Rettungsplan in Arbeit Reedereiriese Hanjin kämpft ums Überleben

Sie ist die siebtgrößte Reederei weltweit und insolvent: Nun will Hanjin aus Südkorea bis November einen Rettungsplan vorlegen. Die Pleite hat bereits jetzt immense Folgen für den Welthandel.

Containerschiff von Hanjin
AFP

Containerschiff von Hanjin


Die zahlungsunfähige größte südkoreanische Reederei Hanjin Shipping will bis zum November einen neuen Rettungsplan vorlegen. Das Zentralgericht in Seoul habe dem Antrag auf Insolvenzverwaltung stattgegeben, teilte eine Firmensprecherin mit.

Bis zum 25. November muss der Sanierungsplan vorliegen. Wird dieser abgelehnt, droht die Abwicklung des hoch verschuldeten Unternehmens. Eine Insolvenz dieser Größenordnung hat es in der Seefahrt noch nicht gegeben. Hanjin Shipping ist die Nummer sieben der Branche.

Das Überleben der Reederei gilt als äußerst unsicher. Überkapazitäten und der schwache Seehandel haben die Tochterfirma der Hanjin-Gruppe, zu der auch die Fluggesellschaft Korean Air gehört, in Zahlungsnot gebracht.

Einige Häfen verwehren Hanjin-Schiffen die Einfahrt

Die Folgen sind immens. Über 500.000 Container dürften zu spät zu den Kunden kommen. Der koreanische Konzern LG Electronics teilte bereits mit, dass er in nächster Zeit auf bis zu 20 Prozent seiner Amerika-Lieferungen verzichten muss.

Kurz nach der Antragstellung durch Hanjin am Mittwoch verwehrten einige Häfen den von der Firma betriebenen Schiffen die Einfahrt - aus Sorge, dass Gebühren nicht bezahlt werden. Bisher seien 27 Schiffe betroffen, sagte die Firmensprecherin. Auch wurden nach Berichten südkoreanischer Medien in einigen Ländern Schiffe von Mietern in Beschlag genommen.

Hanjins Gläubiger hatten sich diese Woche geweigert, frisches Geld zur Verfügung zu stellen. Bis Ende Juni hatte Hanjin nach eigenen Angaben umgerechnet 4,9 Milliarden Euro Schulden.

msc/dpa



insgesamt 7 Beiträge
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Alfred Ahrens 02.09.2016
1. Eine Warnung an alle Verfrachter, die den Containerreedereien immermehr den Hahn zudrehen
Denn der so billige Welthandel kann schnell zum Erliegen kommen, wenn das Beispiel Schule macht. Auch Hapag Lloyd und andere Reeder werden nicht immer rote Zahlen schreiben können. Und dann geht nichts mehr. Hoffentlich wird HANJIN eine Warnung sein, die gehört wird.
frenchie3 02.09.2016
2. Kann man auch positiv sehen
Weniger Kapazitäten = höhere Frachtraten = teurerer Chinaschrott = Vorzug europäischer Produktion. Man kann ja mal träumen
see_baer 02.09.2016
3. Solange China den Neubaumark suventioniert
um seine Stahlarbeiter zu beschäftigen, werden immer noch schiffe gebaut , die keiner braucht! Die Kartellbehörden haben bei den Fusionen schon gekniffen - die Frage ist , was passiert, wenn sich der Markt auf die Anbieter MAERSK, CMA und MSC beschränkt. Explodieren dann die Frachtraten?
Alfred Ahrens 02.09.2016
4. Nein, nicht die Frachtraten, sondern
Zitat von see_baerum seine Stahlarbeiter zu beschäftigen, werden immer noch schiffe gebaut , die keiner braucht! Die Kartellbehörden haben bei den Fusionen schon gekniffen - die Frage ist , was passiert, wenn sich der Markt auf die Anbieter MAERSK, CMA und MSC beschränkt. Explodieren dann die Frachtraten?
die Preise, die Sie als Verbaucher zahlen. Denn das nutzen die Händler natürlich schamlos aus und schlagen mehr drauf, als der wirkliche Zusatz ist. Das müssen die Endkunden dann bezahlen, die sich den zehnten Fernseher und das fünfzehnte Smartphone kaufen. Viel kristischer sind die on-time Lieferungen zu sehen, da keiner mehr Lagerkapazität hat, dürften wohl so einige Bänder stillstehen.
erst nachdenken 02.09.2016
5.
Teurere Frachtkosten sind natürlich besonders bei Billigware problematisch, also für unsere Wirtschaft eher nützlich.
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