Ökonom zum Handelsstreit zwischen USA und China "Europa könnte zum großen Profiteur werden"

Die neuen US-Strafzölle gegen China sind eine Gefahr für die Weltwirtschaft, warnt Gabriel Felbermayr. Der Ifo-Forscher sieht aber auch Chancen für die deutsche und europäische Industrie.

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Trotz aller Risiken birgt die erneute Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China nach Ansicht des Ifo-Ökonomen Gabriel Felbermayr auch Chancen für die EU und insbesondere Deutschland. "Europa könnte zum großen Profiteur werden, wenn sich China zu Zugeständnissen im Rahmen der WTO drängen lässt", sagte Felbermayr, der das Ifo-Zentrum für Außenwirtschaft leitet. Das könnte dann der wettbewerbsfähigen deutschen Industrie deutlich mehr nutzen als der amerikanischen.

"Die Zeit, in der Trump gleichzeitig gegen alle Handelspartner vorgeht, sollte zunächst einmal vorbei sein", führte Felbermayr aus. "Solange sich die Spirale des Handelskriegs zwischen Washington und Peking dreht, ist Europa relativ sicher." Produkte aus Europa könnten sogar Marktanteile gewinnen.

US-Präsident Donald Trump hatte am Montagabend (Ortszeit) zehnprozentige Zuschläge auf Waren aus China in einem Wert von 200 Milliarden Dollar angekündigt, die im kommenden Jahr auf 25 Prozent steigen sollen. Zugleich drohte Trump mit einer weiteren Eskalation, sollte Peking mit Vergeltungsmaßnahmen reagieren. Exakt solche kündigte das chinesische Handelsministerium am Dienstag auch an, ohne jedoch konkrete Maßnahmen zu benennen.

Die Differenz zwischen amerikanischen Exporten nach China und US-Importen aus China ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten drastisch gestiegen. Zuletzt betrug das US-Handelsdefizit mit China 375 Milliarden Dollar (siehe Grafik). Trump findet das unfair und hat seinen Wählern versprochen, das zu ändern (mehr dazu erfahren Sie hier). Seit Anfang Juli haben sich beide Länder mit Straf- und Vergeltungszöllen überzogen. Der Streit belastet die Finanzmärkte, weil es die Sorge vor einem Handelskrieg gibt.

Auch Ifo-Experte Felbermayr warnt vor den Gefahren dieses Konflikts. Insgesamt erhöhe der Handelskrieg zwischen den USA und China die weltwirtschaftlichen Risiken deutlich, sagte Felbermayr. Er führe zu Aufwertungsdruck auf den Dollar, das belaste die Schwellenländer. Wenn europäische Konzerne in den USA oder China für den Weltmarkt produzieren, dann stiegen auch für sie die Kosten. Und in China selbst kämen manche überschuldete Unternehmen unter zusätzlichen Druck.

Allerdings relativierte der Ökonom die Wirkung auf die chinesische Wirtschaft. Die neuen US-Zölle bremsen laut Ifo-Berechnung das Wachstum nur wenig, konkret um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte. "Das ist spürbar, aber bei einem chinesischen Wachstum von etwa 6,5 Prozent im Jahr ist die Auswirkung überschaubar", so Felbermayr. China habe sich in den vergangenen Jahren deutlich unabhängiger vom Export gemacht. "Das zahlt sich jetzt aus", ergänzte der Experte.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) verwies hingegen darauf, dass der Streit zwischen China und den USA auch die deutsche Wirtschaft treffe. Deutsche Unternehmen hätten sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in China viel investiert und beschäftigten in beiden Wirtschaftsräumen jeweils rund eine Million Menschen, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Viele ihrer Produkte würden über den Pazifik hinweg gehandelt und könnten zukünftig schwieriger abgesetzt werden. "Am Ende werden alle Produkte einfach teurer, ohne dass irgendjemand davon einen Mehrwert hätte", sagte Treier.

Auch EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström sieht in den neuen US-Zöllen gegen China vor allem Nachteile. "Handelskriege sind nicht gut, nicht einfach zu gewinnen und natürlich sehr unglücklich", sagte Malmström. Einige der Streitpunkte zwischen den USA und Peking seien zwar nachvollziehbar und müssten von der Welthandelsorganisation WTO angegangen werden. "Wir sind aber gegen die Methoden der USA, also die Zölle, um China zur Mitarbeit zu überzeugen", sagte die EU-Kommissarin.

