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25. Juni 2018, 08:03 Uhr

Nachwuchsmangel

Handwerker müssen Kunden wohl noch länger warten lassen

Handwerker sind gefragt, die Firmen finden laut dem Dachverband ZDH aber zu wenig Nachwuchs. Er warnt: Betriebe müssen schließen - und die Kunden sich auf noch längere Wartezeiten bei Aufträgen einstellen.

Viele Bauherren kennen das Problem: Die Pläne für das Haus oder Umbauten sind fertig, aber es gibt kaum Handwerksfirmen mit freien Kapazitäten. Es könnte noch schlimmer werden, warnt Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Denn in vielen Firmen stehe ein Generationswechsel bevor und oft fehlten geeignete Nachfolger.

Das Problem der langen Wartezeiten auf Handwerker "wird sich noch verschärfen", sagte Wollseifer den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Die Auftragsbücher sind so voll, dass Aufträge abgelehnt werden müssen, wenn sie nicht von Stammkunden kommen." Das sei eine schwierige Lage, die keinem Handwerker gefalle. "Aber es fehlt schlicht am Personal."

Rund 200.000 Betriebe mit rund einer Million Mitarbeitern stünden in den kommenden fünf bis sechs Jahren vor einem Generationswechsel. Wollseifer äußerte die Befürchtung, "dass nicht alle Betriebe fortgeführt werden", und begründete dies mit Nachwuchsmangel.

Laut dem Handwerkspräsidenten könnte die Branche derzeit "200.000 bis 250.000 zusätzliche Handwerker sehr gut in den Betrieben unterbringen". Über viele Jahre hätten sich zu wenig Jugendliche für eine Lehre im Handwerk entschieden, sagte Wollseifer. "Jedes Jahr fehlen 15.000 bis 20.000 Azubis und Lehrlinge."

Wollseifer verweist auf gute Verdienstmöglichkeiten

Besonderer Personalmangel herrscht demnach bei Bäckern und Fleischern. "Auch bei Klempnerbetrieben, Sanitär- und Heizungsbetrieben und in der Haustechnik ist der Mangel an Auszubildenden und Fachkräften gravierend", sagte Wollseifer. Dabei sei das Handwerk lukrativ. Der ZDH-Präsident rechnete vor: Ein Meister in betriebsleitender Funktion erhalte in größeren Betrieben zwischen 3500 und 5500 Euro brutto monatlich. "Wer richtig gut ist und ein eigenes Unternehmen hat, kann noch wesentlich mehr verdienen."

Wollseifer ist Chef des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), in dem Handwerkskammern und Fachverbände zusammengeschlossen sind. Im Frühjahr hatte der ZDH mitgeteilt, die Auftragsvorlaufzeit - also die Zeit, die ein Betrieb benötigt, um die bereits vorhandenen Aufträge abzuarbeiten - sei aufgrund der guten Konjunktur auf im Schnitt zehn Wochen gestiegen.

mmq/dpa

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