Wirtschaft

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Geste im Handelsstreit

China öffnet Agrarmarkt für BASF- und Bayer-Saatgut

Im Handelskonflikt mit den USA hat China gentechnisch veränderte Raps-, Mais- und Sojapflanzen zugelassen. Die Agrarlobby freut sich - Donald Trump auch.

DPA/ CHINATOPIX

Importierte Sojabohnen im chinesischen Hafen von Nantong

Dienstag, 08.01.2019   16:39 Uhr

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Eigentlich finden die Verhandlungen im Handelsstreit zwischen China und den USA in Peking hinter verschlossenen Türen statt. Doch Donald Trump zeigte sich auf Twitter bereits zuversichtlich: "Die Gespräche mit China laufen gut!"

Die Einschätzung des US-Präsidenten könnte mit einem Entgegenkommen Chinas auf dem Agrarmarkt zusammenhängen. Denn erstmals seit anderthalb Jahren hat die chinesische Regierung wieder Importzulassungen für gentechnisch veränderte Pflanzensorten erteilt. Ein Vertreter eines US-Agrarverbands sagte: "Es ist eine Geste des guten Willens zur Lösung der Handelsfrage."

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Am Montag hatten China und die USA ihre ersten direkten Handelsgespräche aufgenommen, seit US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping im Dezember eine 90 Tage dauernde Pause im Zollstreit vereinbart hatten. In Peking haben Vertreter der beiden weltgrößten Wirtschaftsmächte diese Verhandlungen am Dienstag fortgesetzt.

Die USA fordern seit Längerem eine größere Öffnung Chinas für landwirtschaftliche Produkte. Das Land ist zudem größter Exporteur von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen. China ist der größte Importeur von Sojabohnen und Raps aus diesem Bereich.

Deutsche Wirtschaft besorgt

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Insgesamt hat China nun fünf gentechnisch veränderte Pflanzensorten für den Import freigegeben - zwei Sorten von BASF, eine der neuen Bayer-Tochter Monsanto und zwei Sorten des US-Chemieriesen DowDupont. Dabei geht es um Raps, Mais und Sojabohnen.

"Wir freuen uns, dass die Zulassung unserer Saatgutmerkmale in China voranschreitet", erklärte DowDuPont. Die Führung in Peking ebne damit den Weg für den Import großer Mengen an Sojabohnen aus den USA, sagte Experte Li Qiang vom Analysehaus Shanghai JC Intelligence. "Es ist ein positives Signal."

China hatte zuletzt im Juli 2017 gentechnisch veränderte Pflanzensorten für den Import zugelassen - ebenfalls nach hochrangigen Gesprächen mit Vertretern der US-Regierung. US-Bauern und Saatgutkonzerne beklagen seit Längerem langsame und unberechenbare Zulassungsverfahren für Gen-Nutzpflanzen.

REUTERS

Staatspräsidenten Xi Jinping und Donald Trump

Die USA werfen China neben unfairen Handelspraktiken auch Diebstahl geistigen Eigentums vor. Im Zuge des Konflikts hatten sich beide Seiten mit Strafzöllen überzogen.

Trumps Optimismus lässt Dax steigen

Auch deutsche Unternehmen sind besorgt, dass eine weitere Verschärfung der US-Handelspolitik die deutsche Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen könnte. Bei einer Zuspitzung aller Handelsstreitigkeiten der USA mit China, der EU und den anderen vier wichtigsten US-Handelspartnern mit Zusatzzöllen in Höhe von 25 Prozent und Vergeltungsmaßnahmen könnte das deutsche Bruttoinlandsprodukt dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge in den nächsten fünf Jahren um 3,8 Prozent schrumpfen.

Angesichts Trumps optimistischer Äußerungen hat sich der deutsche Aktienindex Dax unterdessen aktuell erholt. Am Nachmittag stieg er um knapp 1,3 Prozent auf mehr als 10.880 Punkte. Der Index der mittelgroßen Unternehmen MDax gewann 1,6 Prozent auf mehr als 22.500 Punkte.

apr/Reuters/dpa

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