Verband verärgert Mieten für Handwerker in Städten offenbar zu teuer

In München, Hamburg und Berlin leiden viele Menschen unter hohen Mieten. Das gilt laut einem Branchenverband auch für viele Handwerker - die deshalb aufs Land ziehen müssten.

Fleischer-Fachgeschäft in Berlin-Neukölln: "Echter Verdrängungswettbewerb"
Schöning/ imago images

Fleischer-Fachgeschäft in Berlin-Neukölln: "Echter Verdrängungswettbewerb"


Die Werkstatt im Hinterhof oder in der Garage: In vielen Großstädten sind daraus längst Wohnungen geworden. Und unter steigenden Mieten und Immobilienpreisen leiden die verbliebenen Handwerker offenbar zunehmend.

"In gentrifizierten Quartieren verschwinden Bäcker, Fleischer, Schuster oder Änderungsschneider aus den Straßen, weil sie sich die Miete der Geschäftsräume nicht mehr leisten können", sagte der Generalsekretär des Zentralverbands ZDH, Holger Schwannecke, der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten".

Steigende Konflikte mit Nachbarn

"Vielerorts erleben wir einen Rückzug von Handwerkern aus den Innenstädten und Wohnvierteln an die Ränder der Stadt, da spielt sich ein echter Verdrängungswettbewerb ab." Als Beispiele nannte Schwannecke Kfz-Betriebe oder Tischlerwerkstätten, die dem Wohnungsbau weichen müssten. Außerdem nähmen Konflikte mit Nachbarn zu, etwa wegen Lärms oder der Immobiliennutzung. Expansionsmöglichkeiten gebe es vielerorts nur noch am Stadtrand.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) stützt sich dabei auf eine aktuelle Umfrage unter 5000 Betrieben. Demnach will fast jeder zehnte Betrieb in den kommenden beiden Jahren seinen Standort wechseln. In den Innenstädten sei es fast schon jeder fünfte Betrieb.

apr/dpa

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veranda-views 16.08.2019
1. Handwerker
Kaum ein guter Handwerker ist zu einem bezahlbaren Preis zeitnah zu bekommen. Die Betriebe expandieren an den Stadtrand und machen nur noch Großkunden. Normal würden kleinere "Pfuscher, Schwarzarbeiter und in-die-hand-nehmer" nachwachsen, sind von Zoll und Gesetz aber so wegreguliert, dass es sich nicht mehr lohnt. Die Folge: Grosse, unpersönliche Betriebe, die nur auf Wirtschaftlichkeit getrimmt sind. Die Lösung: kleine Betriebe mit persönlichen Ansprechpartnern beauftragen.
hanuman1eins11!!! 16.08.2019
2.
Wobei Mitglieder des Bauhandwerks durch ihre Tätigkeit sehr dicht am Immobiliengeschehen / "am Markt" dran sind. Zumindest in unserer Region sind Tischler, Landschaftsgärtner, Klempner,... beim Immokauf ganz vorne mit dabei. Oft Objekte, die noch gar nicht den Markt erreicht haben. Stichwort Insiderwissen:-).
observerlbg 16.08.2019
3. Wirklich nur an den Stadtrand zeihen?
Wir haben unseren Betrieb gleich dicht gemacht. Gesetzliche Einschränkungen und Raumkosten (ständig steigend), die mittlerweile das Geschäft vollständig unrentabel machen. Es waren ja auch nur etwa zehn Angestellte betroffen, die wie ich, ihr Einkommen nun in der Industrie gefunden haben. Schade für unsere Kunden.
liberaleroekonom 16.08.2019
4. Immobilien taugen auch als Altersvorsorge
Zitat von hanuman1eins11!!!Wobei Mitglieder des Bauhandwerks durch ihre Tätigkeit sehr dicht am Immobiliengeschehen / "am Markt" dran sind. Zumindest in unserer Region sind Tischler, Landschaftsgärtner, Klempner,... beim Immokauf ganz vorne mit dabei. Oft Objekte, die noch gar nicht den Markt erreicht haben. Stichwort Insiderwissen:-).
Es könnte auch allerdings lediglich eine extrem sinnvolle Altersvorsorge für Selbständige/Handwerker sein. So viele attraktive Möglichkeiten der Kapitalanlage, bei denen das Risiko auch noch halbwegs überschaubar ist und die Rendite stimmt, gibt es leider derzeit nicht. Das Investieren in Immobilien ist zumindest (noch) eine davon. Wobei ein Herr Kühnert von der SPD ja inzwischen schon vorprescht und Vermietungen durch Privatpersonen als kein legitimes Geschäftsmodell betrachtet. Und ja, gute Beziehungen zu haben ist nicht verboten. Beziehungen schaden nur dem der keine hat.
colinchapman 16.08.2019
5. da hilft nur noch do-it-yourself
Als Münchner ist man chancenlos dabei, einen Handwerker für EINE Reparatur zu bekommen. In meinem Fall war es eine Wohnungstüre, an der die Angeln allmählich ausrissen. Der Vermieter verwies mich an die Hausverwaltung, die versprach, einen Handwerker zu beauftragen - was zwei Monate lang nicht geschah. Die eigene Recherche verlief ebenfalls ergebnislos. Ich habe mir dann Werkzeug gekauft und die Türe 1:1 nachgebaut.
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