Bankrotte Großreederei Hanjin erhält Millionenhilfe

Mit Hanjin hat eine der größten Reedereien der Welt Bankrott angemeldet, eine Finanzspritze soll nun Zeit kaufen. Die Pleite ist symptomatisch für die Branche: Auch deutsche Firmen stecken in der Krise.

Hafenmitarbeiter in Seoul
AFP

Hafenmitarbeiter in Seoul


Zweieinhalb Monate hat die insolvente Reederei Hanjin Shipping Zeit, um einen Rettungsplan vorzulegen. Nicht die einzige Herausforderung für die Südkoreaner: Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, brauchen sie schon jetzt dringend Geld.

Nun hat die südkoreanische Hanjin-Gruppe angekündigt, ihrer Tochter 100 Milliarden Won - umgerechnet rund 80 Millionen Euro - zur Verfügung zu stellen. Ein Teil des Geldes soll direkt aus dem Privatvermögen von Konzernchef Cho Yang Ho kommen, teilte die Gruppe mit. Um sich weitere 60 Milliarden Won beschaffen zu können, will der Konzern, zu dem auch die südkoreanische Fluggesellschaft Korean Air gehört, seine Anteile an Hafenterminals im Ausland als Sicherheit anbieten.

Auf den ersten Blick eine gute Nachricht für die in Existenznot geratene Reederei. Das Problem: Auch 160 Milliarden Won sind nur ein Bruchteil dessen, was Hanjin Shipping braucht, um weiter arbeiten zu können. Denn aus Sorge, dass die Reederei die Gebühren nicht zahlen kann, verwehren weltweit Häfen den Containerschiffen die Einfahrt in die Häfen oder das Anlegen. Nach Angaben der Reederei sind 73 der 141 Hanjin-Schiffe betroffen. Südkoreanische Medien schätzen allein die Kosten für das Löschen der Ladung auf bis zu 600 Milliarden Won. Insgesamt hat das Unternehmen nach eigenen Angaben umgerechnet fast fünf Milliarden Euro Schulden.

Branche in der Dauerkrise

Die Probleme von Hanjin Shipping sind symptomatisch für die ganze Branche. Seit Sommer 2008 steckt die Containerschifffahrt in einer Dauerkrise. Das liegt zum einen am schwachen Seehandel in Folge der Wirtschaftskrise 2007, zum anderen an massiven Überkapazitäten.

Das Problem ist auch hausgemacht: In den Jahren vor der Wirtschaftskrise bauten die Reedereien ihre Flotten massiv aus. Und sie setzen noch immer auf neuere, größere Schiffe. Die kleineren Frachter werden indes nicht außer Betrieb genommen, sondern billig weiterverkauft. Dieses Überangebot drückt die Fracht- und Charterraten.

"Rund drei Viertel der Welt-Schifffahrt sind in einer schwierigen Situation", sagt Thomas Rehder, Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder (VDR). Das betreffe nicht nur die Containerschifffahrt, sondern mittlerweile auch Gas- und Öltanker, Massengutfrachter und die Offshore-Förderindustrie.

Das bekommen auch deutsche Reeder zu spüren. Die deutsche Handelsflotte ist mittlerweile von einst 3900 auf weniger als 3000 Schiffe geschrumpft. Experten gehen davon aus, dass ein Großteil der kleineren und mittelgroßen Reedereien die Krise nicht überstehen werden.

Mit den Südkoreanern hat es nun zum ersten Mal einen der Riesen der Branche erwischt - und das verunsichert die anderen. Bislang gaben vor allem kleinere Unternehmen auf, Hanjin ist weltweit die siebtgrößte Reederei. Die Branche muss sich wandeln - doch noch fehlt es an Ideen und Lösungen. Die Großen setzen auf Allianzen, so schloss sich zum Beispiel Hapag-Lloyd im Mai diesen Jahres mit fünf weiteren Reedereien zusammen. Für Innovationen fehlt vielen Reedereien mittlerweile das Geld.

brk/dpa

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