fdi/Reuters/dpa

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JürgenHammerbeck 18.09.2018
1. Deutschland gelähmt
Daraus wird nur nichts werden. Wenn man von aussen auf Deutschland blickt, ist doch der ganze Politikbetrieb nur noch ein lächerlicher Zirkus. Die einfachsten Probleme sind nicht mehr in den Griff zu bekommen. Das gilt sowohl politisch als auch wirtschaftlich (verfallene Strassen, Brücken, Schulen, nichts wird fertiggestellt ... ). Chinesische Firmen sollen möglichst nicht in Deutschland investieren - sicher werden die kein Problem auf Dauer damit haben. Aber wie sollen wir denn bitte ein "grosser Profiteur" werden! Das wirkt da geradezu lachhaft. Wir mauern uns gerade selbst ein - Beispiel Russland: gute Beziehungen zu diesem Land wären nicht nur von Vorteil, sonder auch Verpflichtung!
sough 18.09.2018
2. Ist mir immer noch unverständlich..
Warum man als erfolgreicher Exporteur (zb DE, oder hier eben China), dafür zu sorgen hat, dass die Ausgaben der Käufer nicht zu sehr ins Defizit rutschen. Macht keinen Sinn.. wir werden dafür verantwortlich gemacht, dass die USA so viel von uns/China importiert, gleichzeitig aber keine so tollen Produkte hat, die sie verkaufen können? Wir sollen mehr importieren, damit sich _deren_ Problem des Defizits nicht verschlimmert?! I don't get it..
gmahde_wiesn 18.09.2018
3. Die Amerikaner wissen das ...
... deswegen werfen Sie Europa Knüppel zwischen die Beine wo sie können. Von der Destabilisierung des Mittleren Ostens bis zum Dieselskandal
dunnhaupt 18.09.2018
4. China & USA sind ideale Handelspartner -- EU & China sind Konkurrenten
Die USA kaufen so viele Industrieprodukte in China, weil man sie braucht. China dagegen hat 800 Millionen Menschen zu füttern, und die USA sind das einzige Land der Welt mit einem so großen Lebenmittelüberschuss, dass es China noch mit füttern kann. Die USA exportieren nach China vor allem Reis, Soja und Fleisch für die Unterklasse, aber auch Hummer für 150 Millionen Dollar im Jahr für die chinesische Oberschicht.
R.W.Schramm, 18.09.2018
5. Die wirtschaftliche Zukunft liegt im Bündnis mit Russland und China!
Der weltgrößte Rohstoffreichtum Russlands und Afrikas kann nur ökologisch nachhaltig mit der Russischen Föderation und China wirtschaftlich gehoben werden! -- Zudem entwickelt sich die kapitalistische Volksrepublik Chinas zum größten Weltmarkt und Abnehmer (vor allem) qualitativ hochwertiger Produkte, Waren und Güter, aus Deutschland. Eine zukunftsorientierte Gesellschaftspolitik sollte sich nicht von den gewaltigen ökonomischen Möglichkeiten, die diese Zusammenarbeit beinhaltet, von der amerikanischen imperialistischen Administration abbringen lassen! Dafür ist auch insbesondere eine enge ökonomische und gesellschaftspolitische Vernetzung mit der VR China notwendig. -- Die chinesische Wirtschaft bleibt unter innen- und außenwirtschaftlichen Herausforderungen stabil, während das Land strukturelle Reformen vorantreibt und neue Wachstumsmotoren fördert. Das Land verzeichnete ein solides Wachstum der Industrieproduktion und der Einzelhandelsumsätze, obwohl sich der Anstieg der Anlageinvestitionen weiterhin verlangsamte, wie Daten des Staatlichen Statistikamts (NBS) vom Freitag zeigten. Trotz der Schwankungen einiger Indikatoren sagte NBS-Sprecher Mao Shengyong, dass die Wirtschaft im Allgemeinen stabil sei und sich die Wachstumsdynamik verbessere. Die Industrieproduktion stieg im August gegenüber dem Vorjahr um 6,1 Prozent, etwas höher als die Steigerung vom Juli von 6 Prozent. Die Produktion von 336 von 596 industriellen Schlüsselprodukten, die von der Regierung überwacht wurden, einschließlich Stahl, Kohle, Rohöl und integrierten Schaltkreisen, stieg, aber die Produktion von Autos, Ethylen und Computern ging zurück. Der Einzelhandelsumsatz stieg im vergangenen Monat mehr als erwartet, nämlich um 9 Prozent, und damit mehr als die 8,8 Prozent im Juli. Um die Infrastrukturinvestitionen zu erhöhen, hat das Land in den vergangenen Monaten die Genehmigungen von Eisenbahn- und Netzprojekten beschleunigt. Die Bahninvestitionen im Zeitraum von Januar bis August beliefen sich nach Angaben der China Railway Corporation auf 461,2 Milliarden Yuan (57,6 Milliarden Euro) oder 63 Prozent der gesamten geplanten Eisenbahninvestitionen für das gesamte Jahr. Im Vergleich dazu lagen sie im gleichen Zeitraum des Vorjahres bei 56,8 Prozent. Neben der Stimulierung der Investitionen hat die Zentralbank des Landes durch Offenmarktgeschäfte Mittel in den Markt gepumpt, um die Finanzierungskosten zu senken, und die Finanzinstitute aufgefordert, die Unterstützung von Klein- und Kleinstunternehmen zu verbessern. Während das Land die Wirtschaft weiter umstrukturiert und neue Wachstumsmotoren gefördert hat, verzeichneten der High-Tech-Sektor, die strategischen aufstrebenden Industrien, der Maschinenbau und die Dienstleistungen eine rasche Expansion. Jedes weitere politische Zusammenspiel mit der unfähigen amerikanischen Administration (unter Trump) sollte man schrittweise beenden!
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