Sorge vor schlechtem Ruf Handwerkspräsident fordert Meisterpflicht für bestimmte Berufe

In vielen Handwerksberufen sollte der Meisterbrief wieder Pflicht werden, fordert der Chef des Branchenverbands. Er sorgt sich angesichts Tausender Ein-Personen-Betriebe um den Ruf des Handwerks.
Goldschmied bei der Arbeit

Goldschmied bei der Arbeit

Foto: Matthias Balk/ dpa

Seit dem Wegfall der Meisterpflicht in vielen Handwerksberufen sind Tausende Solo-Selbstständige dazugekommen. Der Handwerksverband ZDH sieht darin nicht nur Vorteile. Präsident Hans Peter Wollseifer dringt auf eine Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Berufen und warnt vor Marktverzerrungen. "Wir können nicht jeden wild drauflos arbeiten lassen", sagte Wollseifer der Nachrichtenagentur dpa.

Eine Wiedereinführung der Meisterpflicht in bisher zulassungsfreien Gewerken werde zu mehr Wettbewerbsgerechtigkeit und fairen Marktbedingungen führen. Wollseifer verwies auf ein juristisches Gutachten im Auftrag des Handwerks. Dies komme zu dem Ergebnis, dass eine Rückkehr von Handwerkern in die Meisterpflicht unter Einhaltung bestimmter Kriterien verfassungs- und europarechtlich möglich sei.

Im Jahr 2004 war in mehr als fünfzig Berufen die Meisterpflicht weggefallen. "Seit der Deregulierung braucht man als Rollladen- und Jalousienbauer, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Gold- und Silberschmied, Orgelbauer oder Musikinstrumentenhersteller keinen Meisterbrief und keinen Qualifikationsnachweis mehr, um in diesen Gewerken selbstständig am Markt zu sein", sagte Wollseifer.

"Theoretisch kann jeder einfach einen Auftrag annehmen und machen. Für diese Tätigkeiten sollte man aber qualifiziert sein." Inzwischen seien einige unterwegs, die sich zwar als Handwerker betitelten, aber gar nicht ausgebildet seien, kritisierte der Handwerkspräsident. "Und die liefern natürlich nicht immer die Qualität ab, die es sein sollte. Das schädigt den Ruf des Handwerks insgesamt."

Günstigere Preise zulasten der Sozialkassen

Seit der Deregulierung seien im Handwerk Tausende Ein-Personen-Betriebe dazugekommen. "Viele Solo-Selbstständige geben an, dass sie weniger als 17.500 Euro Umsatz haben, damit müssen sie dann den Kunden gar keine Mehrwertsteuer in Rechnung stellen. Die können ihre Leistungen natürlich deutlich günstiger anbieten als seriös arbeitende Handwerksbetriebe, die die Mehrwertsteuer abrechnen", sagte Wollseifer. Die Minibetriebe seien selten darauf angelegt, Personal aufzubauen und auszubilden.

Viele Solo-Selbstständige sorgten zudem nicht fürs Alter vor und zahlten keine Kranken- und Unfallversicherung. "Dadurch können sie ganz andere Preise kalkulieren und noch mal fast 40 Prozent günstiger anbieten", rechnete Wollseifer vor. "So kommt es, dass sie für die Stunde 25 Euro berechnen, und Betriebe, die ihre Sozialversicherungsabgaben leisten, 50 Euro berechnen. An vielen Stellen läuft es in die falsche Richtung. Das sollte begradigt werden."

Wollseifer warnte davor, bei der Deregulierung nur das größere Angebot an günstigen Handwerksleistungen zu sehen. Es seien die Meister-Handwerksbetriebe, die Beiträge zur Arbeitslosen-, Renten- und Krankenversicherung zahlten.

mmq/dpa

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