins real bei null liegt und die Wirtschaft wächst, kommt der Staat mit einer höheren Nettoneuverschuldung gut zurecht. Ich rate deshalb, die Schuldenbremse abzuschaffen und dafür eine Leistungsbilanzbremse einzuführen.

SPIEGEL ONLINE: Warum ist eine ausgeglichene deutsche Handelsbilanz überhaupt erstrebenswert?

Weizsäcker: Dass Deutschland weit mehr exportiert als importiert, provoziert bei den Handelspartnern Abwehrverhalten, wie an den jüngsten Äußerungen des neuen US-Präsidenten zu erkennen ist. Der Protektionismus stellt eine große Gefahr für die deutsche Prosperität dar. Eine Leistungsbilanzbremse wäre eine starke Waffe gegen den Protektionismus.

SPIEGEL ONLINE: Weil Deutschland damit guten Willen signalisiert?

Weizsäcker: Ja, man hätte in künftigen Verhandlungen etwas anzubieten: Wir importieren mehr, und zwar auch aus den Vereinigten Staaten, aber nur, wenn dafür Mr Trump seine Folterinstrumente wieder wegsteckt.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.